Aus „MuMi 50“ wird „MuMi B“

In Munster wird das Angebot „MuMi 50“ nun in abgespeckter Form unter dem Titel „MuMi B“ im Bürgerhaus fortgesetzt.

Aus „MuMi 50“ wird „MuMi B“

Fröhlich geht es zu in einem der Räume des Bürgerhauses in Munster, in dem Frauen und Männer aus aller Herren Länder am vergangenen Dienstag beisammensitzen, um die deutsche Sprache zu lernen, aber auch um Kontakte zu knüpfen. Eine Philippina sitzt am Tisch, ebenso eine US-Amerikanerin. Weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen unter anderem aus Rumänien, Kasachstan, Griechenland und Serbien. Um sich untereinander zu verständigen, benutzen die Männer und Frauen die deutsche Sprache - so gut es eben geht. „Das ist schwer“, sagt eine der Teilnehmerinnen, doch Übung macht bekanntlich den Meister. Gruppenleiterin Maria Adamczak freut sich über die gute Stimmung und weiß nur Positives über ihre Schützlinge zu berichten. Mit einer Einschränkung. Die regelmäßigen Treffen der Gruppe „Fit für den Alltag“ seien der körperlichen Fitness nicht unbedingt zuträglich, sagt Adamczak augenzwinkernd und lacht: „Insbesondere die Frauen bringen immer Kuchen und Naschereien mit.“

Bei den Treffen unter dem Motto „Fit für den Alltag“ werden Frauen und Männer mit Migrationshintergrund an die deutsche Sprache und das Leben in Deutschland herangeführt - und zwar unbürokratisch und ohne jede Voraussetzung. Es ist eines der Angebote, die bis Anfang des Jahres in der sozialen Projektwohnung mit dem Namen „MuMi 50“, einer Abkürzung für den Mucloh-Mitte, Hausnummer 50, auf dem Plan standen. In dem bereits 2011 ins Leben gerufenen Projekt kamen Menschen aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen zusammen. Seit Beginn dieses Jahres steht die Wohnung zwar nicht mehr zur Verfügung, doch unter neuem Namen und an neuer Adresse geht es weiter. Aus „MuMi 50“ ist „MuMi B“ geworden. Das „B“ steht dabei für Bürgerhaus. „Es kann aber auch für Plan B, für Begegnung, Bildung und Begleitung stehen“, so Pastorin Meike Müller-Bilgenroth, die neben Maria Adamczak als Ansprechpartnerin fungiert.

Beide freuen sich, daß ein Teil des bisherigen Angebotes weiterhin vorgehalten werden kann - nun unter dem Dach des Bürgerhauses. Die Kosten sollen durch eine Mischfinanzierung getragen werden. Förderanträge sind bereits gestellt, teils aber noch nicht bewilligt. Es feste Zusage gibt es bereits vom Kirchenkreis Soltau. Trägerin bleibt die evangelisch-lutherische Kirchengemeinschaft Munster, die Stadt stellt mit dem Bürgerhaus die Infrastruktur zur Verfügung. Dies sei auch der passende Ort für Angebote dieser Art, betont Patrick Gerhardt von der Stadtverwaltung, Leiter der Fachgruppe 33/Bürgerhaus: „Wir sind hier die Netzwerkzentrale. Es gibt ein breit gefächertes Angebot - vom Jugendzentrum bis hin zum Seniorenbeirat. Wir sehen uns als Dienstleistungshaus für soziale Bedarfe.“ Mit Know-how und beratend bleibt auch das Diakonische Werk des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Walsrode mit an Bord, das die Initiatoren bereits bei der Gründung der sozialen Projektwohnung unterstützt hatte.

