Ein Symbol für die Altlastensanierung

Land Niedersachsen gibt 38,4 Millionen Euro für den Dethlinger Teich

Ein Symbol für die Altlastensanierung

„Das ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Lösung dieses großen Problems. Er ermöglicht es uns, weiterzumachen“, betonte Christina Fleckenstein. Was die Bürgermeisterin der Örtzestadt mit diesem „Schritt“ meinte: Das Land Niedersachsen stellt weitere 38,4 Millionen Euro für die vollständige Sanierung des Deth­linger Teiches zur Verfügung. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies und Landrat Manfred Ostermann am vergangenen Mittwoch in Munster. Damit sind die geplanten Arbeiten jetzt finanziell abgesichert.

Die Erkundungsbohrungen zwischen September 2019 und April 2020 haben einen Vorgeschmack auf das gegeben, was dort im ehemaligen Kieselgurteich lauert: In den 125 Kubikmetern Material aus drei Schächten fanden sich 2.552 Stück Kampfstoffmunition. Mehr als 100.000 verschiedene Kampfmittel werden in der zehn bis zwölf Meter tiefen Grube vermutet, denn bis 1952 Jahre wurde im Dethlinger Teich dieses unselige Weltkriegserbe versenkt. Inzwischen wird dadurch das Grundwasser belastet, und auch sonst ist auf Dauer nichts Gutes zu erwarten.

Und so unterstrich Lies: „Es ist wichtig, dass wir aus diesem Umweltskandal früherer Generationen herauskommen. Die Menschen sind verunsichert, aber hier in Munster ist es gelungen, mit den berechtigten Sorgen der Menschen sensibel umzugehen. Die Leute vertrauen darauf, dass hier eine Lösung gefunden wird.“

Dies sei eine große Belastung auch für den Landkreis. Insofern könne die Herausforderung der Sanierung nur als Gemeinschaftsaufgabe in Zusammenarbeit von kommunaler Ebene, Land und Bund bewältigt werden: Mit der jetzt getroffenen Vereinbarung stehe einer kompletten Sanierung nichts mehr im Wege.

Während man früher offensichtlich darauf vertraut habe, dass schon nichts passieren werde, wisse man heute, dass dies nicht funktioniere: „Die jetzige Lösung zeigt, welches Umdenken gegenüber den 40er und 50er Jahren stattgefunden hat“, so der Minister weiter.

Auch Landrat Manfred Ostermann betonte mit Blick auf die Vereinbarung: „Dass etwas passieren muss, wissen wir seit etwa einem Jahr. Wir wissen um die Belastungen und den gefährlichen Inhalt des Dethlinger Teiches. Aber 50 Millionen Euro, die für die Sanierung in den kommenden fünf Jahren veranschlagt sind, hätten den Landkreis überfordert. Deshalb ist heute ein wichtiger Tag für den Landkreis.“ Dabei sind die jetzigen 38,4 Millionen nicht die er­ste Zahlung: In den vergangenen Jahren hatte das Umweltministerium bereits 10,3 Millionen Euro bereitgestellt, an denen der Heidekreis mit 1,1 Millionen Euro beteiligt war. Der Bund beteiligt sich im Rahmen der Staatspraxis ebenfalls an den Kosten der Sanierungsmaßnahme. Außerdem ist der Landkreis zusätzlich mit eigenem Personal in diesem Projekt engagiert. Und, so Ostermann: „Sollten am Ende die 50 Millionen Euro nicht ganz ausreichen, so glaube ich nicht, dass die Arbeiten dann gestoppt würden.“

Auf dem Weg zur bevorstehenden Sanierung musste jedoch nicht nur die Finanzierung gesichert werden: „Wir mussten auch vergaberechtliche Hürden überwinden. Das ist gelungen. Wir haben jetzt ein Gesamtpaket, das die weitere Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Entsorgung chemischer Kampfstoffe und Rüstungsaltlasten (Geka) ermöglicht. Ich bin froh, dass die Geka mit im Boot ist, nicht nur, weil sie räumlich nahe in Munster angesiedelt ist, sondern auch, weil sie über das nötige Know-how verfügt. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass wir im Herbst mit der Sanierung beginnen können und den Dethlinger Teich dann in etwa fünf Jahren geräumt haben.“

Auch der hiesige SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil würdigte in einer Mitteilung das finanzielle Engagement des Landes und unterstrich ebenso seine bisherigen Bemühungen: „Für mich war von Anfang an klar, dass unser Landkreis mit der Herausforderung nicht alleingelassen werden darf und finanziell und organisatorisch unterstützt werden muss. Ich habe mich deshalb dafür stark gemacht, dass die bundeseigene Geka ihre Arbeiten auch bei der Sanierung fortsetzen kann.“

Lies betonte noch einmal, „eine umfassende Sanierung sei der richtige und notwendige nächste Schritt, um die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner zu gewährleisten, aber auch, um die Belastung des Grundwassers und der Umwelt zu mindern.“ Die Entscheidung dazu sei konsequent und zum richtigen Zeitpunkt erfolgt. Zwar ist speziell der Dethlinger Teich mit seiner „Füllung“ in dieser Form bundesweit eine einmalige Rüstungsaltlast, aber nicht die einzige, auch nicht in Niedersachsen: Das Bundesland, so der Minister, „ist an vielen Stellen betroffen, auch in der Nordsee. Und wenn wir heute nicht handeln, dann wird es morgen um so schwieriger.“ Der Dethlinger Teich könne hier ein Symbol für die Sanierung von Rüstungsaltlasten werden. Und Lies warnte: So etwas darf nicht wieder passieren. Das müssen wir verhindern.“

Bei all der Zuversicht in Zusammenhang mit der bevorstehenden Sanierung kommt dann auch die Frage auf, was danach mit dem Gelände passieren soll. Schließlich sind fünf Jahre keine so lange Zeit. Hier, so die Bürgermeisterin, gebe es derzeit keine Planungen: „Wenn sich absehen lässt, wie die Arbeiten laufen, werden wir mit dem Eigentümer der Fläche über eine spätere Nutzung sprechen. Ein Loch können wir ja nicht einfach hinterlassen.“

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