Mit der Kamera auf der Pirsch

Fotoband „Wildes Niedersachsen“ mit Heidebildern erschienen

Mit der Kamera auf der Pirsch

Sie hat es ihm angetan - die Heidelandschaft. Deshalb hat Jürgen Borris sie schon einmal 2015 in einem Bildband eingefangen. Jetzt hat der Naturfotograph sie wieder zur Geltung kommen lassen, diesmal allerdings nicht allein: Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Willi Rolfes und Bernhard Volmer hat er viele weitere Naturregionen im Norden auf die „Platte gebannt“ und im Fotoband „Wildes Niedersachsen“ (Edition Temmen) zusammengeführt.

Eigentlich hatten Jürgen Borris und seine Frau Angelika, die in Holzminden an der Weser leben, mit der Lüneburger Heide rein gar nichts am Hut. Dennoch machten sie sich eines Tages auf den Weg: „Wir wollten einen Kurzurlaub organisieren, wobei das Ziel nicht zu weit entfernt sein durfte. Außerdem war unsere Tochter pferdeverrückt - und deshalb musste es eine Möglichkeit zum Reiten geben. Der Campingplatz in Kreutzen bot diese Möglichkeit, und so sind wir - eher zufällig - dahingefahren. Das ist inzwischen 20 Jahre her“, erinnert sich Borris.

Dabei wirkte der Aufenthalt in Kreutzen damals offensichtlich mehr als „heilsam“ auf die Familie aus Holzminden, denn aus Abneigung oder zumindest Gleichgültigkeit der Heide gegenüber wurde eine echte Liebe zu Land und Leuten: „Wir wurden von Campingplatz und Heide infiziert und haben etwa seitdem ein Domizil auf dem Campingplatz in Kreutzen. Inzwischen sind wir sogar einen Großteil des Jahres hier zugegen“, berichtet der 64jährige.

Sein großes, mit enormer Professionalität betriebenes Hobby war schon damals die Naturfotographie. Bereits 1998 hat Borris einen Bildband über den Solling, also sein „Heimat-Mittelgebirge“, veröffentlicht, weitere Publikationen folgten in Zusammenarbeit mit Kollegen. Und so stöberte er auch vor rund 20 Jahren in den hiesigen Buchhandlungen nach fotolastigen Büchern: „Was es aber vor allem gab, war touristische Literatur. Daraus entstand damals die Idee, dass ich ja an einem Bildband arbeiten könnte, wenn ich denn jetzt öfter hier sein sollte.“

Das allerdings hat dann rund 15 Jahre gedauert: „Das lag vor allem daran, dass ich seinerzeit beruflich noch sehr eingespannt war. Außerdem wurde das Spektrum immer größer, je tiefer ich in das Thema Heide eingetaucht bin.“ Für letzteres sorgte vor allem die Zusammenarbeit mit der Alfred-Toepfer-Akademie für Naturschutz (NNA) und dem Verein Naturschutzpark (VNP) sowie die Sondergenehmigung zum Betreten des Truppenübungsplatzes. Kurz nach Eintritt in den Ruhestand konnte Jürgen Borris dann 2015 den Band „Lüneburger Heide - Natur zwischen Heidekraut und Wacholder“ (Teck­lenborg-Verlag) vorstellen. Die Fotos dazu kamen ausschließlich aus seiner Kamera, für die Begleittexte sorgten Anke Ben­stem und Iris Schaper.

Auch diesmal sind die beiden Autorinnen wieder mit von der Partie, aber ebenso Willi Rolfes und Bernhard Volmer. Dazu Borris: „Wir sind drei Naturfotographen und schon seit 30 Jahren befreundet. Jeder hat sein eigentliches Revier quasi vor der Haustür.“ Bei Volmer sind es Teutoburger Wald und Dümmer und bei Rolfes das Goldenstedter Moor. „Darüber hinaus hat aber jeder von uns andere Gebiete Niedersachsens für Naturaufnahmen bereist“, erläutert Borris. Vor einiger Zeit dann haben sich die drei Freunde für das jüngste Projekt zusammengetan. Dazu Borris: „Da wir große Teile Niedersachsens bereits naturfotographisch bearbeitet hatten, fanden wir, es wäre eine gute Idee Niedersachsens Wildnis und Natur in einem Band zu portraitieren. Dazu haben wir die für uns noch ‚weiße Flächen‘ im Land unter uns aufgeteilt, sind hingefahren und haben sie abgearbeitet.“

Etwa drei Jahre haben die drei Naturfotographen und die beiden Autorinnen daran gearbeitet, bevor der Fotoband dann im Dezember 2019 erscheinen konnte. In diesem Bildband präsentieren sie die schönsten Eindrücke vom Wattenmeer bis zum Harz, von der Lüneburger Heide bis zum Weserbergland. Mit ihren Fotos und Texten möchten sie für die Vielfalt, Schönheit und Schutzbedürftigkeit der Lebensräume vor der eigenen Haustür begeistern und gleichzeitig dazu ermutigen, wieder mehr wilde Natur zuzulassen.

Vorgestellt werden ingesamt zwölf Naturräume: Wattenmeer, Elbe-Weser-Dreieck, Niedersächsische Elbtalaue, Lüneburger Heide, Elm-Lappwald, Harz, Weserbergland, Steinhuder Meer, Dümmer, Teutoburger Wald, Ems und Hochmoor.

Erhältlich ist „Wildnis Niedersachsen“, 220 Seiten, erschienen bei Edition Temmen, ISBN 978-3-8378-5038-3, im Buchhandel.

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