Dort war die Liste der Angebote zwar ein wenig länger, nichtsdestotrotz soll die Erfolgsgeschichte nun im Bürgerhaus in abgespeckter Form fortgeschrieben werden: Menschen mit Migrationshintergrund lernen die deutsche Sprache kennen, erleben Geselligkeit, finden Ansprechpartner, die bei Problemen weiterhelfen können. Integration soll, so heißt es im „Mumi B“-Info-Faltblatt, „in jede Richtung gelebt werden.“ Und das wird geboten: Montags von 9.30 bis 11 Uhr steht ein „Frauenfrühstück“ auf dem Programm, bei dem Damen mit und ohne Migrationshintergrund unter sich bleiben. „Fit für den Alltag“ heißt es dienstags und donnerstags jeweils von 9.30 bis 11 Uhr. Und mittwochs, ebenfalls von 9.30 bis 11 Uhr, können Interessierte im Integrations-Café (I-Café) zusammenkommen, sich austauschen und Kontakte knüpfen berziehungsweise pflegen. Kinder dürfen dazu gern mitgebracht werden.

Maria Adamczak ist seit Beginn des Jahres im Ruhestand und möchte auch in ihrem Engagement in Sachen „MuMi“ ein wenig kürzertreten. Dennoch bleibt das Ganze für sie wie auch für Müller-Bilgenroth und das Team der Ehrenamtlichen eine Herzensangelegenheit. „Für viele ist ‚MuMi 50‘ eine Art Familienersatz gewesen. Sie haben hier Freunde gefunden“, berichtet Adamczak. Sie erinnert sich noch gut daran, wie alles vor rund zehn Jahren begann. Damals hatte sie sich zum Ziel gesetzt, insbesondere türkische Frauen bei der Integration zu unterstützen. „Einige saßen allein zu Hause, manche konnten weder lesen noch schreiben. Ich habe sie privat besucht und es entstand die Idee, ein Angebot auf die Beine zu stellen. Damals hat uns Hilfen aus einer Hand unterstützt. Mit zehn türkischen Frauen an einem kleinen Tisch hat es angefangen, anfangs noch im Emminger Weg“, berichtet die Örtzestädterin.

Bei den „Fit in den Alltag“-Treffen sind aktuell keine Türkinnen in der Runde. „Sie besuchen aber unser Integrations-Café“, so Adamczak. Dieses richte sich nicht nur an Menschen mit Migrationshintergrund, sondern beispielsweise auch an ältere Einheimische, die ansonsten nur wenige soziale Kontakte hätten und zu vereinsamen drohten. „Unsere Angebote stehen allen Interessierten offen“, betont die Munsteranerin.

Die Unterstützung geht aber weit über die regelmäßigen Treffen hinaus. Geboten wird individuelle Begleitung in allen Lebenssituationen, ob bei einer Schwangerschaft oder gar bei Fällen häuslicher Gewalt. Egal ob es Probleme in der Kommunikation mit Behörden gibt, oder anderweitig der Schuh drückt: die Integrationslotsen stehen gern mit Rat und Tat zur Seite. Darüber hinaus gibt es weitere Aktivitäten. So stehen zwei- bis dreimal pro Jahr gemeinsame Ausflüge wie zum Beispiel nach Hamburg oder in den Heide-Park auf dem Programm und dreimal jährlich werden Kinder zur „Spielbaustelle“ eingeladen.

Diplom-Pädagoge Carsten Schlüter vom Jugendmigrationsdienst des Diakonischen Werks des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Walsrode lobt ausdrücklich das Engagement aller Beteiligten. „Es ist eine sehr wichtige Arbeit, die nicht einfach ist.“ Schließlich gebe es auch immer wieder mal Rückschläge zu verkraften, etwa wenn eine bereits gut integrierte Familie abgeschoben werde.

Mit einem solchen Fall wurden bekanntlich auch bereits die Integrationshelfer in der Örtzestadt konfrontiert, was sie aber nicht darin hindert, ihr Engagement fortzusetzen. Dazu Adamczak: „Wir begleiten auch weiterhin die Menschen, die hier heimisch werden wollen. Aus Fremden sollen Freunde werden.“

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