„Ein Richtfest in Anführungszeichen“

Kita-Neubau in Lünzen: Auf der Baustelle geht es zügig voran

„Ein Richtfest in Anführungszeichen“

„Sehr gut“, antwortete Schneverdingens Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens am vergangenen Freitagnachmittag auf die Frage des Zimmermanns Marc Schneider, wie ihr der Bau denn bislang gefalle. Und so konnte der auf dem Metallgerüst stehende Handwerker, flankiert von seinem Chef Lars Heuer und seinem Kollegen Michael Meyer, guten Gewissens die Flasche Hochprozentigen zerschlagen, nachdem er den obilgatorischen Richtspruch gehalten hatte. Es geht voran auf der Baustelle an der Alten Landesstraße in Lünzen. Dort entsteht derzeit ein Kita-Neubau, der im August oder September dieses Jahres fertig sein soll. Zwar flatterten wie üblich die bunten Bänder des Richtkranzes im Wind, ansonsten aber war in Zeiten der Coronakrise alles anders. Die Zahl der Gäste etwa war überschaubar. Nur wenige Vertreter der Baufirmen, des Stadtrates und der Verwaltung sowie der Kita und deren Trägervereins hatten sich eingefunden, penibel auf die Einhaltung der Abstandsregel achtend. Moog-Steffens sprach daher auch von einem „Richtfest in Anführungszeichen“.

„So ein Richtfest habe ich in meiner Amtszeit noch nicht durchführen müssen“, stellte Moog-Steffens zu ihrem Bedauern fest. Nichtsdestotrotz gelte es, „in gebührendem Abstand das zu würdigen, was die Handwerker geleistet haben.“ Da pflichteten ihr Kita-Leiterin Malina Westermann und Matthias Henning, Vorsitzender des 1984 gegründeten Vereins Kindertagesstätte Lünzen, Träger der Einrichtung, gern bei.

Anfang Oktober 1984 öffnete der Kinderspielkreis Lünzen erstmals seine Türen, zunächst im Bultweg 1. Nachdem die Umbaumaßnahmen im alten Schulgebäude abgeschlossen worden waren, zog der Spielkreis rund zwei Jahre später in die Räume Am Obstgarten 2. „Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder auch unter drei Jahren wurde der Kinderspielkreis zum August 2010 in eine Kindertagesstätte umgewandelt“, berichtete die Bürgermeisterin. Diese biete seitdem 22 Elementar- und fünf Krippenplätze an, „bedarfsangepasst halbtags oder ganztags.“ Im Rahmen der Bedarfsentwicklung im Kita-Bereich habe die Stadt im Jahr 2017 die Erweiterung der Kita ins Auge gefasst. „Weil die Grundschule durch die Ganztagsbetreuung ebenfalls mehr Platz benötigt, haben wir uns dazu entschieden, für die Kita ein neues Gebäude zu errichten und die jetzigen Räumlichkeiten der Grundschule zu überlassen“, erläuterte Moog-Steffens. In der Einwohnerversammlung habe es damals keine negativen Stimmen gegeben, sondern durch die Bank positive Signale. „Der Schneverdinger Rat möchte die Ortschaften deutlich stärken. Und das tun wir, indem wir in den Dörfern ordentlich bauen“, unterstrich die Bürgermeisterin.

Nach den Vorplanungen sei im Juni 2019 die Auftragsvergabe für die Architektenleistungen erfolgt, im Januar des folgenden Jahres die für die Baumaßnahmen. Problem bei Beginn der Arbeiten war, dass die Fachleute nicht trockenen Fußes loslegen konnten, denn über das Gefälle vom Heuberg hatte sich Oberflächenwasser auf dem Areal gesammelt. „Das haben wir zunächst abgepumpt und mit einem Güllefass weggefahren“, so Architekt Markus Röhrs vom beauftragten Schneverdinger Architekturbüro Engelhardt und Röhrs. Und das habe nicht nur Nerven, sondern vor allem Zeit gekostet. „Diesen zwei Wochen hinken wir jetzt immer noch hinterher“, berichtete Röhrs. Ansonsten aber gehe es trotz Coronavirus-Pandemie zügig voran. „Auf kleineren Baustellen ist Corona kaum Thema“, erklärte der Architekt. Natürlich müsse später beim Innenausbau darauf geachtet werden, dass im geschlossenen Raum die Abstandsregel eingehalten werde, so Röhrs weiter: „Wir werden die Termine dann so legen, dass sich die Handwerker nicht ins Gehege kommen.“

Wenn das Gebäude fertig ist, wird die Kita Lünzen mit einem umstrukturierten Betreuungsangebot aufwarten. Dann nämlich wird es eine Elementargruppe mit 25 Plätzen und eine Krippengruppe mit 15 Plätzen geben. „Die Plätze sind fast vollständig vergeben“, berichtete Moog-Steffens. Die Bruttoinvestitionskosten belaufen sich laut Bürgermeisterin auf insgesamt rund 990.000 Euro. Der Löwenanteil seien Planungs- und Baukosten in Höhe von 920.000 Euro, hinzu kämen 70.000 Euro für die Ausstattung. „Abzüglich einer Landeszuweisung in Höhe von 120.000 Euro und einer Zuweisung des Landkreises in Höhe von 105.000 Euro bleibt für die Stadt ein Eigenanteil von 765.000 Euro - eine stattliche Summe“, erklärte Moog-Steffens. Sie ist davon überzeugt, „dass sich alle Kinder und das Kita-Team sehr wohlfühlen werden.“ In diesem Zusammenhang würdigte die Bürgermeisterin die Arbeit der Architekten, der beteiligten Firmen und der zuständigen städtischen Fachbereiche. Es sei zudem erfreulich, dass der Elternverein und die Lünzener „dieses Projekt konstruktiv begleiten.“ Apropos erfreulich: Schon jetzt freut sich Moog-Steffens auf die Eröffnung der Kindertagesstätte. Sie hofft allerdings inständig, dass sie das Wort „Einweihungsfeier“ dann nicht in Anführungszeichen setzen muss.

Logo