Gute Nachbarschaft: Bürgerbusvereine weihen gemeinsame Haltestelle ein

Carlos Brunkhorst: „Gut, dass wir nun eine Schnittstelle haben“

Gute Nachbarschaft: Bürgerbusvereine weihen gemeinsame Haltestelle ein

Der Schneverdinger Bürgerbus stand am heutigen Donnerstagvormittag bereits an der Haltestelle an der Schule in Lünzen, einige Mitglieder des für den Betrieb zuständigen Vereins waren überpünktlich und warteten gut gelaunt und in Corona-Zeiten mit dem gebotenen Abstand auf die Kollegen aus Neuenkirchen. Diese hielten ebenfalls den Zeitplan ein. Rechtzeitig vor dem Termin fuhr der weiße Kleinbus des benachbarten Bürgerbusvereins die Haltestelle an, am Steuer saß Bürgermeister Carlos Brunkhorst. Er ist Mitglied des Neuenkirchener Bürgerbusvereins und wird, sobald der Betrieb am 1. Juli aufgenommen wird, als Fahrer zur Verfügung stehen, soweit es sein Terminkalender denn zulässt. Als „Steuermann“ seiner Gemeinde muss er schließlich weitaus mehr als einen Kleinbus in der Spur halten. Neben Brunkhorst und Schneverdingens Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens waren Vertreter der beiden Bürgerbusvereine in die Schneverdinger Ortschaft gefahren, um „ihre“ gemeinsame Haltestelle „Schule“ feierlich einzuweihen.

„Die Haltestelle in Lünzen war bei unserer Konzeption vom ersten Moment an Thema“, unterstrich Claus Manicke, 1. Vorsitzender des Neuenkirchener Bürgerbusvereins. Eine Nutzung der Haltestelle an der Alten Landstraße in Nähe zur Abzweigung Am Obstgarten sei aus Sicherheitsgründen nicht in Frage gekommen, zumal der Bus dann hätte „rückwärts herummanövriert werden müssen - und das geht gar nicht.“ So sei die Idee entstanden, die Haltestelle direkt an der Schule zu nutzen, an der auch Busse des Konzessionsgebers Prüser Bus GmbH halten. In Absprache mit dem Landkreis und dem Busunternehmen sei dieses Vorhaben dann auch in die Tat umgesetzt worden. „Unter Sicherheitsaspekten ist es die beste Lösung“, unterstrich Manicke. Der Bürgerbus aus Neuenkirchen fahre über die Straße Heuberg und die Lünzener Straße quasi einmal ums Karree „und die Schneverdinger machen einfach einen kleinen Schlenker.“

Einen größeren „Schlenker“ mussten die Neuenkirchener machen, nämlich mit Blick auf ihren Zeitplan. Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Einschränkungen musste die für den 1. April geplante Inbetriebnahme verschoben werden. Am 1. Juli soll es nun aber losgehen. „Unser Vorstand hat viel gelernt, denn das Thema öffentlicher Personenahverkehr war für uns neu“, berichtete Vorsitzender Manicke: „Es ist schon erstaunlich, wie viele Themen zu beachten sind und wie viel Arbeit da drin steckt.“ Das Ganze sei durchaus mit dem Führen einer Firma zu vergleichen.

