Grünes Licht für Schulwald Munster

Gemeinsames Projekt von Gymnasium und Grundschule im Örtzetal

Grünes Licht für Schulwald Munster

„Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben?“ - fragte Josef von Eichendorff um 1810. Die Antwort aus Munster an den Dichter, gut 200 Jahre später: Schülerinnen und Schüler von Gymnasium und Grundschule im Örtzetal. Denn: In der Örtzestadt soll ein Schulwald entstehen. Am vergangenen Freitag unterzeichneten die Beteiligten einen entsprechenden Kooperationsvertrag im Munsteraner Rathaus. Während es in anderen Teilen Niedersachsens solche Projekte bereits gibt, ist dies in der Regionalabteilung Lüneburg der Niedersächsischen Landesschulbehörde das erste Vorhaben dieser Art.

In Eichendorffs Epoche der Romantik war der Wald Sehnsuchtsort, inzwischen ist er es wieder, nicht nur für Wanderer und Spaziergänger, sondern vor allem in Hinblick auf Klima- und Umweltschutz. Da erscheint es wichtig, die junge Generation so früh wie möglich darauf einzustimmen. Und genau das hat sich die Stiftung „Zukunft Wald“ mit Sitz in Braunschweig auf die Fahnen geschrieben: schulnahe unbewaldete Grundstücke finden, Schulen dafür begeistern und einen Schulwald entstehen lassen.

In Munster hat das funktioniert, auch wenn noch einiges ganz am Anfang steht. Wie Silke Meyer, Leiterin des Gymnasiums Munster, betont, habe die Zusammenarbeit vieler Stellen zwar einige Zeit gedauert, aber zum Erfolg geführt. Tatsächlich reicht die Geschichte des jetzigen Projektes bis 2016 zurück, als Willy Lachmund, damals noch Lehrer am Gymnasium Munster, die Stiftung und ihr Wirken kennenlernte: „Ich dachte, ein solches Projekt wäre eine gute Idee für meine Schule“, so Lachmund.

„Im Kollegium ist dieses Vorhaben durchweg positiv aufgenommen worden“, erinnert sich Meyer. Schnell sei da auch der Gedanke gekommen, die Grundschule im Örtzetal (gleich neben dem Gymnasium) einzubinden. Das kam dort ebenfalls gut an, wie Stefanie Schlüter, stellvertretende Leiterin bestätigt.

Die Suche nach einer geeigneten Fläche für einen Schulwald gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht, und so kam erst 2018 über Umwege Landwirt Hinrich Alvermann ins Spiel. Ein Glück für das Vorhaben, denn der zeigte sich bereit, ein Stück Ackerland für die Umwandlung in Wald kostenlos zur Verfügung zu stellen. Unüberhörbar schwingt da Verbundenheit mit, wenn Alvermann betont, schließlich seien das ja seine Schulen: „Ich bin dort zur Grundschule und danach aufs Gymnasium Munster gegangen.“ Auch für Elisabeth Hüsing ein Glücksfall: „Wir haben in Niedersachsen schon mehr als 60 Schulwälder gepflanzt, die meisten auf kommunalen Flächen, aber nur 15 Prozent auf privatem Land.“ Die Direktorin der Stiftung „Zukunft Wald“ weiter: „Deshalb ist es besonders toll, dass uns Herr Alvermann eine landwirtschaftliche Fläche zur Umwandlung zur Verfügung stellt.“

Dabei handelt es sich um rund 0,3 Hektar, also etwa 3.000 Quadratmeter, die am Wanderweg an der Örtze zwischen Ilster und Breloh liegt. Dort soll im Laufe des kommenden Jahres das Projekt starten, wobei der entstehende Wald, auch wenn er klein ist, zum einen zur Klimaverbesserung beiträgt und zum anderen zum außerschulischen Lernort wird: Hier geht es natürlich um Wald-, Umwelt-, Klimaschutz und mehr - und das eröffnet nicht nur neue Dimensionen für den Biologieunterricht, sondern auch für andere Fächer bis hin zum Kunstunterricht. Der Schulwald biete also zahlreiche fachübergreifende Möglichkeiten, so Biologielehrer Hans-­Georg Kranz (Gymnasium).

Dazu Alfred Mangold, früherer Leiter des Gymnasiums Munster, und heute kommissarischer Leiter der Regionalabteilung Lüneburg: „Außerschulische Lernorte sind ungemein wichtig, gerade in der Zeit der Digitalisierung und des coronabedingten Home-Schoolings: Dies ist quasi ein Gegenprojekt zum Anfassen, das der Klimasensibilisierung der jungen Generation dient.“

Das meint auch die Stiftung: „Durch den direkten persönlichen Bezug der Schülerinnen und Schüler zu ihrem ‚eigenen‘ Wald bekommt die schulische Umweltbildung einen besonderen Stellenwert, der durch die landesweite Netzwerkbildung aller teilnehmenden Schulen noch gefördert wird.“

Dass Gymnasium und Grundschule dies gemeinsam angingen, sei zusätzlich etwas ganz Besonderes, betont Meyer. Tatsächlich sind es damit schon die ganz jungen Kinder, die mit dem Schulwald aufwachsen - und er mit ihnen, was gemeinhin nicht ganz so schnell geht. Die Beteiligten und ihre Nachfolger brauchen deshalb auch einen langen Atem, ist das Projekt doch auf 30 Jahre angelegt. Die Schulen hat das nicht geschreckt, die Landesschulbehörde nicht und auch nicht die Schulträger - der Landkreis Heidekreis für das Gymnasium und die Stadt Munster für die Grundschule im Örtzetal. Das unterstreichen Landrat Manfred Ostermann und Bürgermeisterin Christina Fleckenstein.

„Die Entscheidung hat sich etwas hingezogen, weil noch einige rechtliche Fragen zu klären waren“, bedauert Ostermann und betont: „Wir als Schulträger stehen hinter diesem Projekt.“ Das gilt auch für die Stadt Munster. So unterstreicht Bürgermeisterin Christina Fleckenstein: „Jeder Baum spielt eine wichtige Rolle, auch wenn man sich manchmal von ihnen verabschieden muss. Da ist es um so wichtiger, dass nun ein neuer Wald geschaffen wird - in einem Projekt, in das sich die Kinder und Jugendlichen einbringen.“

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