SPD kürt Klingbeil ohne Wenn und Aber

Sozialdemokraten nominieren Munsteraner zu 100 Prozent als Kandidaten

SPD kürt Klingbeil ohne Wenn und Aber

Dass die Genossinnen und Genossen ihn wieder als Bundestagskandidaten auf den Schild heben würden, war keine Frage. Und das taten sie dann auch ohne Wenn und Aber: Auf der SPD-Wahlkreiskonferenz für den Bundestagswahlkreis Rotenburg I - Heidekreis in Hünzingen am vergangenen Sonnabend votierten alle für einen: 83 Stimmen wurden abgegeben - und die bekam Lars Klingbeil allesamt. Also 100 Prozent für den Munsteraner, der damit bei der Bundestagswahl am 26. September erneut antritt.

Zwar hätte die Kandidatenkür auch in einem entsprechend großen Saal unter Corona-Bedingungen über die Bühne gehen können, doch die Sozialdemokraten wollten das gesundheitliche Risiko minimieren. Und so gab es stattdessen eine coronakonforme Wahlkreiskonferenz à la Autokino. Die abstimmungsberechtigten SPD-Mitglieder saßen in ihren zum Teil mit roten Ballons geschmückten Fahrzeugen und verfolgten die Redebeiträge vorn auf der Bühne übers Radio: Auf der Frequenz 92,8 gab es eingespielte Grußworte unter anderem von Malu Dreyer, Stephan Weil, Manuela Schwesig und Altkanzler Gerhard Schröder - und natürlich Klingbeils Rede.

Darin nahm er insbesondere die hiesige Region in den Blick. Bei ihm stehe immer die Frage im Mittelpunkt, was er für seine Heimat tun könne: „Ich verstehe mich als Abgeordneter für die Region.“ So sei es auch gelungen, Förderungen in Millionenhöhe in seinen Wahlkreis zu holen - unter anderem für die Krankenhäuser im Heidekreis und in Rotenburg, für die Stadtbücherei Munster, für Investitionen an Bundeswehrstandorten oder für den Breitbandausbau.

Jetzt seien die Menschen jedoch vor allem mit der Corona-Pandemie beschäftigt: „Noch nie haben sich so viele mit ihren Sorgen und Nöten an mich gewandt. Und das müssen wir uns auch anhören, denn das ist die unmittelbare Wirkung der politischen Entscheidungen. Mir ist dabei nie der Gedanke gekommen, wie ich mich in dieser Situation bereichern könnte“, meinte Klingbeil und schwenkte damit auf den Maskenskandal der CDU-Bundestagsfraktion: „Wir werden uns mit der Empörung der CDU nicht mehr zufriedengeben. Es ist an der Zeit, dass die CDU mit uns Gesetze macht, um offenzulegen, was die Abgeordneten tun. Wir werden sie da nicht aus der Verantwortung ’rauslassen.“

Klingbeil forderte dazu auf, „nicht ruhig zu sein, wenn Dinge schieflaufen.“ Das habe auch er nicht getan: So sei das Impfzentrum in Bad Fallingbostel unter dem beispielhaften Einsatz vieler Freiwilliger in kürzester Zeit aufgebaut worden: „Aber es fehlte Impfstoff gegen Corona.“ Klingbeil habe Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bereits Anfang des Jahres kritisiert, was nicht jedem gefallen habe: „Wenn man den Menschen sagt, ihr müsst euch einschränken, bis der Impfstoff kommt, und er dann doch nicht kommt, dann liegt das nicht an Europa, sondern an EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und Gesundheitsminister Spahn, die das schlecht vorbereitet haben.“ Er, Klingbeil, werde auch künftig nicht seinen Mund halten: „Man muss einfach mal machen. Ich erwarte, dass Spahn jetzt alle an den Tisch holt, um das Impfen besser zu organisieren.“

Corona, so der 43jährige weiter, werde die Gesellschaft verändern. Aber Veränderungen stünden auch in anderen Bereichen an: „In den kommenden zehn Jahren entscheidet sich die Zukunft von Land und Region. Es geht um die Frage, ob wir dann auch noch weiterhin eine gute Wirtschaft und gute Jobs haben werden. Da geht es um Digitalisierung und Wasserstoff. Da geht es nicht um Soltau und Walsrode und Bad Fallingbostel und Sott­rum oder Rotenburg. Da wird in Berlin entschieden.“

Um da mitzuhalten, so Klingbeil, „reichen Kupferkabel nicht. Wir müssen die Schulen besser ausstatten, auch die Berufsbildenden Schulen. Wir brauchen die besten Schulen. Und wir brauchen Macher an der Spitze - Leute, die erkennen, wo in den nächsten Jahren die Weichen gestellt werden.“ Es gehe darum, die Wirtschaftskraft zu stärken, aber auch Klima und Natur zu schützen: „Ich will alles tun, damit unsere Region in der Champions League spielt.“

Dafür will Klingbeil sich seinen Wahlkreis - wie 2017 - natürlich direkt holen: „Als mir das vor vier Jahren gelungen ist, meinten einige Konservative, das sei ein Unfall gewesen. Aber das war es nicht, und das werden wir ihnen zeigen: Ich trete an, um gemeinsam mit den Genossinnen und Genossen wieder zu gewinnen.“

Logo