Farbanschlag auf Panzer

Täter hinterlassen gesprühtes Hammer-und-Sichel-Symbol und Zitat als „Widmung“

Farbanschlag auf Panzer

Am Mittwoch, den 4. September, in den frühen Morgenstunden wurde erneut ein Farbanschlag auf den vor dem Deutschen Panzermuseum (DPM) in Munster stehenden Panzer verübt. „Noch fehlt ein Bekennerschreiben, aber die Widmung aus der Sprühdose lässt eine Vermutung zu: Hammer und Sichel, gefolgt vom klassischen Ernst-Friedrich-Zitat (1924), das grammatikalisch inkompetent zum unschönen ‚Krieg dem Krieg‘ verunstaltet wurde“, so Museumssprecherin Julia Engau.

Bei dem ersten Farbanschlag im Jahr 2012 waren die Ausführung und der Hintergrund ein anderer. „Wie es in dem Marx-Zitat heißt: ‚Das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce‘“, wundert sich Ralf Raths, Direktor des Museums. „Während schon der Anschlag 2012 auf ideologisch eher in Leichtbauweise ausgeführtem Ideologiegerüst stand, so war damals zumindest ein Auslöser vorhanden und die Transformation des Museums noch in den Kinderschuhen. So dass man den politischen Impuls zumindest logisch nachvollziehen konnte - wenn natürlich auch damals Sachbeschädigung schon indiskutabel war.“

Damals waren sowohl der Panzer auf dem Außengelände als auch das Hauptgebäude mit pinker Farbe bespritzt worden. Per E-Mail wurde ein Bekennerschreiben verbreitet, wonach Mitglieder einer autonomen Gruppe „Rosa Tank Gang“ für die Aktion verantwortlich gewesen seien. Laut der Mail richteten sich die Aktivisten mit ihrer Aktion „sowohl gegen die kriegerischen und wirtschaftlich motivierten Einsätze der Bundeswehr im Ausland als auch gegen die Inhaftierung der Antimilitaristin Hanna Poddig.“

„2019 jedoch nun scheint der Anschlag wie eine Farce“, so Museumssprecherin Engau. „Vor dem Zaun ein Friedensplädoyer von Ernst Friedrich als Kampfansage gegen ein hinter dem Zaun befindliches Friedensplädoyer von Walter Benjamin. Wobei das Benjamin-Zitat durch ein Panzermuseum bezahlt wurde, größer und besser ausgeführt ist, mit Quellenangabe versehen wurde. Ein Museum zudem, dass sowohl durch ein Museumsgütesiegel seine qualitativ hochwertige Arbeit belegt hat, als auch 20 Millionen Bundesmittel eingeworben hat, durch den verbrieften Ansatz, die Gesellschaft zur kritischeren Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg anregen zu wollen.“

„2012 konnten wir den Anschlag noch als Kickstart für unsere heutige Social-Media-Präsenz nutzen - so hatte es noch etwas ‚Gutes‘ für das Museum“, meint Raths. „Das ist heute wirklich nicht mehr nötig. Nicht nur haben wir so schon alle Hände voll zu tun; jetzt müssen wir auch noch ein historisches Objekt aufwendig reinigen lassen und mit Lack kontaminiertes Erdreich fachgerecht entsorgen lassen.“ Roter Lack tropfte am Mittwochvormittag noch von dem Exponat vor dem Museum auf den Boden. „Während die Binderfarbe des letzten Anschlages leicht und für die Umwelt unbedenklich zu entfernen war, wird die nun deutlich kleinere Fläche aber mehr Mühe bereiten“, betont Engau.

Die Polizei vermutet als Tatzeit die Nacht von Dienstag auf Mittwoch, zwischen 21.30 Uhr und 7.15 Uhr. Hinweise von Zeugen nimmt der Zentrale Kriminaldienst in Soltau unter Ruf (05191) 93800 entgegen.

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