Wenn nicht der Schuh, aber die Blase drückt | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Naturpark Lüneburger Heide setzt auf „weniger Orte ohne Örtchen“

Wenn nicht der Schuh, aber die Blase drückt

Wer wandert und auf das falsche Schuhwerk gesetzt hat, der kennt das Problem. Im schlimmsten Fall „wächst“ an Zehen, Ferse oder anderen Stellen eine Blase. Doch auch wer in optimalen „Tretern“ an den Füßen unterwegs ist, gerät in der freien Natur hin und wieder unter Druck, wenn nämlich die „große“ Blase in Gürtelnähe auf Leerung pocht. Was macht man, wenn man muss? Was Mann macht, ist kein großes Geheimnis. Das läuft. Und somit betrifft das pikante Problem besonders Frauen. Gerade in der „freien Pleene“ ist die „Erleichterung“ für sie eine Herausforderung. Welche Spaziergängerin geht schon gern vor Publikum in die Hocke? Und auch hinter so manchem Wacholder ist die Freiheit nicht grenzenlos. Der Naturpark Lüneburger Heide will dieses Thema mit Nachdruck angehen und erarbeitet deshalb aktuell eine Konzeptstudie zur nachhaltigen Sanitärversorgung und gegen Hygienemüll in der Landschaft.

Erklärtes Ziel: Klorollen und zweckentfremdete Taschentücher sollen aus dem Grün und Lila verschwinden. Der Naturpark will, wie er in einer Pressemitteilung deutlich macht, „die Hotspots des Hygienemülls hinter Wacholdern oder Büschen identifizieren.“ Es soll eruiert werden, wo die dringendsten Bedarfe an einer Sanitärversorgung liegen und wie nachhaltige Lösungen mit den beteiligten Kommunen gefunden werden können. Das Vorhaben wird augenzwinkernd auf den Punkt gebracht: Es soll weniger „Orte ohne Örtchen“ geben.

„Es gibt zu diesem Thema keine systematische Erhebung“, erklärt Naturpark-Geschäftsführerin Hilke Feddersen: „Wir nähern uns darum mit einer breit angelegten Befragung an, an der jeder teilnehmen kann. Besonders sind wir natürlich auf die Kommunen, Touristikerinnen und Touristiker sowie alle angewiesen, die beruflich draußen unterwegs sind und ihre Gebiete und Problembereiche kennen.“

Die erste Befragungsphase über die Kanäle des Naturparks ist laut Feddersen inzwischen abgeschlossen. Mehr als 70 Mitteilungen sind bislang eingegangen. Diese Meldungen sind nunmehr alle eingetragen auf einer digitalen Karte, auf der die Standorte öffentlich eingesehen, bewertet und kommentiert werden können. Diese interaktive Karte ist im Internet unter https://padlet.com/ecostop/ zu finden.

Der Naturpark ruft alle Einheimischen und Gäste auf, sich auf der Karte ein Bild der Lage zu machen und munter „sachdienliche Hinweise“ beizusteuern, um noch genauere Informationen über die Gegebenheiten und Bedarfe zu bekommen. Alle, die in Anlehnung an einen bekannten WC-Reiniger als Agentin oder Agent 00 fungieren, unterstützen das Vorhaben. „Wenn jemand einen Bedarf erkennt, der noch nicht auf der Karte eingetragen ist, kann er den Standort gern melden“, unterstreicht Feddersen. Dazu lässt der Naturpark das ursprüngliche Umfragetool auf der Internetseite noch bis auf Weiteres geöffnet, sodass über den Link https://eco-stop.limesurvey.net/bedarfe-hotspots weiterhin alle Hinweise rund um die Sanitärversorgung im Naturpark Lüneburger Heide gemeldet werden können. Hinweise sind auch jederzeit per Mail an eco-stop@naturpark-lueneburger-heide.de möglich.

Man muss keine Spürnase mit dem richtigen Riecher sein, um mitzumachen. Es geht um Themen wie fehlende oder verschlossene Toiletten, nicht barrierefreie Angebote, benutzte Feuchttücher, Windeln oder unangenehme menschliche Hinterlassenschaften in der Landschaft und ähnliche Missstände. Hier und da sieht es in der Heide wegen drängender Bedürfnisse nämlich tatsächlich bescheiden aus. Erste Ergebnisse haben laut Verein Naturschutzpark bereits auffällige Mehrfachnennungen in touristisch geprägten Gebieten ergeben – so seien etwa in Niederhaverbeck, Schneverdingen oder im Bereich Büsenbachtal/Brunsberg und in der Kronsbergheide bei Amelinghausen verstärkt Bedarfe zu verzeichnen.

„Wir wollen natürlich perspektivisch auch zu Lösungen kommen“, betont Feddersen. Die sollen möglichst genau auf die Bedarfe der einzelnen Standorte zugeschnitten sein. Darum sei Teil der Konzeptstudie auch, eine „Matrix des Möglichen“ zu entwickeln. Wo ist einfach Bildungsarbeit angesagt, wo hilft ein eindeutiges Schild, wo müssen Bedarfe von Menschen mit Behinderung besonders berücksichtigt werden, wo ist der Bedarf groß genug für ein umfassendes WC-Angebot, wo gibt es Wasserversorgung und wo nicht?“

All diese Fragen sollen bis Ende Oktober aufgearbeitet werden. Das Ziel ist ein Katalog für Kommunen, der alle Eigenschaften und Eckwerte von möglichen Lösungen verständlich zusammenfasst und als Leitfaden dienen kann. Doch der Naturpark will mehr: „Im Moment ist es außerhalb von Pilotprojekten nicht erlaubt, kompostierte menschliche Hinterlassenschaften auf die Felder auszubringen, obwohl sie wichtige Stoffe wie Phosphor, Stickstoff oder Kalium enthalten und guter Dünger wären“, erläutert Feddersen das Problem der fehlenden Kreislaufwirtschaft. Sie berichtet von Erfahrungen anderer Naturparks, die spätestens bei der Aufgabe, wo „der Mist“ hingebracht werden soll, nicht weiterwissen und ihn dann als Restmüll entsorgen. „Dazu ist das Material aber viel zu wertvoll.“

Große Hoffnung setzt sie für die umfassende Umsetzung von „Klo-Projekten“ auf eine der sehr wenigen Kompostierungsanlagen in Deutschland, die sich just innerhalb der Naturpark-Grenzen befindet – in der Samtgemeinde Hanstedt. Je nachdem, ob und wie viele neue Toilettenstandorte es geben wird und ob sie als Kompost-Toiletten betrieben werden oder nicht, könnte hier eine Kooperation sehr hilfreich sein, um den Kreislauf zu schließen.