Vorräte für die „Polizisten des Waldes“

Verein Naturschutzpark: Eichelkisten-Projekt mit fliegenden Helfern

Vorräte für die „Polizisten des Waldes“

Sie fühlen sich wohl im Naturschutzgebiet der Lüneburger Heide: die Eichelhäher, die auch als „Polizisten des Waldes“ bezeichnet werden. Die Vögel mit den unverwechselbaren blauen Flügelfedern legen alljährlich im Herbst fleißig Vorräte aus Eicheln für den Winter an. Dazu vergraben sie die gesammelten „Schätze“ an den unterschiedlichsten Stellen in ihren Revieren. Ähnlich wie Eichhörnchen finden auch Eichelhäher im Laufe des Winters nicht alle von ihnen angelegten Verstecke wieder. Viele Eicheln bleiben unentdeckt im Boden, so dass sie im folgenden Frühjahr keimen können. Und das nutzten Miriam Brenzel und Till Neuhaus, Mitarbeiter des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) bei der VNP-Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide, zur Realisierung eines Projektes.

Die „Polizisten des Waldes“ sorgen dafür, dass die Früchte der Eiche auch in der weiteren Umgebung verteilt werden. Diese Art der Verbreitung wird auch als „Häherverjüngung“ bezeichnet. Im Gegensatz zur natürlichen Verjüngung, bei der die Eicheln unmittelbar unter dem Mutterbaum keimen, werden die Samen von den Tieren über weitere Distanzen transportiert. Damit ist die Streuung deutlich größer. Auf diese Weise tragen Eichelhäher zur gesunden Bildung eines Waldes bei und helfen der Art dabei, auf sich stetig ändernde Umweltfaktoren zu reagieren.

Trotz seines bunten Gefieders gehört der Eichelhäher der Familie der Rabenvögel an. Reviere, die er sich oft mit anderen Arten der Rabenfamilie teilt, werden meist von einem Paar oder einer kleineren Gruppe bewohnt. Für gewöhnlich ist der Speiseplan abwechslungsreich: Neben Sämereien fressen Eichelhäher auch Insekten oder Gelege. Zu Beginn der kälteren Jahreszeit wird die Auswahl allerdings kleiner - und somit beginnen sie mit dem Sammeln und Verstecken von „Naschereien“.

„Diesen Instinkt haben wir uns zunutze gemacht und in einem Kiefernwäldchen in der Nähe des Tütsberges mit Eicheln gefüllte Kisten aufgestellt“, berichten Miriam Brenzel und Till Neuhaus. Die Eicheln seien ein autochthones Saatgut. Dies bedeute, „dass die verwendeten Samen aus der unmittelbaren Umgebung stammen. Somit kann einer genetischen Verarmung des Eichenbestandes im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide entgegengewirkt werden - und die Eichen haben sich hier bereits über Jahrtausende an den Standort angepasst.“

Die enge Verzahnung zwischen Wald und Heide bietet einen Lebensraum für seltene und bedrohte Arten. Jedoch ist auch in den Wäldern der VNP-Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide der Kiefernanteil immer noch recht hoch. Daher soll das Wäldchen langfristig in einen offenen und lichten Eichenwald umgewandelt werden.

Das Eichelkisten-Projekt scheint jedenfalls Früchte zu tragen: Schon wenige Stunden nach dem Aufstellen wurden „Polizisten des Waldes“ von der Wildkamera „geblitzt“. Auf den Aufnahmen ist gut zu sehen, wie sich die Eichelhäher an den „Futterboxen“ mit Nahrung eindecken. Eine Win-win-Situation: Die Vögel konnten sich einen Vorrat anlegen und sorgten zugleich als „fleißige Helfer“ des VNP für die Verteilung des Saatgutes.

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