„Es geht nicht um Auf-, sondern Ausrüstung“

Die Stadt Munster und die Bundeswehr am Standort luden gemeinsam zum Empfang

„Es geht nicht um Auf-, sondern Ausrüstung“

Es ist schon fast eine Tradition: Auch in diesem Jahr luden die Stadt Munster und die Bundeswehr gemeinsam in das Standortoffziersheim Kasino Kornett zu ihrem Neujahrsempfang, der in der Örtzestadt „sicherheitspolitische Informationsveranstaltung über aktuelle Entwicklungen in der Bundeswehr und am Standort Munster“ heißt. Zahlreiche Vertreter aus militärischem und zivilem Leben, Politik und Verwaltung, Vereinen und Organisationen konnten Bürgermeisterin Christina Fleckenstein sowie Standortältester und Brigadegeneral Ullrich Spannuth am vergangenen Donnerstag willkommen heißen.

Die Begrüßung der zahlreichen Gäste, unter ihnen unter anderem der Landtagsabgeordnete Dr. Karl-Ludwig von Danwitz, übernahm Brigadegeneral Spannuth. „Ich weiß nicht, an wie vielen Standorten ein solcher gemeinsamer Neujahrsempfang Normalität ist, hier in Munster ist das jedenfalls so“, betonte er. „Und das zeigt die enge, gute und vor allen Dingen vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und den zivilen Institutionen und Einrichtungen in Munster und dem Umland.“

Der Standortälteste blickte auf ausgewählte militärische Aspekte des vergangenen Jahres zurück. „Für die Truppe vor Ort, und hier speziell für die Panzerlehrbrigade 9, war das vergangene Jahr sicherlich ein ganz besonderes, stand es doch ganz im Zeichen der hohen Bereitschaft als Schnelle Eingreiftruppe der NATO“, hob Spannuth hervor. „Zum ersten Mal war eine deutsche Brigade mit der Führung der Speerspitze der Allianz, der sogenannten VJTF, betraut. Ein Verband von rund 5.000 deutschen und 3.500 alliierten Soldatinnen und Soldaten, die im Falle einer Bedrohung des Bündnisgebietes innerhalb von zwei beziehungsweise fünf Tagen jederzeit zum Abmarsch bereit sein mussten. Seien wir froh und dankbar, dass dies im vergangenen Jahr nicht erforderlich war.“

Der Brigadegeneral betonte das „sicherheitspolitische Signal“, das damit von Munster ausgegangen sei. Die Einsatzbereitschaft der VJTF sei ein „bündnispolitischer Lackmustest für die Bundeswehr“ gewesen, diese Bedeutung hätten die vielen Truppenbesuche in Munster - nicht zuletzt von Bundeskanzlerin Angela Merkel - gezeigt.

Er lobte, „was die Truppe im Stande zu leisten“ sei - „wenn man sie mit dem ausstattet, was sie zur Auftragserfüllung braucht.“ Dies habe auch die Informationslehrübung ILÜ 2019 unter Beweis gestellt. „Es geht also! Wenn man uns die Mittel gibt!“, unterstrich Spannuth, und erklärte: „Es geht nicht primär um irgendwelche Prozentwerte, es geht im Kern darum, unsere Bundeswehr so auszustatten, dass sie ihren Auftrag erfüllen kann.“ Diesen Auftrag habe die Bundeswehr von der Politik erhalten. „Es geht darum, unseren Beitrag für Frieden und Freiheit als eine der Führungsnationen in Europa zu leisten.“ Und: Es gehe nicht um Auf-, sondern um Ausrüstung.

Dieses Thema griff der Standortälteste auch bei der Planung der neuen Offiziersausbildung - wieder in der Truppe und nicht mehr truppengattungsübergreifend - auf, für die „organisatorische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen“ zu schaffen seien - „bei bestimmt nicht immer günstigen, materiellen Rahmenbedingungen. Zur Vollausstattung ist es ein unverändert langer, aber alternativloser Weg.“

Besonders bewegt, bekannte der Brigadegeneral, habe ihn die Teilnahme von Schülervertretern an der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag: „Eine sehr unmittelbare Art der politisch-geschichtlichen Bildung.“ Und er hob hervor: „Ich glaube, dass solche Initiativen mit dazu beitragen können, junge Menschen sensibel zu machen gegenüber den Parolen der ewig Gestrigen. Sensibel für die unreflektierten Schreihälse, für die, die Menschen ausgrenzen und Hass predigen, die versuchen, Krieg, Gewaltherrschaft und Genozid zu bagatellisieren.“

