„Wollen dafür beide Organisationen nutzen“

Haustierhilfe Heidekreis und „De Hun’nenhoff“ starten Kooperation: Hund „Jack“ ist ihr erster gemeinsamer „Tierversuch“ für eine Vermittlung an neue Halter

„Wollen dafür beide Organisationen nutzen“

Nur „Jack“ ist übrig: Aus einer Gruppe von insgesamt sieben Hunden konnten alle anderen bereits untergebracht werden - der neun Jahre alte Rüde ist nun der letzte, der noch kein neues Zuhause hat. Gleichzeitig ist er der erste, den zwei Initiativen gemeinsam vermitteln möchten: Die Haustierhilfe Heidekreis und „De Hun’nenhoff“ kooperieren in dieser Sache, um für den Hund neue Halter zu finden. Neu für beide ist dabei diese Form ihrer Zusammenarbeit. Denn normalerweise kümmern sich die zwei Institutionen um andere Aufgaben: Die Haustierhilfe Heidekreis übernimmt die Versorgung von Hund und Katze, sollten die Besitzer dies nicht können, die Stiftung „De Hun’nenhoff“ betreibt in Reimerdingen einen Gnadenhof für Tiere, die ansonsten keine Chance im Leben hätten. Doch sie könnten sich vorstellen, zukünftig öfter gemeinschaftlich tätig zu werden: „An uns werden ab und zu Problemfälle herangetragen, bei denen nur noch ein Umzug der Vierbeiner bleibt“, weiß Brigitte Morgenroth von der Haustierhilfe Heidekreis, „und wir wollen jetzt beide Organisationen dafür nutzen, um diesen Tieren ein neues Zuhause zu verschaffen“, fügt „De Hun’nenhoff“-Mitbegründer Tom Bode hinzu. Mit „Jack“ wagen die zwei Einrichtungen nun quasi einen ersten gemeinsamen „Tierversuch“ - und zwar einen zum Wohl des Hundes.

Ursprünglich aus der Freiwilligenagentur Bispingen hervorgegangen, ist die Haustierhilfe Heidekreis mehrere Jahren dort aktiv. Doch auch in Soltau sowie in Schneverdingen ist der Zusammenschluss bereits seit einiger Zeit präsent. Helfer hat die Gruppe also mittlerweile in weiten Teilen des nördlichen Landkreises. Initiatorin Morgenroth und ihre Mitstreiter konnten somit ein recht weitläufiges Netzwerk von Haustierbesitzern aufbauen. Dessen Mitglieder unterstützen sich gegenseitig, wenn sich diese zum Beispiel durch Unfall, Krankheit oder Krankenhausaufenthalt nicht selbst um Hund, Katze, Vogel oder Nager kümmern können.

Genau diese Verbindungen möchte die Haustierhilfe nutzen: „Eigentlich wollen wir es den Leuten - viele sind Senioren - mit unserer Unterstützung ja ermöglichen, dass die Tiere so lange wie möglich bei ihnen leben können“, so Morgenroth. Doch manchmal komme einfach der Punkt, an dem das nicht mehr möglich sei: „Wenn es die Umstände schlicht nicht mehr zulassen, dass die Vierbeiner weiterhin bei ihren Haltern bleiben können, dann wird schon manchmal die Frage an uns herangetragen, ob wir dabei helfen können, das Tier zu vermitteln“, so Morgenroth. Kontakte habe die Gruppe über ihre zahlreichen Helfer jedenfalls reichlich, so dass sich durchaus geeignete Kandidaten als neues „Frauchen“ oder „Herrchen“ finden könnten. Doch in der Zwischenzeit könne die Haustierhilfe die Aufgabe eines Tierheims oder einer Auffangstation nicht übernehmen, betont Morgenroth. Das geht schon deshalb nicht, weil der Initiative dafür schlicht die Unterbringungsmöglichkeiten fehlen.

Hier kommt „De Hun’nenhoff“ ins Spiel, zu dem die Haustierhilfe schon länger guten Kontakt pflegt: Die Stiftung, die kürzlich mit dem Deutschen Tierschutzpreis ausgezeichnet wurde (HK berichtete), betreut auf ihrem rund fünf Hektar großen Grundstück in mehreren Gebäuden und Stallungen zahlreiche Tiere. Pferde, Katzen, Schafe, Puten und Hühner gehören zu den Hofbewohnern, den Hauptanteil stellen aber die Hunde. „Derzeit sind es insgesamt rund 90“, so Bode. Darunter sind etliche Tiere mit Verhaltensauffälligkeiten sowie mehrere mit körperlichen Beeinträchtigungen. Diesen „Rollstuhl-Hunden“ bietet die Stiftung ein Zuhause zum Wohlfühlen: „Wir sind eigentlich auf behinderte Hunde spezialisiert, können aber auch ‚Gäste‘ aufnehmen.“

Und ein solcher „Besucher auf Zeit“ ist „Jack“: „Wir vermuten, er ist kein Deutsch Langhaar, wie uns ursprünglich gesagt wurde, sondern eher ein Münsterländer.“ Beides zwar Jagdhundrassen, doch Bode macht gleich klar: „Der (noch unkastrierte) Rüde ist nicht jagdlich einsetzbar.“ Auch solle er nach Möglichkeit einen Platz ohne weitere Artgenossen bekommen, „denn er verträgt sich nicht wirklich gut mit anderen Hunden“, so Bode. Doch der erfahrene Hundetrainer hat Hoffnung für „Jack“, der am besten bei erfahrenen Haltern aufgehoben sei.

Aktuell hat „Jack“ ein Quartier auf dem „Hun’nenhoff“ bezogen, Anfragen zu dem Rüden beantwortet das Team der Einrichtung unter Telefon (05199) 9983900. Wegen der Corona-Auflagen seien Spontanbesuche aber zur Zeit nicht möglich: „Interessierte müssen vorab einen Termin vereinbaren“, so Bode.

Die Coronakrise nimmt selbstverständlich auch Einfluss auf die Arbeit der Haustierhilfe: „Pandemiebedingt läuft bei uns aktuell alles etwas anders. So müssen beispielsweise die Besuche gut organisiert werden“, erklärt Morgenroth. Viele - gerade Ältere - zögerten, sich zu melden, hätten vielleicht Angst, sie könnten sich über Kontakt zu einem der Helfer anstecken. „Doch wir finden schon Möglichkeiten, ‚kontaktlos‘ zu unterstützen: Entweder erfolgt eine Übergabe an Haustür oder Gartenpforte. Und sollten Halter oder Halterin ins Krankenhaus müssen, wird der Hund vorübergehend bei einem der ehrenamtlichen Unterstützer untergebracht“, so Morgenroth. Sie steht übrigens auch für Anfragen zu „Jack“ und zur Haustierhilfe Heidekreis bereit unter Telefon (05194) 974660 (Anrufbeantworter) und per E-Mail an brigitte@haustierhilfe-heidekreis.de.

Morgenroth und Bode hoffen beide, dass „Jack“ ein neues Zuhause findet, helfen gern auch bei weiteren Anfragen - dabei müsse es ja nicht immer gleich darum gehen, ein Tier für immer wegzugeben, so Bode: „Wir suchen stets zuerst nach Möglichkeiten, um das zu umgehen.“ Denn der Hundetrainer weiß: „Vielleicht sind Probleme auch ganz anders zu lösen.“

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