Bestmöglich vorbereitet

Erweiterung der Krankenhauskapazitäten zur Sicherstellung der stationären Versorgung von Covid-19-Erkrankten: HKK und Partnerkliniken sind bereit, falls die Katastrophe doch noch kommt

Bestmöglich vorbereitet

„Wir haben die Lage im Heidekreis gut im Griff“, so Manfred Ostermann. Der Landrat, der dazu am gestrigen Dienstag noch einmal die aktuellen Corona-Fallzahlen für die Region präsentierte, hatte zum Pressegespräch den Krisenstab des Heidekreis-Klinikums (HKK) und entsprechende Landkreisvertreter eingeladen. Im Walsroder Gesundheitszentrum erklärten die Mediziner die Schritte für die Erweiterung der Krankenhauskapazitäten zur Sicherstellung der stationären Versorgung von Covid-19-Erkrankten: Die werden weiterhin in den HKK-Standorten in Soltau und Walsrode versorgt, während die Reha-Kliniken in Bad Fallingbostel und Soltau als sogenannte Behelfs-/Reservekrankenhäuser jene Patienten aufnehmen, die aktuell weder eine intensivmedizinische Betreuung noch eine chirurgische oder postchirurgische Krankenhausbehandlung benötigen. Durch die Umsetzung des „Stufenplans Sonderlage Covid-19“ seien HKK und Partnerkliniken nun „bestmöglich vorbereitet, falls die Katastrophe doch noch kommt“, so Ostermann. Das könnte nämlich bald der Fall sein, warnt Dr. Achim Rogge vor weiteren Schwerkranken durch Covid-19, denn: „Jetzt geht es erst richtig los“, so der HKK-Geschäftsführer. Eine Bewährungsprobe erlebt das Heidekreisklinikum bereits: Anfang der Woche wurden in Kooperation mit dem Landkreis Harburg aus einem dort von einer Coronainfektionen betroffenen Pflegeheim zehn Senioren aufgenommen.

Trotz der von der Bundesregierung am 15. April beschlossenen Lockerungen und der zumindest aktuell ruhigen Situation in der Region bestimmt die Coronakrise den Alltag aller. „Das Heidekreis-Klinikum hat die vergangenen Wochen genutzt, um sich immer weiter auf eine mögliche Pandemie vorzubereiten“, erklärt Rogge die Umsetzung des Stufenplans. So wurden an beiden Standorten Isolierstationen mit insgesamt 24 Betten eingerichtet. Die Intensivstationen wurden aufgestockt, mittlerweile stehen insgesamt 33 Betten zur Verfügung, davon sind 18 Bettplätze mit Beatmungsgeräten ausgestattet. „Innerhalb von 24 Stunden könnte das Heidekreis-Klinikum auf 48 Intensivbetten und 29 Beatmungsplätze hochfahren“, so der HKK-Geschäftsführer. „Zudem haben wir seit Mitte März - entsprechend einer Vereinbarung von Bund und Ländern - alle planbaren Operationen und Eingriffe verschoben, um zum Beispiel unsere Intensivstationen so weit wie möglich freizuhalten. Insgesamt sind momentan bis zu 200 Betten an den Standorten Soltau und Walsrode frei.“

Die Isolierstationen waren laut Rogge bisher noch nie voll belegt, obwohl alle Verdachtsfälle stets nur dort aufgenommen werden. „Erst nach einem negativen Test, das heißt, der Patient ist nicht mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert, werden diese Patienten auf eine sogenannte Normalstation verlegt“, erläutert Professor Dr. Frank Schmitz, Ärztlicher Direktor des Heidekreis-Klinikums.

