Symbol der Liebe, doch wenig romantische Lebensbedingungen

Stark gefährdete Turteltaube ist „Vogel des Jahres 2020“ / Geschätzt brüten nur noch 20 bis 30 Paare im Heidekreis

Symbol der Liebe, doch wenig romantische Lebensbedingungen

Sie ist ein Symbol für die Liebe, ihre Lebensbedingungen sind aber wenig romantisch: Die Turteltaube wurde vom Naturschutzbund (NABU) und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogelschutz) zum „Vogel des Jahres 2020“ gewählt. Damit wollen die Verbände darauf aufmerksam machen, dass die Turteltaube stark gefährdet ist. Europaweit sind die Bestände seit 1980 um fast 90 Prozent zurückgegangen, auch in Deutschland sind ganze Landstriche inzwischen turteltaubenfrei. „Unsere kleinste Taube findet kaum noch geeignete Lebensräume. Zudem ist sie durch die legale und illegale Jagd im Mittelmeerraum bedroht“, so der 1. Vorsitzende des NABU Heidekreis, Klaus Todtenhausen.

„Früher hat man das markante Gurren der Turteltaube an jedem Dorfrand oder Flussufer gehört. Wildkräutersamen an Feldwegen und Feldfrüchte aus Zwischensaaten boten ausreichend Nahrung“, erinnert sich Frank-Ulrich Schmidt von der Avifaunistischen Arbeitsgemeinschaft. Nach einer leichten Bestandzunahme in den 70er Jahren ist die Anzahl der Brutpaare im Heidekreis zunächst leicht und seit 2008 rasant gesunken. Aktuell geht der Experte davon aus, dass im gesamten Landkreis nur noch zehn bis 20 Paare brüten. Die Turteltaube ist der erste vom NABU gekürte Vogel, der als global gefährdete Art auf der weltweiten Roten Liste steht. Heute brüten laut Naturschutzbund in Deutschland noch 12.500 bis 22.000 Paare. Die meisten der höchstens 5,9 Millionen Paare Europas lebten in Spanien, Frankreich, Italien und Rumänien.

Turteltauben sind die einzigen Langstreckenzieher unter den mitteleuropäischen Taubenarten. Sie verlassen Europa zwischen Ende Juli und Anfang Oktober, um südlich der Sahara zu überwintern. Die 25 bis 28 Zentimeter großen Vögel mit ihrem farbenfrohen Gefieder ernähren sich fast ausschließlich vegan. Sie bevorzugen Samen von Bäumen und Wildkräutern wie zum Beispiel Klee, Vogelwicke, Erdrauch und Leimkraut, die aufgrund der Verwendung von Herbiziden in der intensiven Landwirtschaft auf Äckern kaum noch zu finden sind. Daher hat sich die Taube seit den 60er Jahren angepasst und ihre Nahrung umgestellt. Der Anteil von Sämereien aus landwirtschaftlichen Kulturen macht nun in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets mehr als die Hälfte der Nahrung aus - statt wie früher nur 20 Prozent. Im Gegensatz zu Wildkrautsamen stehen diese aber nur für kurze Zeit zur Verfügung und fehlen während der kritischen Phase der Jungenaufzucht, was zu sinkenden Bruterfolgen führt. Außerdem geht die Ausweitung von Anbauflächen mit einem Verlust von Brachen, Ackersäumen, Feldgehölzen und Kleingewässern einher. Damit verschwinden Nistplätze sowie Nahrungs- und Trinkstellen. Eine zusätzliche Bedrohung ist die Vogeljagd im Mittelmeerraum. „Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die jährlich mehr als 1,4 Millionen in der EU legal geschossenen Turteltauben von der Art nicht mehr verkraftet werden können. Besonders skandalös: In manchen Ländern gilt das Schießen der stark gefährdeten Turteltauben als ,Sport‘ zum eigenen Vergnügen“, so Dr. Antje Oldenburg, Pressesprecherin des NABU Heidekreis. Gegen Spanien und Frankreich seien im Juli bereits Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Kommission wegen des schlechten Erhaltungszustands der Art eingeleitet worden. Gegen vier weitere EU-Länder lägen offizielle Beschwerden vor. Dies sei notwendig, „obwohl auf einem Treffen aller Mitgliedstaaten im Mai 2018 ein Aktionsplan zum Schutz der Europäischen Turteltaube verabschiedet wurde.“

Um den gefiederten Liebesboten zu schützen, fordert der NABU Bundesumweltministerin Svenja Schulze mit einer Petition (www.vogeldesjahres.de/petition) auf, sich neben einer verbesserten Landwirtschaftspolitik auch für das dauerhafte Aussetzen der Abschussgenehmigungen in den EU-Mitgliedsstaaten einzusetzen.

Weitere Infos gibt es unter www.Vogel-des-Jahres.de oder unter www.LBV.de. Die Farbbroschüre „Vogel des Jahres 2020 - Die Turteltaube“ gibt es im NABU-Shop unter www.NABU-shop.de sowie unter www.lbv-shop.de.

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