„Das ist bedrückend, aber notwendig“

Ministerpräsident Stephan Weil besucht Panzerlehrbrigade 9 in Munster

„Das ist bedrückend, aber notwendig“

Sie zählt zu den panzerstärksten Großverbänden des deutschen Heeres, die Panzerlehrbrigade 9 „Niedersachsen“. Mit ihren rund 5.500 Soldatinnen und Soldaten ist die Brigade laut Heer dazu befähigt, bei „friedenserhaltenden“ oder „friedenserzwingenden Maßnahmen“ multinationale Landoperationen durchzuführen. Sie unterstützt darüber hinaus bei der Ausbildung des Führungsnachwuchses der Bundeswehr, speziell der gepanzerten Kampftruppen, durch Lehrvorführungen auf den Truppenübungsplätzen Munster und Bergen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hatte der Panzerlehrbrigade 9 im vergangenen Jahr wegen der „engen Verbundenheit“ zum Bundesland den Namenszusatz „Niedersachsen“ verliehen. Am vergangenen Mittwoch folgt der Landesvater der Einladung des Brigadekommandeurs Oberst Lutz Kuhn. Im nichtöffentlichen Austausch geht es zunächst um aktuelle Handlungsfelder und infrastrukturelle Herausforderungen, anschließend informiert sich Weil über die Fähigkeiten der Panzerlehrbrigade 9 und spricht mit Soldatinnen und Soldaten.

„Pünktlich wie die Maurer“ trifft der frühere Oberbürgermeister der Landeshauptstadt in der Kaserne Panzertruppenschule in Munster ein. Um 15 Uhr steigt er aus dem schwarzen Dienstwagen und wird sogleich vom Brigadekommandeur begrüßt. Ebenfalls vor Ort sind Brigadegeneral Björn Schulz, Kommandeur der Panzertruppenschule und Munsters Standortältester, sowie SPD-Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil und SPD-Landtagsabgeordneter Sebastian Zinke. Nach einem schnell gemachten Pressefoto verschwinden Gastgeber und Gäste zunächst zum Gespräch hinter verschlossenen Türen. Diese öffnen sich rund 30 Minuten später wieder - und weiter geht es zu einem großen Platz, auf dem ein Aufklärungsfahrzeug Fennek, zwei Schützenpanzer Puma, ein gepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer, ein Kampfpanzer Leopard 2A7V sowie ein Transportpanzer Fuchs und je ein gepanzertes und ungepanzertes Wechselladerfahrzeug MAN Multi stehen.

Neben jedem Panzer beziehungsweise Fahrzeug hat sich die Besatzung aufgestellt. Die Sonne brennt vom Himmel, auf der großen Asphaltfläche ist es höllisch heiß. Die Politiker in ihren Anzügen beziehungsweise Jacketts sind nicht zu beneiden, noch weniger allerdings die Soldatinnen und Soldaten, die in ihren Flecktarnanzügen und in kompletter Ausrüstung in der Sonne stehen. Weil wird an jeder „Station“ über die jeweiligen Aufgaben und Fähigkeiten informiert und spricht dann kurz mit den Soldatinnen und Soldaten.

Danach ist es auch schon Zeit für das obligatorische Pressestatement. Die zur 1. Panzerdivision gehörende Panzerlehrbrigade 9 sei nicht nur ein Kernstück der Bundeswehr in Niedersachsen, sondern der Bundeswehr insgesamt. Deshalb freue er sich, so Weil, sich persönlich ein Bild machen zu können. Er deutet kurz auf die Fahrzeuge und Waffensysteme und spricht von einer „eindrucksvollen Aufstellung von unterschiedlichen Kampfgeräten.“ Indes: „Das sind alles Bilder, die möchten wir instinktiv eigentlich nicht sehen, weil wir keinen Krieg wollen. Aber seit dem 24. Februar, seit dem russischen Überfall auf die Ukraine, ist - glaube ich - den allermeisten Menschen in Deutschland bewusst, dass Deutschland selbst durch eine leistungsfähige Armee in der Lage sein muss, die eigene Sicherheit zu gewährleisten“, sagt der Ministerpräsident.

In den vergangenen Jahren beziehungsweise Jahrzehnten sei die Bundeswehr jedoch „nicht gut behandelt“ worden. Dies gelte sowohl für die Ausstattung als auch für die Unterbringung. „Wir haben in dieser Hinsicht großen Handlungsbedarf. Es ist ausdrücklich gut, dass mit dem Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro jetzt auch die Voraussetzungen dafür geschaffen worden sind, dass die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr angemessen ausgestattet werden“, unterstreicht Weil. Ein Staat müsse seiner Armee den bestmöglichen Schutz bieten. Es gebe - auch in Sachen Infrastruktur - eine Menge aufzuholen, betont der Sozialdemokrat. Das sei „eine wichtige Aufgabe für die nächsten Jahre.“

Wegen der Bündnisverpflichtung seien auch Soldatinnen und Soldaten aus Niedersachsen im Baltikum im Einsatz, in einer von Unsicherheit gekennzeichneten Zone: „Das alles ist bedrückend, aber es ist notwendig“, sagt Weil. Auf die russische Aggression und die Waffenlieferungen an die Ukraine angesprochen, betont er: „Wo Aggression herrscht, muss es eine Reaktion geben.“ Es sei „zwingend notwendig“, weiterhin mit der Ukraine solidarisch zu sein. Schließlich gehe es nicht zuletzt auch darum, „in Europa nicht die Macht aus den Gewehrläufen“ zu dulden. „Der Friede muss bewaffnet sein“, zitiert Weil den Niedersachsen Wilhelm Busch. Deshalb seien weitere Lieferungen an die Ukraine unabdingbar. Die richtige Auswahl zu treffen, was dort in Sachen Material und Waffen benötigt werde, sei Aufgabe der Bundeswehr.

Kurz vor der Abfahrt des Ministerpräsidenten macht Brigadekommandeurs Oberst Lutz Kuhn deutlich, dass die Bundeswehr bereits seit 2014 mit der neuen Ausbalancierung auf Landes- und Bündnisverteidigung vor großen Herausforderungen stehe. Seitdem gehe es auch in Niedersachsen um moderne Infrastruktur, damit die Bundeswehr als „moderner, attraktiver und insbesondere einsatzbereiter Arbeitgeber“ auftreten könne.

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