„Zerstreiten und blockieren wir uns, freuen sich andere Landkreise über Fördergelder“

Statement von Lars Klingbeil zur Standortfrage für das Heidekreis-Klinikum

„Zerstreiten und blockieren wir uns, freuen sich andere Landkreise über Fördergelder“

Die Standortfrage für ein neues Krankenhaus im Heidekreis erhitzt zur Zeit die Gemüter. Kaum ein anderes Thema wird aktuell so heiß diskutiert. In seinem Statement zum Heidekreis-Klinikum warnt der SPD-Bundestagsabgeordente Lars Klingbeil jetzt davor, durch den Standort-Streit und Kirchturmdenken möglicherweise eine große Chance für den gesamten Landkreis zu verpassen:

„Die Entscheidung über den Neubau eines zentralen Krankenhauses im Heidekreises gehört wohl zu den schwierigsten Entscheidungen der Kreispolitik in diesen Jahren. Das ist verständlich: Es geht um die bestmögliche Gesundheit, um Lebensqualität und um einen enorm wichtigen Bereich unseres Zusammenlebens. Seit Jahren nun gibt es die Auseinandersetzung um die Zukunft des Heidekreis-Klinikums. Emotionen, Behauptungen, Unterstellungen, Kirchturmdenken - oft ging es drunter und drüber. Oftmals kam parteipolitische Profilierung hinzu. In den letzten Wochen nahm die Rhetorik von ‚Gewinnern‘ und ‚Verlierern‘ wieder zu. Ich halte das für gefährlich. Es werden zwei Standorte diskutiert die knapp acht Kilometer auseinanderliegen. Mit einer klaren Entscheidung haben wir die Chance auf eines der modernsten Krankenhäuser Niedersachsens, zerstreiten und blockieren wir uns, werden sich andere Landkreise über die Fördergelder in Millionenhöhe freuen.

Als Bundespolitiker treffe ich nicht die Entscheidung über den Krankenhaus-Neubau, habe aber eine Meinung. Auch weil es um meine Heimat geht. Ich habe in den letzten Wochen wieder diejenigen erlebt, die im eigenen Ort anders reden als im Kreis, die im Kreis anders reden als in Hannover. Die aus Angst um ihr Mandat ihre Position wechseln, wie ein Fähnchen im Wind. Angst ist aber kein guter Ratgeber in der Politik. Politik darf sich nicht wegducken und herumlavieren, sondern muss entscheiden. Und zu Entscheidungen stehen. Zumindest mache ich so Politik.

Ich habe mich in den letzten Jahren auf Bundesebene dafür eingesetzt, dass der Bund in die Krankenhausfinanzierung einsteigt. Dafür werde ich mich auch weiter stark machen. Es ist Aufgabe der Politik, gerade in den ländlichen Regionen für gut ausgestattete Krankenhäuser zu sorgen. Es geht um gleiche Lebensverhältnisse - im Heidekreis wie in Hannover oder Berlin. Das ist ein harter Kampf, weil sich viel auf die großen Städte konzentriert. Das lasse ich aber nicht zu. Auch hier bei uns muss weiter investiert werden. Wir können im Heidekreis ein modernes, zentrales Krankenhaus bekommen das eingebettet ist in eine umfassende medizinische Versorgung im gesamten Landkreis. Es ist richtig, dass die Kreispolitik jetzt eine Entscheidung trifft.

Die Nutzung der beiden bestehenden Standorte als medizinische Versorgungszentren, die Einrichtung von Kurzzeit- und Dauerpflegeplätzen, die schnelle notärztliche Versorgung und die Erreichbarkeit von Patientinnen und Patienten durch dezentrale Rettungswachen sind in Kombination mit einem modernem, medizinisch bestens ausgestattetem zentralen Klinikum für mich ein Gewinn für den gesamten Heidekreis. Wir machen einen Fehler, wenn wir diese Chance jetzt nicht ergreifen.

Die Argumente für den Standort Bad Fallingbostel kann ich nachvollziehen. Ich vertraue den Fachleuten und Gutachtern und der daraus folgenden Empfehlung. Auch weil diese Empfehlung in der Öffentlichkeit breit diskutiert wurde und die Fakten und Zahlen einer kontroversen Debatte Stand gehalten haben. Es ist gut, dass es diese kritische, öffentliche Debatte gibt. Sie hilft auch zu sehen, welche Sorgen und Bedenken es gibt und wie diesen begegnet werden kann. Mit einer reinen Standortentscheidung über das künftige Klinikum wird es allerdings nicht getan sein. Die eigentliche Debatte über die medizinische Versorgung im Landkreis, die Verankerung in der Fläche und die Vernetzung untereinander wird jetzt erst beginnen. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass wir in Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme weltweit haben. Ich will, dass das auch so bleibt. Erst recht bei uns vor Ort.“

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