Baum wird zur „harten Nuss“

Munsteranerin bekommt „Früchteregen“ nicht mehr in den Griff

Baum wird zur „harten Nuss“

Welche Art Haselnussbaum das vor ihrem Haus ist, weiß Ingrid Downes nicht ganz genau. Was die Munsteranerin aber weiß, ist, dass sie mit seinen „Hinterlassenschaften“ nicht mehr fertig wird: Der Baum übersät alljährlich ab Anfang September Bürgersteig und Gosse in der Breloher Straße 30 mit seinen Früchten. Für Ingrid Downes und ihren Mann Terence ist dies inzwischen der blanke Horror, weil sie den Gehweg nicht mehr sauberhalten können.

Der Baum steht mitten auf dem Bürgersteig in der Breloher Straße, an der Grenze zwischen den Grundstücken 28 und 30. „Es ist bestimmt schon rund 40 Jahre her, dass er gepflanzt worden ist“, erinnert sich die Munsteranerin, deren Haus schon von ihren Großeltern bewohnt worden ist. Insofern weiß sie auch, was alljährlich im Herbst auf sie zukommt, denn die Anlieger sind verpflichtet den Gehweg sauberzuhalten - erst von den abgeworfenen Früchten, dann von den fallenden Blättern.

Letztere wären nicht das Problem, wohl aber die Früchte, die durchaus zur Stolperfalle werden können: „Wenn der Fußweg dauerhaft vernünftig begehbar sein soll, dann muss man ihn während dieser Zeit mindestens dreimal täglich fegen. Diese Aufgabe haben wir uns früher mit unseren Nachbarn geteilt. Dabei sind dann insgesamt bis zu 40 Säcke, vornehmlich mit Früchten und einigen Blättern, zusammengekommen. Das war schon eine Sisyphos­arbeit“, weiß Ingrid Downes zu berichten.

Was früher so mit vereinten Kräften erledigt werden konnte, ist heute nicht mehr zu schaffen, denn die Downes und ihre Nachbarn sind älter geworden und gesundheitlich nicht mehr ganz auf der Höhe: „Wir sind über 80, ich brauche zum Gehen einen Rollator, und mein Mann ist krank. Wer möchte, kann uns ja bei der Ernte helfen“, meint die Munsteranerin mit einem gewissen Sarkasmus. Und weiter: „Wir sind verzweifelt, weil wir einerseits den Bürgersteig nicht in einem solchen Zustand lassen wollen, dies aber andererseits nicht leisten können.“

Ingrid Downes Wunsch wäre es deshalb, dass der Baum entnommen würde: „Eigentlich liebe ich Bäume, aber dieses Exemplar gehört nicht in eine solche Straße. Wenn hier statt dessen ein Laubbaum ohne derartige Früchte gepflanzt würde, wäre das für uns in Ordnung.“

Mit diesem Ansinnen hat sie vor rund zwei Jahren schon einmal bei Munsters Bürgermeisterin Christina Fleckenstein angeklopft und dabei eine zwar nachvollziehbare, aber für sie nicht unbedingt befriedigende Antwort erhalten: Der Baum stelle keine Gefährdung dar und sei auch nicht krank. Deshalb werde er nicht gefällt.

Ähnlich antwortet die Bürgermeisterin auch auf HK-Anfrage: „Wir würden einen solchen Baum heute sicherlich nicht mehr an dieser Stelle pflanzen. Trotzdem gilt aber, dass wir gesunde Bäume grundsätzlich erhalten wollen. Und die Anlieger müssen den Bürgersteig in Ordnung halten.“ Allerdings sieht Fleckenstein hier durchaus eine nicht ganz gewöhnliche Situation: „Mir ist diese Ansammlung von Früchten vor einigen Tagen selbst aufgefallen, als ich in der Breloher Straße unterwegs war. Der Baum steht hier zudem in der Mitte des Bürgersteiges, was den Fußweg teilt und damit stark verschmälert. Beides zusammen ergibt schon einen besonderen Fall. Wir werden deshalb den Sachverhalt noch einmal überprüfen.“

Das ist ja zumindest schon einmal keine reine Absage an Ingrid ­Downes’ Anliegen. Was dabei dann herauskommt, wird sich zeigen müssen. Mittelfristig dürften die Tage des früchtereichen Baumes aber ohnehin gezählt sein: Für das Jahr 2021 ist die Sanierung der Breloher Straße vorgesehen - und im Zuge dessen werden auch die Bäume weichen müssen. Dazu die Bürgermeisterin: „Wir werden dort dann das Gespräch mit den Anliegern suchen und neue Bäume pflanzen.“

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