„Starke Sek-I-Schulen“

Heidekreis ist Modellregion / Anmeldeverfahren im Februar

„Starke Sek-I-Schulen“

Das vom Niedersächsischen Kultusministerium initiierte Sonderprogramm „Starke Sek- I-Schulen“ geht in die konkrete Umsetzung. Ziel ist es, in landesweit fünf Modellregionen beispielhaft Maßnahmen zu erproben, um die Attraktivität der Haupt-, Real- und Oberschulen zu steigern. Als Modellregionen sind neben dem Heidekreis Salzgitter, Holzminden, Nienburg sowie Wilhelmshaven ausgewählt worden.

„Die Lehrkräfteversorgung ist besonders in einigen ländlichen Regionen Niedersachsens weiterhin nicht zufriedenstellend. Im Rahmen des Programms können in Zusammenarbeit mit den Schulträgern und bestehenden Bildungsregionen neue Ideen entwickelt, vorhandene Projekte intensiviert und gemeinsam Maßnahmen erprobt werden, um die Gewinnung von Lehrkräften an diesen Schulen zu unterstützen“, so Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Ausgewählt wurden die Modellregionen aufgrund der statistischen Daten der Unterrichtsversorgung an den Haupt-, Real- und Oberschulen in den vergangenen drei Jahren sowie an allen allgemeinbildenden Schulen auf Landkreisebene. In den ausgewählten Modellregionen lag die Unterrichtsversorgung unter dem Landesdurchschnitt.

Das Sonderprogramm „Starke Sek I-Schulen“ ist, wie das Kultusministerium erläutert, in zwei Bausteinen angelegt: „Ein Baustein umfasst die Arbeit in den festgelegten fünf Modellregionen, parallel dazu sollen in einem zweiten Baustein weitere Maßnahmen zur Stärkung der Sek-I-Schulen im Kultusministerium geprüft und landesweit auf den Weg gebracht werden.“ Dazu Tonne: „Der Baustein ‚Modellregionen‘ im Sonderprogramm Starke Sek-I-Schulen ist kein klassisches Projekt, sondern lebt von der Flexibilität: Das Ziel ist definiert, der Weg - der Maßnahmenkatalog - ist variabel. Um die Schulen aktiv und zielführend einzubinden, soll das Sonderprogramm durch ein agiles Projektmanagement umgesetzt werden.“

In den Modellregionen erprobten die Schulen die vom Kultusministerium angebotenen Basismaßnahmen, sie können diese Maßnahmen darüber hinaus um eigene Schul-Schwerpunkte erweitern. Die Maßnahmen können von den Schulen laufend in das Programm eingebracht werden - beginnend ab 1. Februar. Die Schulen entscheiden selbst, an welchen Schwerpunkten sie arbeiten wollen.

Das Programm startet am 1. Februar, die Teilnahme ist ein freiwilliges Angebot an die Schulen in einer Modellregion. Demnächst erhalten die Schulen weitere Informationen zum Anmeldeverfahren, das bis zum 28. Februar läuft.

„Wir warten nun schon sehr lange darauf, dass die Unterrichtsversorgung an unseren Schulen besser wird. Ein solches Modellprojekt ist eine große Chance für die Schulen im Heidekreis“, so die CDU-Landtagsabgeordneten Gudrun Pieper und Dr. Karl-Ludwig von Danwitz. „In diesen Modellregionen soll beispielsweise die Flächenprämie für Lehrkräfte geprüft werden, die aus den Städten in den ländlichen Raum gehen. Weiter will das Land die Umzugskosten der Lehrerinnen und Lehrer vollumfänglich übernehmen und pragmatische Einsatzmöglichkeiten für Fachexpertinnen und Fachexperten schaffen, die selbst keine Lehrkräfte sind“, erklärt Gudrun Pieper. Auch das Projekt „Distanzlernen“ halten von Danwitz und Pieper für vielversprechend. Hier soll die Digitalisierung den Unterricht per Videokonferenz- und Onlinesystemen sicherstellen.

Darüber hinaus baue das Sonderprogramm, so die Abgeordneten, in einer zweiten Säule auf landesweiten Maßnahmen auf, um die Unterrichtsversorgung in ländlichen Regionen weiter zu verbessern. Hier sei unter anderem vorgesehen, Gymnasiallehrkräften, die sich für drei Jahre verpflichten, an einer Sek-I-Schule zu unterrichten, im Gegenzug eine Stelle an einem Gymnasium zu versprechen. Auch der Quereinstieg soll weiter erleichtert werden.

Kritisch äußerte sich Torsten Neumann, Vorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte VNL/VDR: Das Programm werde „kaum dazu beitragen, die desolate Unterrichtsversorgung an Niedersachsens Haupt-, Real- und Oberschulen zu verbessern, geschweige denn zu beheben. Es bleibt bei bruchstückhaften Maßnahmen, und das nur für wenige Regionen. Weder der akute Lehrkräftemangel noch die enorme Arbeitsbelastung wird dadurch in irgendeiner Weise behoben. Wir brauchen eine ganzheitliche Lösung und nicht immer wieder einzelne Maßnahmen, die werbewirksam verkündet werden.“ Das Hauptproblem sei, „dass der Lehrerberuf gerade im nicht-gymnasialen Bereich nicht attraktiv genug ist, um junge Bewerberinnen und Bewerber nach Niedersachsen zu holen. Eine bessere Bezahlung der Lehrkräfte mindestens nach A13 wäre ein wichtiges Signal.“

Auch SPD-Landtagsabgeordneter Sebastian Zinke äußerte sich zum -Sonderprogramm „Starke Sek I-Schulen“. Nachdem Zinke sich vielfach in Gesprächen mit Schulleitungen im Heidekreis über die Unterrichtsversorgung informiert hat, sieht er es als gutes Zeichen, dass der Heidekreis jetzt als Modellregion ausgewählt wurde: „Ich freue mich, dass die Landesregierung unseren Landkreis inzwischen gut im Blick hat. Die Lehrkräfteversorgung ist besonders in ländlichen Regionen Niedersachsens nicht zufriedenstellend. Das habe ich auch immer wieder im Heidekreis erfahren müssen. Einige Umstände konnten nach stetem Druck zwar verbessert werden, zufriedenstellend ist die Situation aber noch nicht.“ Zinke appelliert an den Landkreis als Schulträger und die Schulleitungen an diesem freiwilligen Angebot teilzunehmen: „Für jede Schule im Sek I-Bereich im Heidekreis kann so über individuelle Maßnahmen die Situation verbessert werden. Eine Chance, die es zu ergreifen gilt.“

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