„Betreuung bieten für die, die zurückbleiben“

Verein Bundeswehrfamilien Munster bietet seit 15 Jahren Unterstützung

„Betreuung bieten für die, die zurückbleiben“

15 Jahre - das mag zwar weder ein richtiges Jubiläum noch ein runder Geburtstag sein, doch für den Verein Bundeswehrfamilien Munster ist es dennoch ein Anlass, einen Blick zurück und in die Zukunft zu werfen. Denn 2021 feiert der Verein sein 15-jähriges Bestehen - allerdings ohne große Feier, da diese coronabedingt ausfällt. Die Pandemie hat den Planern zudem bei fast allen Veranstaltungen des vergangenen Jahres einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dass der Verein, der für die vielen Maßnahmen der Familienbetreuungsstelle Munster Geld sammelt, auch im Coronajahr aktiv war und es künftig sein wird, davon berichteten kürzlich der erste Vorsitzende Artur Schwitalla, seine Stellvertreterin Monika Tödtmann sowie Kassenwart Achim Höfer. Ebenfalls mit dabei: Hauptfeldwebel Sascha Biernath von der Betreuungsstelle in der Örtzetal-Kaserne. Er und sein Team kümmern sich in der Anlaufstelle um Familienangehörige von Soldaten und Soldatinnen, die ihren Einsatz im Ausland absolvieren.

Gegründet am 26. Januar 2006, erlebt der Bundeswehrfamilien-Verein, der 2016 den Preis „Bundeswehr und Gesellschaft“ von der Verteidigungsministerin verliehen bekam, seinen 15. Geburtstag nun im „engsten Kreise“: „Es ist eine Andacht in der Militärkirchengemeinde St. Stephanus geplant - allerdings nur mit einer kleinen Gruppe von Mitgliedern“, erklärt Schwitalla. Damit beginnt das neue Jahr so, wie sich das vergangene fast durchgängig gestaltete: nämlich mit Absagen beziehungsweise Veranstaltungen „auf kleiner Flamme“. Corona ließ 2020 einfach nichts anderes zu: „Für die ersten Aktionen gab es 2020 noch zahlreiche Anmeldungen, für die kommenden dann fast gar keine mehr“, erinnert sich Höfer.

Auch die Großveranstaltungen, auf denen der Verein bisher stets präsent war, sich und seine Arbeit vorstellte sowie viele Spenden sammeln konnte, fielen im vergangenen Jahr reihenweise aus: Ob Tag der offenen Tür des Deutschen Panzermuseums, Lili-Marleen-Tag oder Tag der Bundeswehr, an dem die Vereinsmitglieder sonst Waffeln, Zuckerwatte und Popcorn verkaufen - „alles fiel flach“, so der Kassenwart. „Dabei sind diese Veranstaltungen eigentlich ‚feste Größen‘ im Vereinsleben“, fügt der erste Vorsitzende hinzu. Auch beim Nikolausmarkt der Örtzestadt sowie beim örtlichen Kinderferienprogramm sind die Mitglieder sonst dabei, fördern zudem den Sommerlesewettbewerb der Stadtbücherei sowie die Weihnachtswunschzauberbaum-Aktion der Bürgerstiftung Munster als Sponsor. Zumindest letztere zwei Projekte haben 2020 trotz Corona laufen können, freut sich Höfer.

Mag das Pandemiejahr ein Dämpfer gewesen sein, so blicken die Aktiven dennoch zurück auf erfolgreiche Jahre: Aus 54 Gründungsmitgliedern im Jahr 2006 sind derzeit 258 Mitglieder geworden, „davon 81 aktive Soldatinnen und Soldaten, der Rest sind Kaufleute und sonstige Privatpersonen aus der Region mit dem Schwerpunkt Heidekreis“, erläutert der Vorsitzende. „Zu den Mitgliedern zählen ehemalige Generäle ebenso wie ein Bundestagsabgeordneter“, ergänzt der Kassenwart.

Gemeinsam konnten sie schon viel auf die Beine stellen und Spendengelder sammeln für die Unterstützung der Familienbetreuungsstelle Munster. Diese Einrichtung begleitet unter anderem Familienangehörige von Soldaten und Soldatinnen, die im Auslandseinsatz ihren Dienst leisten. Das bisher investierte Budget in 15 Jahren belaufe sich auf etwa 120.000 Euro, „zusammengetragen zur einen Hälfte aus Spenden, zur anderen Hälfte durch ehrenamtliche Arbeit“, so Schwitalla. Rund 15.500 Familienangehörige konnten bei fast 200 Betreuungsveranstaltungen eine schöne Zeit erleben, etwa bei Besuchen von Fußballspielen, des Heide-Parks und „Snow Domes“ oder der Autostadt in Wolfsburg und des Miniaturwunderlands in Hamburg. Bei diesen und vielen weiteren Ausflügen sowie bei zahlreichen anderen Aktionen in der Familenbetreuungsstelle erlebten Kinder und Elternteile eine tolle Zeit und bekamen etwas Abstand von ihren Ängsten und Sorgen.

Denn solche Gefühle begleiten die Angehörigen oft, wenn ihre Partner, Väter oder Mütter beispielsweise in den Einsatz nach Mali gehen. Auch jetzt müssen viele Familien wieder eine Trennung für ein halbes Jahr verkraften: Ein großes Aufgebot der Bundeswehr wurde kürzlich für sechs Monate nach Litauen verlegt (HK berichtete). Dabei kommen die Soldaten nicht mehr nur aus der Örtzestadt, weiß Schwitalla: „Früher gingen allein aus Munster ganze Kontingente nach Afghanistan, heute sind die Einzugsgebiete weiter verstreut. Und so kommen die Gruppen für den Auslandseinsatz unter anderem aus Faßberg, Celle, Lüneburg oder anderen Standorten. Somit hat sich auch unsere Aufgabe etwas verändert: Wir können nicht mehr am Munsteraner Ortsschild halt machen.“ Wer durch die Tür der Familienbetreuungsstelle in der Örtzetal-Kaserne trete, der werde hier auch versorgt und könne die Angebote der Einrichtung nutzen - egal, woher sie oder er komme, da sind sich Schwitalla und Biernath einig. Kurz vor den Feiertagen herrschte noch reges Treiben in der Familienbetreuungsstelle: „Für knapp 100 Kinder mit einem Elternteil im Auslandseinsatz wurden Geschenkpakete vorbereitet“, erklärt der Vorsitzende. Eine Weihnachtsfeier in den Räumlichkeiten sei leider nicht möglich gewesen, fügt Biernath hinzu, „die nächste Veranstaltung ist für Februar in der Planung.“

Auch 2021 und natürlich ebenso in den kommenden Jahren „wollen wir Betreuung bieten für die, die zurückbleiben“, betont Schwitalla. Und das seien aktuell vor allem jene, deren Angehörige für ein halbes Jahr nach Litauen gegangenen sind. Hier sei die Zeit der Trennung übrigens länger als sechs Monate, weiß Biernath: „Hinzu kommen nämlich vorher und nachher jeweils zwei Wochen Quarantäne. Corona gibt es auch in Litauen.“ Der Hauptfeldwebel und sein Team werden in dieser Zeit den Angehörigen beistehen, für sie ein offenes Ohr haben: Bei den Aktionen der Betreuungsstelle sollen alle eine unbeschwerte Zeit haben, „aber manchmal fließen eben auch Tränen.“

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