„Wir haben etwas zu bieten“

Mareike Wulf bei Sommerempfang der CDU Heidekreis

„Wir haben etwas zu bieten“

Etwas war anders, als die CDU Heidekreis für vergangenen Mittwoch zu ihrem traditionellen Sommerempfang in den Forellenhof nach Hünzingen geladen hatte - und Kreisvorsitzender Gerd Engel sagte in seiner Begrüßung auch gleich, was: Mit Mareike Wulf hatten die Christdemokraten zum ersten Mal eine Frau zu Gast, um die Festrede zu halten

Die 39jährige gebürtige Rendsburgerin ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin und lebt in Hannover. 2017 gelang ihr über die Landesliste der CDU der Sprung in den Landtag. Dort ist sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende mit den Bereichen Kultus und Wirtschaft.

Bei ihrem Vortrag in Hünzingen legte sie ihren Schwerpunkt auf Bildung und Digitalisierung, brach aber auch eine Lanze für politisches Engagement. Für sie seien 2015 und 2016 ausschlaggebend gewesen: Begonnen habe es mit der Brexit-Entscheidung und der Wahl Donald Trumps, den sie für unzurechnungsfähig halte, und der damit verbundenen Erschütterung der westlichen Bindung, aber auch die Flüchtlingskrise und vor allem das zweistellige Ergebnis der AfD bei Landtagswahlen in ostdeutschen Bundesländern „haben bei mir das Gefühl hervorgerufen, dass grundlegende Werte in Frage gestellt werden“, berichtete Wulf. Und wenn sich die bürgerliche Mitte nicht mehr für diese Werte engagiere, „dann könnte es wieder schiefgehen. Ich wollte mich deshalb für diese bürgerliche Mitte engagiren.“

In ihrem Fall sei das alles reibungslos gelaufen: „Auf einmal saß ich im Landtag.“ Und dort, betonte Wulf, tue die große Koalition das, „was die Menschen von uns erwarten: Wir arbeiten geräuschlos und gehen ordentlich miteinander um.“

Die CDU-Landtagsfraktion habe dabei gute Schwerpunkte gesetzt. So sie die Digitalisierung zur Chefsache gemacht worden: „Wir haben einen Masterplan mit konkreten Zielen.“ Das reiche von der optimalen Breitbandversorgung beispielsweise von Schulen, Universitäten oder Gewerbegebieten bis hin zur Mobilfunktechnik: „Wir sagen den Funklöchern in Niedersachsen den Kampf an.“

Vor allem mit Blick auf die Schulen sei Technik allerdings nur die eine Seite, die andere sei Bildung. Und die zu vermitteln „ist eine vornehmlich pädagogische Aufgabe, die von Menschen erledigt wird.“ In diesem Zusammenhang stelle sich die Frage, „wie gut Lehrer digital unterwegs sind.“ Durch Aus- und Fortbildung müßten sie in die Lage versetzt werden, digitale Kompetenz weiterzugeben. Dies sei um so wichtiger, als im Netz „die schrillsten Meldungen die größte Resonanz finden. Die Vernunft hat es da ein bisschen schwerer, sich durchzusetzen. Darin steckt die Gefahr, dass dort ein Raum für Extreme entsteht und extremistische Gruppen erfolgreich sind“, betonte Wulf.

Für die Nutzer werde deshalb eine Kompetenz immer wichtiger: „Das ist Empathie.“ So zeige etwa Cyber­mobbing, „dass vergessen wird, dass am anderen Ende ein Mensch sitzt, den es trifft. Wir müssen deshalb zusehen, jungen Leuten Empathiefähigkeit zu vermitteln“, unterstrich die Politikerin.

Weiteres bildungspolitisches „Megathema“ sie die Beitragsfreistellung der Kindergärten: „Wir haben hier alle Vereinbarungen eingehalten.“ Diese Entscheidung sorge für eine Entlastung der Normalfamilie, der gesellschaftlichen Mitte: „Wir wollen, dass das Leben mit Kindern eine Chance hat.“

Was die derzeitige poltische Entwicklung mit den Grünen auf allgegenwärtigem Erfolgskurs betrifft, so riet Wulf zur Besonnenheit: „Wir stehen für die Bewahrung der Schöpfung, wir haben den Katalysator eingeführt, wir haben FCKW abgeschafft und den Kohleausstieg beschlossen.“

Besorgt zeigte sich die Christdemokratin allerdings über die AfD, die sie für rechtsextrem halte und die insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern stark sei: „Wenn die AfD politische Macht erlangt, wird sie versuchen, die Gesellschaft in Deutschland und Europa weiter auseinanderzubringen.“ Wulf weiter: „Wir als CDU stehen für die gesellschaftliche Mitte und haben etwas zu bieten. Wir können erfolgreich sein, wenn wir das auch nach außen deutlich machen.“

Auch CDU-Kreistagsfraktionschef Torsten Söder schloss sich der AfD-Kritik an, bevor er auf wichtige Themen des Heidekreises verwies. Hier nannte er das Heidekreis-Klinikum: „2021 wird ein Vorschlag vorgelegt, und wir sagen dann, wo es weitergeht. Ich bin optimistisch, dass wir eine gute Lösung finden.“ Auch bei der Schutzgebietsausweisung im Aller-Leine-Tal würden am Ende Entscheidungen auf der Basis sachlicher Argument getroffen. Weiteres wichtiges Thema sei die Schulentwicklungsplanung: „Da haben wir einiges vor uns. In den kommenden Jahren rechnen wir mit Millioneninvestitionen, die in die Schulen fließen.“

Wie immer, so waren die Gäste des Sommerempfangs auch diesmal zum Spenden aufgerufen. Profitieren soll davon die Kreisjugendfeuerwehr mit ihren mehr als 1.000 Mitgliedern.Aufgaben und Struktur erläuterte dem Besuchern Kreisjugendfeuerwehrwartin Silke Fricke.

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