„Eintracht Munster 2020“: Infos zur geplanten Vereinsverschmelzung

Rund 200 Interessierte informieren sich in der Festhalle über den aktuellen Stand

„Eintracht Munster 2020“: Infos zur geplanten Vereinsverschmelzung

„Nein, es geht nicht immer so weiter. Man muss rechtzeitig handeln, um nicht nachher feststellen zu müssen, das Ding an die Wand gefahren zu haben“, betonte Heinz Wagner, Vorsitzender des Breloher SC, am vergangenen Freitagabend in der gut gefüllten Festhalle in Munster. Mit emotionalen Schlussworten warb er leidenschaftlich für die Verschmelzung der fünf Sportvereine SV Munster, SV Trauen-Oerrel, ESV Munster, VfB Munster und Breloher SC. Diese hatten zur zweiten Informationsveranstaltung eingeladen, um die Mitglieder der beteiligten Vereine in Sachen Fusion über den aktuellen Stand zu informieren. „Eintracht Munster 2020“ soll der neue Verein heißen, der dann mit um die 3.000 Mitgliedern der zweitgrößte Sportclub im Heidekreis wäre. Zumindest bei der Info-Veranstaltung war der Name bereits Programm: Es gab zwar diverse Fragen aus dem Publikum, jedoch in erster Linie zu Begrifflichkeiten oder bestimmten Details. Heftige Kritik am Vorhaben war nicht zu hören.

Alfred Mangold, Vorsitzender der SV Munster, gab einen Überblick über die künftige Vereinsstruktur. Der Name „Eintracht Munster 2020“ sei seiner Meinung nach ideal, da er zum einen mit den bisherigen Vereinsnamen nichts zu tun habe, zum anderen sei er ein Alleinstellungsmerkmal im Heidekreis. „Damit machen wir deutlich, dass wir in die Zukunft schauen und ein moderner Verein sind, der anders und besser als andere sein möchte“, betonte Mangold. Die „Eintracht Munster 2020“ werde um die 20 Sparten haben. Der Gesamtverein werde aber auch weiteren interessierten Clubs aus der Örtzestadt offenstehen, so dass einer Vergrößerung nichts im Wege stehe. Der Vorstand des Gesamtvereins solle laut Satzung aus einem Vorsitzenden beziehungsweise einer Vorsitzenden sowie vier Stellvertretern bestehen. Damit habe jeder der fünf involvierten Vereine einen Vertreter im Führungsgremium. Angedacht sei für die erste Übergangsphase, dass die bisherigen fünf Vereinsvorsitzenden diese Posten besetzten. Zudem werde es einen Geschäftsführer oder eine Geschäftsführerin geben. Auch dies sehe die Satzung vor.

Und wie wird das Wappen des neuen Vereins aussehen? „Da sind wir noch nicht soweit“, erklärte Mangold. Einigkeit bestehe darüber, dass „der Munsteraner Drachen in relativ traditioneller Form, aber ohne Schwert“ ein wesentlicher Bestandteil sein solle. „Außerdem wollen wir alle Farben der fünf Vereine aufnehmen“, berichtete der SVM-Vorsitzende. Daran werde derzeit noch gearbeitet. Es entstehe ein Verein, „von dem alle profitieren und der die Stadt ein Stück nach vorn bringt“, unterstrich Mangold. Allein aufgrund der hohen Mitgliederzahl werde die Eintracht zu einem „starken Gesprächspartner“: „Vielleicht können wir dann das eine oder andere mehr herausholen.“

Wie das Ganze vonstatten gehen soll, erläuterte Fachanwalt Christian Goergens aus Hannover, der den Verschmelzungsprozess begleitet, den rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörern. Allgemein nehme die Zahl der Fusionen von sogenannten Non-Profit-Organisationen zu, berichtete der Rechtsanwalt. Ziel sei es, Vereine nach dem Umwandlungsgesetz zu verschmelzen, „ohne dass sich für die Mitglieder etwas ändert.“ Eine Fusion durch Neugründung auf dem Weg der Rechtsnachfolge „ist wie erben“, erläuterte Goergens: „Die gesamten Rechte und Pflichten gehen einfach auf den neugegründeten Verein über.“ Der gesamte Vorgang müsse notariell beurkundet werden. „Danach ist das irreversibel - es gibt also kein Zurück“, betonte der Anwalt.

Das letzte Wort haben dabei freilich die Mitglieder der fünf Vereine. Sie müssen in gesonderten Versammlungen ihrer Clubs über die Verschmelzung abstimmen, wobei jeweils drei Viertel der dort erscheinenden Mitglieder zustimmen müssen, um grünes Licht zu geben. „Die Satzung funktioniert aber auch, wenn ein Verein nicht will, oder auch dann, wenn ein sechster Verein hinzukommt“, erklärte Goergens.

„Wenn das zustande kommt, was wir alle vorhaben, ist das für Munster in sportlicher Hinsicht ein Riesengewinn“, betonte VfB-Vorsitzender Michael Zappe: „Wir haben sehr, sehr viel Zeit investiert und sind guter Hoffnung.“ Auch die Verantwortlichen der verschiedenen Sparten arbeiten intensiv an der Verschmelzung und informierten im Verlauf der Versammlung über den aktuellen Stand. Größte Sparte wird im Falle eines erfolgreichen Zusammenschlusses die Turnabteilung mit allein rund 1.000 Mitgliedern sein. Martin Seiler und Jörg Palm von der SV Munster stellten die ausgearbeitete Struktur vor. So solle es künftig fünf Bereiche geben, vom „nicht wettkampforientierten Breitensport“ bis hin zum „Leistungsturnen“. Die Leitung solle auf fünf Schultern verteilt werden, da ein Spartenleiter eine derart große Abteilung nicht allein führen könne. Kurz und knapp berichteten Sven Siedow stellvertretend für die Tischtennissparten und Pascal Brüning für die Leichtathleten über den Stand der Dinge.

Während es in diesen Sparten offenbar keine Reibungspunkte gibt, haben die Fußballer offenbar noch Gesprächsbedarf. Zuständig ist hier Carsten Scharmentke, unterstützt von Mario Walter. Nach der Versammlung der Fußballer habe es etliche Gespräche mit den Trainern gegeben, so Scharmentke. Bei einer Umfrage per Fragebogen hätten sich 40 Prozent der Herrenkicker für und 60 Prozent gegen eine Verschmelzung ausgesprochen. Scharmentke indes geht davon aus, dass es nach weiteren Gesprächen eine höhere Zustimmung geben werde. Zudem liege die Zustimmung im Bereich des Jugendfußballs bei 100 Prozent. Viele Jugendtrainer hegten die Hoffnung, nach einer Fusion mit ihren Teams auch höherklassig spielen zu können. Ziel sei es, starke Fußballteams zu bilden, um talentierte Jugendspieler in der Örtzestadt zu halten beziehungsweise zurück nach Munster zu holen.

Die geplante Beitragsstruktur stellte Vereinssprecher Kai-Uwe Hickl vor. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren zahlten demnach sieben Euro im Monat, Erwachsene zehn und Familien 19 Euro sowie passive Mitglieder vier Euro: „Damit sind wir im Vergleich zu den Nachbarvereinen die Günstigsten.“

Logo