Appell und Abschied zwischen den Stürmen

Kommandoübergabe an Panzertruppenschule: Auf Spannuth folgt Schulz

Appell und Abschied zwischen den Stürmen

Von Coronakrise bis Ukrainekonflikt - es sind stürmische Zeiten. Durch Viruslast und Kriegsgefahr zum einen im übertragenen Sinne, durch „Ylenia“ und „Zeynep“ zum anderen aber auch buchstäblich: Denn die zwei Orkantiefs fegten in der vergangenen Woche über Deutschland hinweg, richteten auch im Heidekreis Schäden an und bereiteten den Einsatzkräften schlaflose Nächte. Zwischen den Stürmen gab es am vergangenen Freitagvormittag eine kleine „Verschnaufpause“ ohne Wind und Regen - und genau in diesen Stunden einen feierlichen Übergabeappell in Munster: Für Brigadegeneral Ullrich Spannuth endete nach rund zweieinhalb Jahren seine Zeit als Kommandeur der Panzertruppenschule. Deren Kommando übernahm Brigadegeneral Björn Schulz. Spannuth verabschiedete sich nicht nur von dieser bedeutenden Funktion und vom Posten als Standortältester des größten Heeresstandortes, sondern auch von der Örtzestadt selbst: Auf den Brigadegeneral wartet eine einjährige Verwendung im Irak.

„Ob‘s stürmt oder schneit, ob die Sonne uns lacht“, zitierte Spannuth in seiner Rede eine Zeile aus dem Panzerlied. Ein „Ständchen“ gab es zudem vom Heeresmusikkorps aus Hannover, das die Zeremonie unter anderem mit dem Großen Kurfürsten Reitermarsch musikalisch begleitete. „Der Marsch der gepanzerten Kampftruppen“, so Spannuth - und das Stück erklinge am passenden Ort: „Denn genau hier gehört es hin, hier nach Munster, wo das Herz des mechanisierten Gefechts der verbundenen Waffen schlägt.“

Aber nicht nur das mache Munster aus, dort, „wo Bundeswehr und Stadt eine gefühlte Einheit sind“, hob der Brigadegeneral hervor. Unter den rund 200 Gästen - einer von ihnen: Niedersachsens stellvertretender Ministerpräsident Dr. Bernd Althusmann - waren neben Bundeswehrangehörigen auch zahlreiche ehemalige und aktuelle Amtsträger und Vertreter der Örtzestadt. So begrüßte Spannuth unter anderem Ulf-Marcus Grube, der als Bürgermeister „mit seiner Verbundenheit zur Bundeswehr in einer Traditionslinie mit seinen Amtsvorgängern steht.“ Stellvertretend für diese richtete der General das Wort und seinen Dank an die ehemalige Bürgermeisterin Christina Fleckenstein: „Liebe Frau Fleckenstein, wir haben hier am Standort über mehr als vier Jahre exzellent zusammengearbeitet.“

Den größten Teil seiner Abschiedsrede widmete Spannuth den Angehörigen der Panzertruppenschule, „den Soldatinnen und Soldaten, den zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die diese Ausbildungseinrichtung mit Leben füllen“, würdigte der scheidende „Chef“ seine bisherige Mannschaft: „Zweieinhalb ereignisreiche Jahre liegen hinter uns. Und manchmal wird einem dies erst in der Rückschau bewusst. Natürlich war da Corona, fast zwei Jahre nun schon. Das hat uns eingeschränkt, das war neu und lästig, aber dennoch haben wir uns gemeinsam nicht von dem abhalten lassen, was im Fokus jedes militärischen Handelns stehen muss: erfolgreiche Auftragserfüllung.“ Das sei für die Panzertruppenschule die Grundrichtung, so der General, „die wir, die Sie mit großer Konsequenz auch bei höchstem Wellenschlag stets eingehalten haben - ohne zu zaudern, ohne zu jammern. Das hat ohnehin noch niemandem geholfen.“

Stattdessen habe die Truppe in der Zeit unter seinem Kommando mit viel Kreativität, Selbstdisziplin, organisatorischem Können und hoher Professionalität den Kernauftrag verfolgt: „Nämlich die angehenden militärischen Führer der Panzertruppen, der Artillerie und der Heeresaufklärungstruppe so auszubilden, so zu prägen, dass sie als Führer im Gefecht ihren Auftrag erfüllen können“, so Spannuth. Genau das müsse die Messlatte des Handelns und der Fokus des täglichen Dienstes sein, „denn am Ende werden wir genau daran gemessen.“ Von den Kameraden, die zu Beginn der Woche aus Munster nach Litauen abmarschiert seien (HK berichtete), werde nicht mehr und nicht weniger erwartet, hob der Brigadegeneral hervor, „als dass sie - wenn es erforderlich ist - im Gefecht bestehen können, um unsere Bündnispartner, um unsere Freiheit verteidigen zu können. Deshalb ist es unsere Pflicht hier, in der Ausbildung unseren Beruf stets vom ‚scharfen Ende‘ her zu denken. Es nicht zu tun, wäre fahrlässig, Das Gefecht kennt keine Ausreden!“ Dort zu bestehen verlange mehr als nur soldatisches Handwerkszeug: „Es verlangt Ethos, der auf einem festen Wertekompass fußt.“ Diesen gelte es immer wieder nachzuschärfen.

„So melde ich mich ab als Ihr Kommandeur“, sagte der General Adieu zu seiner Truppe - und das mit einem persönlichen Epilog: „Mit dieser Verwendung gehen auch fast 13 Dienstjahre in unterschiedlichsten Aufgaben am Standort Munster für mich zu Ende - ein Drittel meiner Dienstzeit. Und so ist und bleibt Munster denn auch meine militärische Heimat, vielleicht sogar ein bisschen mehr. Ich danke daher auch den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Munster. Ich habe mich immer herzlich willkommen gefühlt.“ Denn hier werde aus dem Staatsbürger in Uniform der Mitbürger in Uniform, schloss Spannuth seine Rede und bestiegt sein „Taxi“: Ein Leopard 2A7V, die neueste Evolutionsstufe des Kampfpanzers, holte ihn vom Appell ab. Seine Ehrenrunde entlang der Paradeaufstellung durfte der General fast wie in einer weiteren Zeile des Panzerlieds drehen: „Und es braust unser Panzer im Sturmwind dahin“ - am Freitag allerdings in einem nahezu windstillen Moment.

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