„Egal, wie entspannt die Lage momentan ist, wir müssen dennoch darauf vorbereitet sein, innerhalb kurzer Zeit viele Patienten mit Covid-19-Verdacht im Heidekreis-Klinikum aufnehmen zu können“, so Ostermann. „Diese Krankheit und ihre Entwicklung ist sehr dynamisch, ihr Verlauf ist nicht vorhersehbar. Deshalb ist es wichtig, dass der Heidekreis auch für einen möglichen Katastrophenfall inhaltlich, strategisch und zuletzt auch ganz praxisorientiert gerüstet ist.“

In enger Abstimmung mit dem Landkreis und dem Gesundheitsamt hat der Krisenstab des Heidekreis-Klinikums deshalb unter der Leitung des HKK-Geschäftsführers das Stufenkonzept entwickelt. Dieses umfasse drei Stufen, erklärt Dr. Ulrich Blumenthal, Chefarzt der Intensivmedizin und Anästhesie: „Stufe 1 wird dabei in 1a und 1b unterteilt: In Stufe 1a gibt es wenige Covid-19-Patienten, diese liegen auf der Isolierstation und gegebenenfalls auf der Intensivstation in Walsrode. Stufe 1b: Wir haben in beiden Häusern auf der Isolier-/Intensivstation wenigstens einen Covid-19-Patienten. In Stufe 2 befinden wir uns, wenn die Patientenzahlen ansteigen, so dass wir für weitere Plätze sorgen müssen. Wir würden dann anfangen, unsere nicht an Covid-19 erkrankten Patienten in unsere Reservekrankenhäuser verlegen.“ Käme Stufe 3, wäre das HKK an beiden Standorten voll ausgelastet, so Blumenthal: „Dann müssten wir Ersatzintensivstationen öffnen, wir würden Notfälle in unseren Zentralen Notfallaufnahmen diagnostizieren, Not-Operationen durchführen, natürlich auch Geburten begleiten, danach aber stabile Patienten in unsere Reservekrankenhäuser verlegen.“

Diese sind bereit, haben Anfang der Woche schon erste Patienten aus den HKK-Häusern übernommen: In Abstimmung mit dem niedersächsischen Sozialministerium wurden die beiden Reha-Kliniken „Klinik Fallingbostel“ in Bad Fallingbostel und „Mediclin“ in Soltau zu Reservekrankenhäusern ausgewiesen. Beide Kliniken sind nicht ,nur‘ Reha-Einrichtungen, sondern führen auch Krankenhausbetten. „Ein großer Vorteil für die gesamte Bevölkerung des Landkreises: Für Patienten, die dorthin verlegt würden, ist so eine hochqualifizierte medizinische und pflegerische Betreuung gewährleistet“, so Ostermann.

Beide Reha-Kliniken halten jeweils 100 Betten für Patienten ohne Covid-19-Erkrankungen frei. „Unser Haus ist eine Fachklinik zur Rehabilitation von Herz- und Kreislauferkrankungen. Unser Behandlungsschwerpunkt liegt unter anderem auf Herz- und Gefäßerkrankungen, aber auch auf die Vorbereitung und Nachsorge von Patienten mit Herztransplantationen und Patienten mit Kunstherzen“, erläutert Geschäftsführer Wilfried Bissel, „Klinik Fallingbostel“. „Bei uns arbeiten Fachärzte für Innere Medizin, aber auch Pneumologie, Kardiologie und Allgemeinmedizin. Somit können wir Patienten mit internistischen, aber auch kardiologischen Erkrankungen rundum bestens versorgen. Genauso könnten wir auch Patienten aus dem HKK nach chirurgischen Eingriffen bei uns aufnehmen. Selbstverständlich sind auch Patienten, die etwa an Diabetes mellitus leiden bei uns pflegerisch und medizinisch in besten Händen.“

Das Reha-Zentrum „Mediclin“ in Soltau wiederum könnte internistische, geriatrische, neurologische und orthopädische/unfallchirurgische Patienten kompetent versorgen, wie der kaufmännische Direktor Sebastian Bergholz erklärt: „Durch unsere Schwerpunkte sind wir für die Behandlung von älteren Patienten und Menschen mit Mehrfacherkrankungen bestens aufgestellt. Wir könnten zum Beispiel geriatrische Patienten aus dem HKK Soltau übernehmen, wenn das Heidekreis-Klinikum weitere Stationen zu Isolierstationen eröffnen muss. Ebenso könnten bei ‚Mediclin‘ aber auch unfallchirurgische, orthopädische oder Patienten der Inneren Medizin aufgenommen werden.“

Somit kümmerten sich HKK sowie Partnerkliniken zusammen um die stationäre Behandlung im Heidekreis hebt Rogge hervor: „Gemeinsam schaffen wir es, dass alle Patienten von uns zusammen bestmöglich versorgt werden.“

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