Die Ehrenamtlichen aus Neuenkirchen haben also bereits eine Menge Arbeit in das Projekt Bürgerbus gesteckt. Wertvolle Tipps und Unterstützung gab es dabei von den Kolleginnen und Kollegen aus Schneverdingen, Schwarmstedt und Walsrode. „Die Hilfe der anderen Vereine war sehr hilfreich und hat einiges abgekürzt“, unterstrich der 1. Vorsitzende. Der öffentliche Personennahverkehr gewinne immer mehr an Bedeutung, betonte er. Als Gründe nannte er den Klimawandel und den demographischen Wandel. „Es gibt aber auch Leute in den Dörfern, die einfach kein Geld haben, um sich zwei Autos leisten zu können.“ Bürgerbusse seien daher wichtige soziale Projekte, um die Mobilität der Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen und möglichst vielen Menschen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Damit möglichst viele Einwohner das Angebot nutzten, müssten unter anderem auch die Haltestellen attraktiv sein und mit einem entsprechenden Erscheinungsbild aufwarten. Dies habe der Neuenkirchener Bürgerbusverein mit Hilfe der finanziellen Förderung durch Land und Kreis auch umsetzen können. „Wir wurden aus diesem Topf gut bedient, sind gut ausgestattet und konnten die Haltestellen dementsprechend ausrüsten“, erläuterte Manicke.

Eine komplexe Aufgabe war die Erstellung des Fahrplans, der auf Basis des Konzepts des Verkehrsplaners Dietrich Stempel von einer Gruppe, bestehend aus alteingesessenen Stichtern, erarbeitet wurde. „Ich freue mich, dass das etwas geworden ist“, sagte Stempel, der bei der Einweihung ebenfalls zugegen war. Der Neuenkirchener Bürgerbus fährt ab kommenden Monat auf den drei Linien 206, 207 und 208. Eine vierte Tour zur Anbindung Behningens war zunächst angedacht, diese Idee wurde jedoch verworfen. Das kleine Bauerndorf ist aber trotzdem über die Linie 206 angebunden. Dort gibt es am „Roten Platz“ eine Bedarfshaltestelle. Jede Linie des Neuenkirchener Bürgerbusses beginnt und endet am Edeka-Markt im Schnuckendorf. Allein im Ortsgebiet Neuenkirchen wurden 15 Haltestellen neu eingerichtet. Insgesamt werden 26 Haltestellen angefahren. Derzeit stehen dem Verein, der 49 Mitglieder hat, vier Fahrerinnen und zehn Fahrer zur Verfügung. Diese machen sich derzeit mit dem Bus und den Linien vertraut. An aktuellen Fahrplan-Faltblättern wird ebenfalls gearbeitet, die rechtzeitig zum Start verteilt werden sollen. Im Zuge der Anlaufphase wird dann eruiert, ob alle Haltestellen Sinn machen. Gegebenfalls wird die eine oder andere gestrichen oder verlegt. Die moderaten Fahrpreise entsprechen denen in Schneverdingen, wobei beide Vereine Fahrkarten jeweils gegenseitig anerkennen. „Der Gemeinderat hat dem Bürgerbus für drei Jahre eine Defizitübernahme zugesagt“, berichtete Carlos Brunkhorst. Mit Blick auf die berühmte „schwarze Null“ merkte er an, dass nicht alle Angebote zum Wohle der Allgemeinheit wirtschaftlich betrieben werden könnten. Ob Freibäder, Bibliotheken oder eben ÖPNV-Ergänzung: Es gebe Projekte, bei denen eine Querfinanzierung durch die Kommune „im Sinne der Bürger sinnvoll ist.“ Brunkhorst würdigte in diesem Zusammenhang das Engagement aller Beteiligten und betonte zudem die fruchtbare interkommunale Zusammenarbeit mit Schneverdingen. „Im Interesse unserer Bürger, insbesondere aus Grauen, ist es gut, dass wir nun eine Schnittstelle haben“, betonte der Bürgermeister: „Jetzt werden wir sehen, dass wir schnell Fahrt aufnehmen.“

Meike Moog-Steffens freute sich, dass „die gute Zusammenarbeit mit Neuenkirchen in vielen Bereichen durch die Bürgerbus-Schnittstelle untermauert wird.“ Mit Blick auf den demographischen Wandel und den ÖPNV seien Bürgerbusse „eine wichtige Ergänzung.“ Ein großes Lob richtete sie an die Ehrenamtlichen, „die die Bürgerbusse mit grosser Akribie betreiben.“

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