„Wir haben uns wohlgefühlt“

„Landpartie Heidekreis“: Medizinstudenten absolvieren Praktikum in hiesigen Praxen

„Wir haben uns wohlgefühlt“

Bereits zum siebten Mal stand jetzt die „Landpartie Heidekreis“ auf dem Programm - ein Projekt, bei dem Medizinstudentinnen und -studenten gezeigt werden soll, dass auch eine Landarztpraxis durchaus attraktiv sein kann. Und die drei Teilnehmer ziehen eine durchaus positive Bilanz

Landärztinnen und -ärzte werden knapp. Wenn auch die Versorgung im Heidekreis noch gut ist, gilt es doch, für die Zukunft vorzusorgen und den Medizinernachwuchs zu motivieren, vielleicht auf dem Lande eine Praxis zu eröffnen. Der Heidekreis hat dazu ein umfangreiches Förderprogramm aufgelegt. Ein Baustein ist das Projekt „Landpartie Heidekreis“, das jungen Studentinnen und Studenten der Humanmedizin das Landarztleben näherbringen soll.

Durch das Projekt kommen Studentinnen und Studenten aus Hannover im Rahmen ihres vierzehntägigen „Blockpraktikums Allgemeinmedizin“ in den Heidekreis. Während dieser Zeit lernen sie die Tätigkeit in einer Hausarztpraxis auf dem Land und den Landkreis selbst kennen. Die jungen Menschen werden dabei von engagierten Hausärztinnen und -ärzten begleitet und ausgebildet. Das Kooperationsprojekt „Landpartie Heidekreis“ mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)und den akademischen Lehrpraxen im Landkreis wird seit einigen Jahren erfolgreich umgesetzt.

Im November nun waren drei Medizinstudenten im Heidekreis und begleiteten Hausärztinnen und Hausärzte wegen des Coronavirus unter erschwerten Bedingungen bei ihrer täglichen Arbeit: Maximilian Brandes, Johannes König und Johannes Teller haben dabei ihr Praktikum in den Praxen von Dr. Wulf Wöhler aus Schneverdingen, Dr. Peter Rebhan und Dr. Fabian Riekenberg sowie Dr. Claudia Hölzenbein aus Soltau absolviert.

Zur Idee, bei diesem Projekt mitzumachen, meint Brandes: „Die Landpartie erschien mir als guter Ausblick auf eine ländliche Niederlassung, die ich mir für mein Berufsleben auch vorstellen könnte.“ Für König habe sich damit die Möglichkeit geboten, „für ein Praktikum unseren Uniklinik-Kosmos verlassen zu können, zumal es wirklich bereichernd war, die Patientinnen und Patienten mit ihrem großen Spek­trum an Konsultationen relativ ungefiltert erleben zu können.“ Und auch Teller wollte die Chance nutzen, Medizin auf dem Lande kennenzulernen.

Von einigen Dingen zeigten sich die Praktikanten überrascht, etwa in einigen Fällen vom sehr persönliche Verhältnis zwischen Ärztin/Arzt und Patientin/Patient, „die sich teilweise bereits seit Jahrzehnten kannten und häufig sogar per Du miteinander umgegangen sind“, so Brandes.

Auch die besondere Stellung des Arztes oder der Ärztin im Ort, deren Bedeutung viel größer sei als in der Stadt, fiel Teller besonders auf. Und es habe sich schnell herumgesprochen, „dass wir Medizinstudenten da sind. Besonders schön war, dass wir sehr herzlich aufgenommen wurden und auch die Organisation top war.“

Positiv sei Brandes das große Vertrauensverhältnis aufgefallen, das zwischen Patientin und Patient einerseits sowie Ärztin und Arzt andererseits spürbar gewesen sei. Und König: „Ich war erfreut zu sehen, dass es auch eine Medizin gibt, die weit persönlicher sein kann, als zumeist erlebt.“ Für Teller haben sich ebenfalls neue Blickwinkel aufgetan: „Die gesamte Zeit war wirklich spannend, da es eine andere Welt war und man ganz andere und auch neue Einblicke in die Medizin bekommen hat. Auch die Motivation, uns sehr unterschiedliche Aspekte wie Pflegeheim, Hausbesuche, Hospiz und vieles mehr zu eröffnen, war sehr gut. Die Arbeit in der Allgemeinmedizin in allen Facetten kennengelernt zu haben, habe ich als sehr gewinnbringend erlebt.“

Aber die drei Studenten nehmen noch mehr Erfahrungen mit nach Hause. So etwa, dass vor allem die Kommunikation und Vermittlung bei der hausärztlichen Versorgung so wichtig seien. Oder dass es Verfahrensweisen und Erfahrungswerte gebe, denen gegenüber Lehrbücher klar im Nachteil seien. Und Teller berichtet: „Ich habe eine sehr empathische und weitreichende Arzt-Patient-Beziehung erlebt und eine gut strukturierte Praxisarbeit mit allen Vor- und Nachteilen der Selbstständigkeit kennengelernt. Die Arbeit während einer Pandemie in einer Praxis und die Erkenntnis, welche Bedeutung ein Arzt oder eine Ärztin auf dem Land hat und wie eng alles vernetzt ist, waren schon etwas Besonderes.“

Das Resümee der drei angehenden Mediziner zur „Landpartie Heidekreis“: „Auf jeden Fall würde ich sie weiterempfehlen. Studium und Lehre außerhalb der heimischen Wohlfühlzone zu genießen, das lohnt sich immer. Zudem ist das Verhältnis auch zu anderen beteiligten Lehrpraxen sehr gut gewesen, sodass wir richtig eingegliedert waren. So war die Landpartie eine gute Mischung aus Praxis und zweiwöchigem Ausflug“, bilanziert Brandes. Und König pflichtet ihm bei, ebenso Teller: „Ich würde die ‚Landpartie Heidekreis‘ auf jeden Fall weiterempfehlen, da sie einen sehr spannenden und abwechslungsreichen Einblick gewährt. Wir haben noch einmal eine ganz andere Art der Medizin kennengelernt. Auch das Engagement und die Motivation der Lehrärztinnen und -ärzte sind wirklich herausragend. Wir haben uns sehr wohl gefühlt.“

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