Gymnasium Munster ist jetzt „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“

Lars Klingbeil übernimmt Patenschaft / Feierstunde in der Aula

Gymnasium Munster ist jetzt „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“

Es hat bereits diverse Auszeichnungen gesammelt und ist gut vernetzt, das Gymnasium Munster. Nun kommt ein wichtiger „Titel“ hinzu: Ab sofort darf sich die laut ihrem Leitbild „weltoffene Schule“ auch „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ nennen. Die Verleihung nahm Leitender Regierungsschuldirektor Alfred Mangold von der Niedersächsischen Landesschulbehörde, Regionalabteilung Lüneburg, am heutigen Donnerstag, dem 21. November, im feierlichen Rahmen in der Aula vor. Er freute sich sichtlich, Schild und Urkunde an seiner früheren Wirkungsstätte überreichen zu können, war er doch bis 2010 Leiter des Gymnasiums. Die Patenschaft über das Projekt hat ein prominenter Politiker übernommen, dem die Lehranstalt in der Örtzestadt ebenfalls nicht fremd ist, zumal er in ihr einst selbst die Schulbank gedrückt hat: SPD-Generalsekretär und -Bundestagsabgeordneter Lars Klingbeil. In seiner Rede erinnerte der Sozialdemokrat daran, dass er hier Mitte der 90er Jahre als Schüler erstmals politisch aktiv geworden sei, insbesondere, um „gegen Rechts“ mobil zu machen. „Hier wurde der Grundstein gelegt, dass ich Politiker geworden bin. Jetzt schließt sich der Kreis“, sagte Klingbeil.

„Wir sind stolz darauf, uns als weltoffene Schule zu sehen“, betonte Schülersprecher Ole Wölker in seiner Rede, nachdem sein Stellvertreter Christian Fritz die Gäste begrüßt hatte, darunter auch die stellvertretende Landrätin Claudia Schiesgeries, Erster Stadtrat Rudolf Horst, Vertreter des Rates sowie Elternvertreter. Vor rund einem Jahr hätten sich die Gymnasiasten auf den Weg gemacht, „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ zu werden. Mehr als 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler hätten sich zu den Zielen des Netzwerkes bekannt. „Dass Rassismus im 21. Jahrhundert immer noch ein ‚big deal‘ ist, ist ungeheuerlich“, betonte der Schülersprecher: „Es sollte selbstverständlich sein, rassistischen Ideologien nicht zu folgen - und es sollte auch selbstverständlich sein, gegen sie vorzugehen.“

Einen „Poetry Slam“-Text mit dem Titel „Wir gegen Rassismus“ hatte Schülerin Sandra Kopa vorbereitet und trug diesen auf der Bühne vor. „Jeder von uns ist interessant und schön, individuell und einzigartig“, so die Schülerin. Natürlich habe jeder Mensch andere Stärken und Schwächen. „Wir sind keine Wäsche, die man nach Farben, und keine Bücher, die man nach Größe sortiert“, konstatierte Kopa. Und weiter: „Ich finde es schade, dass wir in unserer Gesellschaft soviel Diskriminierung erfahren. Ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass unsere Schule nein zu Rassismus sagt.“ Es sei wichtig, „gut miteinander umzugehen, jeden so zu nehmen, wie er ist, und jedem mit Freundlichkeit und Toleranz zu begegnen.“

„Für mich ist das ein beonderer Tag“, hob Projektpate Klingbeil hervor. Er erinnerte sich an seine Schulzeit am Gymnasium Munster, als er im Jahr 1995 mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern an drei Aktionstagen („Streiken durften wir nicht“) gegen die Bildungspolitik der damaligen Landesregierung protestiert habe. Später habe ihn ein Abgeordneter für ein Praktikum im Landtag begeistert, heute sei er Politiker. Auslöser für sein politisches Engagement in jungen Jahren sei aber in erster Linie der Wunsch gewesen, etwas gegen Rechtsextremismus zu unternehmen. Klingbeil erinnerte sich an Demonstrationen gegen das Heideheim in Hetendorf, das damals als Treffpunkt der rechtsradikalen Szene bekannt war und Ende der 90er Jahre geschlossen wurde. „Das war ein Erfolg“, berichtete der Bundestagsabgeordnete. Das Engagement „gegen Rechts“, so der Munsteraner weiter, „war nicht immer einfach. Immerhin gab es damals auch zwei Mitschüler, die später für die NPD bei der Landtagswahl antraten.“ Inzwischen habe er, Klingbeil, das Gefühl, „dass es wieder schlimmer wird mit dem Rassismus.“ In Zeiten, in denen die AfD in 16 Parlamenten vertreten sei, werde es seiner Wahrnehmung nach offenbar „wieder schick, bestimmte Dinge zu sagen.“ Umso wichtiger sei es, dass sich gerade junge Menschen positionierten und für Toleranz und gegen Rassismus einsetzten. Die Ermordnung des Politikers Walter Lübcke im Juni dieses Jahres sowie der Anschlag in Halle (Saale) am 9. Oktober zeigten deutlich, wie wichtig es sei, sich gegen Rechtsradikalismus zu engagieren. „Man muss sich bewusst machen, dass so etwas 2019 wieder in Deutschland passiert“, hob der Sozialdemokrat hervor. Er sei stolz auf die Schüler des Gymnasiums Munster, unterstrich Klingbeil, „denn diese Schule mit diesem Titel zu versehen, das ist eine große Sache und auch eine Verpflichtung.“ Direkt an die Schüler gerichtet, appellierte der 41jährige: „Unsere Gesellschaft braucht junge Leute wie Euch, die Stellung beziehen und Farbe bekennen.“

„Rassismus hat leider den Vorwärtsgang eingelegt“, machte auch Mangold deutlich. Um so erfreulicher sei es, dass das Gymnasium Munster, an dem ohnehin eine „Kultur der Zertifizierung“ gepflegt werde, mit dem Eintritt ins Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ ein wichtiges Zeichen setze. „Die Initiative ist von Schülerinnen und Schülern ausgegangen - und das ist große Klasse“, lobte der Leitende Regierungsschuldirektor.

„Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ ist eine europäische Jugendinitiative und ein länderübergreifendes Netzwerk. In Deutschland wurde das Programm im Jahr 1995 vom Verein „Aktion Courage“ initiiert. Schulen, die beitreten möchten, einigen sich in einer Selbstverpflichtung mehrheitlich darauf, aktiv gegen Rassismus vorzugehen. Einmahl jährlich muss es in jeder der beteiligten Lehranstalten ein Projekt zum Thema geben. Im Mai dieses Jahres gehörten dem Netzwerk in Deutschland rund 3.000 Schulen an. In Niedersachsen sind derzeit rund 350 Schulen mit an Bord - und nun also auch das Gymnasium Munster. Nachdem Schüler Merlin Saxer in der Feierstunde zwei eigens angefertigte Zeichnungen zum Thema präsentiert und erläutert hatte, setzten die Schülerinnen Berit Wesenberg (Gesang) und Fenja Crone am Flügel einen musikalischen Schlusspunkt in der Aula, der nicht besser hätte passen können: Sie intonierten das 1971 veröffentlichte Lied „Imagine“ von John Lennon, in dem der Mitgründer, Sänger und Gitarrist der britischen Band „The Beatles“ seine Vision einer Gesellschaft frei von Besitz und Nationalismus thematisiert hat und das zur Hymne der Friedensbewegung avancierte.

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