Wenn Vertreterinnen und Vertreter der Bundeswehr, Polizei, Feuerwehr, Stadtverwaltung und Bürgerschaft gemeinsam für eine gute Sache einstehen, resultiert daraus weit mehr als eine Informationsveranstaltung. Genau das war jüngst auf dem Marktplatz des Bundeswehrstandortes Munster zu erleben: 30 Menschen ließen sich bei einer DKMS-Aktion neu als potenzielle Stammzellspenderinnen und -spender registrieren und könnten damit eines Tages einem an Blutkrebs erkrankten Menschen die einzige Chance auf Heilung schenken. Die DKMS (früher Deutsche Knochenmarkspenderdatei) ist eine internationale gemeinnützige Organisation, deren Ziel es ist, weltweit so vielen Blutkrebspatientinnen und -patienten wie möglich eine zweite Lebenschance zu geben. Sie wurde 1991 in Deutschland von Dr. Peter Harf gegründet und sorgt seither dafür, dass immer mehr Patientinnen und Patienten eine lebensrettende Stammzellspende erhalten.
Ins Leben gerufen wurde die Aktion in Munster von Dietmar Maasjosthusmann, der mit seinem restaurierten Bauwagen und Traktor quer durch Deutschland reist. Sein Ziel ist ebenso einfach wie bewegend: möglichst viele Menschen für die Stammzellspende zu gewinnen und damit Hoffnung zu schenken. Dass am Ende des Tages 30 neue Registrierungen zu Buche standen, ist angesichts der hochsommerlichen Temperaturen, Sommerferien in Niedersachsen und der Tatsache, dass viele Angehörige von Bundeswehr, Polizei und Feuerwehr bereits registrierte Stammzellspender sind, ein starkes Ergebnis. Zur Halbzeit seiner Tour, die Maasjosthusmann noch über Lüneburg und Lübeck bis nach Fehmarn führt, konnten bereits 150 neue potenzielle Lebensretter gewonnen werden.
Besonders beeindruckend war die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Die Stadt Munster, die Bundeswehr, die Polizei und die Feuerwehr zogen an einem Strang und machten deutlich, dass gesellschaftliches Engagement keine Frage einer Uniform oder eines Berufes ist, sondern einer gemeinsamen Haltung. Auch Bürgermeister Ulf-Marcus Grube sowie der Standortälteste, Brigadegeneral Jörg Tölke, unterstützten die Aktion persönlich und unterstrichen damit die Bedeutung des Themas für den gesamten Bundeswehrstandort und die Stadt Munster.
Viele Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, Fragen zur Stammzellspende zu stellen. Dabei zeigte sich erneut, dass sich hartnäckige Mythen halten. Noch immer glauben viele Menschen, Stammzellen würden grundsätzlich durch einen schmerzhaften Eingriff aus dem Rückenmark entnommen. Tatsächlich erfolgt eine Stammzellspende heute in den meisten Fällen ähnlich wie eine Blut- oder Plasmaspende: Die Stammzellen werden aus dem Blut gewonnen. Nur in wenigen Fällen ist eine Entnahme aus dem Beckenknochen notwendig – selbstverständlich unter Vollnarkose. Mit dem Rückenmark hat dieses Verfahren nichts zu tun.
Bereits die Registrierung ist denkbar einfach. Mit einem Wangenabstrich werden die Gewebemerkmale bestimmt und in der Spenderdatei hinterlegt. Erst wenn diese Merkmale zu einem erkrankten Menschen irgendwo auf der Welt passen, wird die registrierte Person kontaktiert. Für viele Blutkrebspatientinnen und -patienten ist eine passende Stammzellspende die einzige Chance auf ein neues Leben. Die DKMS-Aktion in Munster hat deshalb weit mehr erreicht als die Zahl 30 vermuten lässt. Sie hat informiert, Vorurteile abgebaut und gezeigt, wie viel möglich ist, wenn eine ganze Stadt gemeinsam Verantwortung übernimmt.
Für Dietmar Maasjosthusmann ging die Reise schnell weiter. Er machte anschließend Halt in Lüneburg, bevor der Bauwagen in den kommenden Wochen weitere Städte und Gemeinden ansteuert – immer mit demselben Ziel: möglichst viele neue Stammzellspenderinnen und Stammzellspender zu gewinnen. Die Botschaft aus Munster ist eindeutig: Eine Registrierung dauert nur wenige Minuten – kann aber irgendwann ein Leben retten.