Hierfür erhielt Spannuth spontan Beifall des Publikums. „Zu Risiken und Nebenwirkungen“, fuhr er fort, „schauen sie in die Geschichtsbücher oder fragen sie ihre Großeltern.“ Er appelierte: „Lassen sie uns gemeinsam darauf achten, dass ein solcher Irrweg niemals wieder in Deutschland möglich sein kann. Er kann keine Alternative für Deutschland sein.“

Mit Blick auf das gerade begonnene Jahr wies der Standortälteste darauf hin, dass im Sommer der Stab und die Erste Kompanie des neu aufzustellenden Panzerpionierlehrbataillons in der Kaserne Panzertruppenschule ihre neue Heimat finden werden. Die Panzerlehrbrigade 9 sei zwar mit Jahresbeginn vom Auftrag VJTF entbunden worden, bleibe aber mit einer ständigen Abmarsch- und Verlegebereitschaft von 30 Tagen weiter Teil der erweiterten NATO Response Force.

Und: Am 13. Juni wird der Standort Munster verantwortlicher Gastgeber für den Tag der Bundeswehr sein - eine Großveranstaltung mit mehreren tausend erwarteten Besuchern.

Im kommenden Jahr, kündigte der Brigadegeneral weiter an, wolle er zudem die Unterstützung der Soldatenfamilien mit kleinen Kindern in den Fokus rücken. Denn: „Für mich ist es schon ein Kuriosum, dass es bislang am größten Herresstandort Deutschlands nicht gelungen ist, eine verlässliche Kinderbetreuung durch bundeswehrfinanzierte Kindergartenplätze sicherzustellen.“ Dies solle sich hoffentlich noch 2020 ändern.

Bürgermeisterin Fleckenstein ging in ihrer Rede auf einige Themen ein, „die uns hier in Munster beschäftigt haben und uns beschäftigen werden“ - allen voran die elfte Ausstelllung Glasplastik und Garten. Doch auch das Thema Grundschule griff Fleckenstein auf. Nachdem die Stadt sich vor einiger Zeit für einen Schulbau in Breloh entschieden habe fragten sich viele zu Recht, warum noch nicht gebaut werde. „Leider mussten wir feststellen, dass der veranschlagte Kostenrahmen bei weitem nicht ausreicht“, gab die Bürgermeisterin zu. Jetzt müsse entschieden werden, „ob beziehungsweise in welchem Umfang der Neubau erfolgen soll oder ob es andere Alternativen gibt“. Da die Munsteraner „noch immer auf die Ganztagsschule verzichten müssen, bin ich selbst sehr unzufrieden mit dem aktuellen Stand der Dinge“, betonte Fleckenstein, versicherte aber, „dass wir alle - Verwaltung und Politik - mit aller Energie, aber auch der notwendigen Sorgfalt an einer Lösung arbeiten.“

Auch die Probeöffnung des Dethlinger Teiches ließ die Bürgermeisterin nicht unerwähnt. „Inzwischen müssen wir davon ausgehen, dass dort bis zu 100.000 mit chemischen Kampstoffen gefüllte Granaten lagern.“ Ein weiteres Problem seien die nicht festen Stoffe, Schlamm und Flüssigkeiten, im Teich. „Die heute Handelnden tragen keine Verantwortung für den jetzigen Zustand. Aber wir sind jetzt dafür verantwortlich, dass die Gefahr gebannt und der Teich saniert wird.“ Sie hoffe, dass dies möglichst nahtlos nach der Erkundung erfolge.

Nicht gebaut werde derzeit am Panzermuseum, trotz der zugesagten Mittel aus dem Bundeshaushalt. „Nach einem Gespräch in Berlin dürfen wir jetzt aber hoffen, dass bald eine Lösung gefunden und eine Entscheidung getroffen wird. Ich bin mir aber sicher, dass der erste Spatenstich in diesem Jahr nicht mehr erfolgen wird.“ Beginnen werde demnächst dagegen die Entschlammung des Mühlenteichs. Diese gehe aber einher mit Einschränkungen und Belastungen für die Munsteraner.

Sie freue sich, blickte Fleckenstein nach vorn, im Jahr 2020 auf den Tag der Bundeswehr, auf das Jubiläumsschützenfest zum 100. Geburtstag der Bürgergilde, auf die neue Kita der Lebenshilfe, die im Sommer das Betreuungsangebot in Munster erweitern werde, sowie auf die neue Eintracht Munster 2020. Sie wünsche „den Munsteraner Sportvereinen weiterhin viel Glück beim Verschmelzungsprozess.“

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