Wenn Mittelstendorfer mit Kochlöffeln auf Töpfen trommeln

Soltauer Wolfgang Erwin absolviert ungewöhnlichen Ein-Mann-Marathon

Wenn Mittelstendorfer mit Kochlöffeln auf Töpfen trommeln

Mit der Absage des Hannover-Marathons wegen der Coronakrise hatte der Veranstalter zugleich zu einem „Stayathome-Marathon“ aufgerufen. Dabei gab es keine Bedingungen zur Streckenlänge oder der zur Verfügung stehenden Zeit. Ziel war es, dass am gleichen Tag, zur gleichen Startzeit, an unterschiedlichen Orten Sportlerinnen und Sportler jeweils allein laufen, dabei wissend, dass dies um die 10.000 Aktive ebenfalls tun. Auch der Soltauer Wolfgang Erwin war von dieser Idee begeistert und meldete sich daher an. Die Startgebühr war als Spende in beliebiger Höhe an eine vorgegebene gemeinnützige Einrichtung zu überweisen. Eine Startnummer konnte heruntergeladen und ausdruckt werden. Die Finisher-Medaille wurde zugeschickt und kam zwei Tage vor dem Start in einem verschlossenen Umschlag an.

Auch wenn bereits zehn erfolgreiche Marathon-Teilnahmen im Lebenslauf stehen, so ist eine solche Strecke ohne die professionelle Betreuung eines Veranstalters und insbesondere ohne die Unterstützung der Zuschauer eine Herausforderung. Wolfgang Erwin hatte zuletzt im Jahr 2016 einen Marathon absolviert, ebenso sein letztes Langstreckentraining. „Ich wollte schauen, wie es läuft und hoffte, innerhalb der sonst vorgebenen Zeit von sechs Stunden ins Ziel zu kommen“, so der Böhmestädter. Vorbereitet hatte er sich mit lediglich zehn bis 20 gelaufenen Trainingskilometern pro Woche.

Weil eine Umrundung des eigenen Grundstücks wegen einer dicht gewachsenen Hecke und Bodenunebenheiten nicht als Strecke in Frage kam, entschied sich Erwin für eine zirka zwei Kilometer lange Runde auf befestigten Straßen durch Mittelstendorf. Kurz vor dem Start richtete er im Kofferaum seines Autos an der Laufstrecke einen Verpflegungspunkt ein. Pünktlich um 9 Uhr morgens nahm er die erste von geplanten 21 Runden in Angriff. Mit jeder weiteren Runde durchs Dorf wurden einige Mittelstendorfer auf seine Aktivität aufmerksam und begleiteten ihn, teils mit dem Fahrrad, im Rahmen der „Hunderunde“ oder auch selbst laufend. Dabei achteten natürlich alle auf den erforderlichen Sicherheitsabstand.

Nachdem Erwin mit der elften Dorfrunde die Halbmarathondistanz gemeistert hatte, fand sich eine Familie aus Mittelstendorf mit Töpfen und Kochlöffeln an der Laufstrecke ein und trommelte zur Unterstützung. Derart angefeuert konnte der Soltauer die 21 Runden erfolgreich beenden. Er erreichte das Ziel nach 42,2 Kilometern in einer Zeit von 5:59:56 Stunden. Damit hatte er die bei Marathonveranstaltungen in der Regel vorgegebene Zielzeit von sechs Stunden tatsächlich unterboten. Somit konnte er zufrieden die nunmehr verdiente Medaille aus dem Umschlag nehmen. Mit einem alkoholfreien Weizenbier im Ziel ließ Erwin seinen in Eigenregie veranstalteten „Stayathome-Marathon“ in Mittelstendorf ausklingen.

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