Teebeutel vergraben: Bürgerinnen und Bürger werden zu Bodenforschern

Naturpark Lüneburger Heide Partner des Forschungsprojekts „Expedition Erdreich“ / Testausrüstung ab sofort erhältlich

Teebeutel vergraben: Bürgerinnen und Bürger werden zu Bodenforschern

Nach einem Testlauf im vergangenen Jahr wird es jetzt ernst mit der „Mitmach-Wissenschaft“ im Naturpark Lüneburger Heide: Als Partner des Forschungsprojekts „Expedition Erdreich“ ruft der Naturparkverein alle Interessierten auf, sich an einer Bodenforschung vor Ort zu beteiligen. Die erforderliche Testausrüstung ist ab sofort erhältlich. Das wichtigste Utensil in der Starterbox: Teebeutel. Diese werden vergraben und nach drei Monaten wieder aus der Erde entnommen. Unter anderem das Gewicht der Teebeutel, das durch den Zersetzungsprozess verändert sein wird, bringt dann Aufschluss über die Aktivität der Lebewesen im Boden. Die „Expedition Erdreich“ ist ein Forschungsprojekt des Bundesforschungsministeriums und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung.

Bereits im Sommer 2020 hatte sich der Naturpark für das Forschungsprojekt engagiert. Robin Marwege, Projektleiter der Bildung für nachhaltige Entwicklung im Naturpark Lüneburger Heide, sowie Luise Ohmann vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung vergruben damals im Rahmen eines Pilotvorhabens Test-Teebeutel auf einer Heidefläche bei Amelinghausen. Nach drei Monaten grub Marwege die Beutel aus dem Heideboden wieder aus, trocknete sie und schickte sie in das Forschungsinstitut zur weiteren Auswertung. Der errechnete Aktivitätswert für die Untersuchungsstelle, die sogenannte Zersetzungsrate, wurde als „mittel bis gering“ eingeschätzt - ein für sandige Heideböden typischer Wert. Mit hoher Probenzahl und vielen unterschiedlichen Standorten lassen sich dann im Verlauf diesen Jahres Vergleiche ziehen und Aussagen zum Zustand des Bodens treffen.

Vor diesem Hintergrund ist die „Expedition Erdreich“ als sogenannte „Citizen-Science-Aktion“ angelegt, wie etwa die alljährlichen Vogelzählungen des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Das bedeutet, möglichst viele Menschen können und sollten bei der Aktion mitmachen, um so Grundlagen für die Forschung zu liefern.

Robin Marwege, Ansprechpartner beim Naturpark Lüneburger Heide, hofft daher auf jede Menge Freiwillige in der Region: „Ich freue mich, wenn viele mitmachen, um für unsere Region möglichst viele Daten zu erhalten. Wie lebendig ist der Boden beispielsweise im Garten, auf einer Pferdewiese, auf dem Acker oder im eigenen Wald? Wichtig ist, dass man vor der Anmeldung als Forscherin oder Forscher prüft, ob man einen geeigneten Standort hat. Auf fremden Flächen oder gar in geschützten Gebieten in der Natur und Landschaft darf man natürlich keine Teebeutel einbringen.“

Ist diese Frage geklärt, können sich Bürger-Forscherinnen und -Forscher als Einzelperson oder Gruppe auf www.expedition-erdreich.de registrieren und bekommen dann eine Grundausstattung für die Untersuchung inklusive Anleitung. Nach genau drei Monaten beginnt die Dokumentation durch die Teilnehmer. Die Ergebnisse müssen online an das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung gemeldet werden, wo sie dann für alle einsehbar sind und Forscherinnen und Forscher weltweit zur Verfügung stehen.

„Besonders spannend“, so Marwege, sei das Projekt für Schulklassen, denn die Kinder seien damit „Teil echter Wissenschaft“ bei einem wichtigen Thema. „Wir als Naturpark bieten den Schulen da eine Zusammenarbeit an, können zum Beispiel Expertinnen und Experten für die Unterrichtsergänzung vermitteln.“ Interessierte Lehrkräfte können sich einfach bei ihm melden. Der Naturpark ergänzt das Bürger-Wissenschaftsprojekt um ein eigenes Angebot zum Thema. „Von einem intakten Boden hängt so viel ab - unsere Ernährung, zu erheblichen Teilen unser Klima, sauberes Grundwasser. Wir machen uns diese Leistungen sehr selten bewusst“, bekräftigt Marwege.

Gemeinsam mit Bodenexpertin Dr. Dorothe Lütkemöller von der Leuphana-Universität Lüneburg will der Naturpark über diese Sachverhalte rund um den Boden und seine Leistungen informieren. Dr. Lütkemöller ist auch ausgebildete und zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin im Naturpark und kann dem Boden je nach Aufbau viele Geheimnisse entlocken und diese anschaulich und spannend darstellen. Anmeldungen für den Termin am Dienstag, dem 27. April, gehen per E-Mail an robin.marwege@naturpark-lueneburger-heide.de. Geplant ist eine Außenbegehung um 15 Uhr. Coronabedingte Anpassungen werden kurzfristig mitgeteilt.

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