„Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott“ – unter diesem Titel stand jüngst in Munster ein Vortrag zum Thema „Individuelle Krisenvorsorge“ und „Vorbereitung auf Notsituationen“ auf dem Programm. Vor rund 30 Zuhörern vom Ehepaarkreis der St.-Stephanus-Militärkirche und Gästen führte Gerd Engel in die Thematik ein. Er erinnerte an die Notstandsgesetze der 1960er-Jahre und an die „Aktion Eichhörnchen“ mit dem Slogan „Denke dran, schaff Vorrat an“. Weiter ging er auf die Notlage in Berlin zu Beginn dieses Jahres ein. Der Vorfall in der Hauptstadt habe das Denken zahlreicher Deutscher plötzlich und maßgeblich verändert.
Auch Referent Achim Landherr nahm den mehrtägigen Stromausfall in Berlin aufgrund eines extremistischen Anschlags mit den sich ergebenden Problemen als Einstieg für seine Ausführungen. Er bemängelte, dass trotz der vorhandenen Gesetzesgrundlagen wie zum Beispiel mit dem Niedersächsischen Katastrophenschutzgesetz in kaum einer Region etwas für solche Krisenlagen vorbereitet worden sei. Als positive Ausnahme nannte er dabei den Landkreis Heidekreis. Details dazu gebe es unter dem Link https://www.heidekreis.de/gesundheit-soziales/bevoelkerungsschutz.html.
Landherr führte weiter aus, dass Thomas de Maizière als ehemaliger Bundesinnenminister wegen seines wiederholten Einsatzes für eine Stärkung des Katastrophenschutzes und der Eigenvorsorge der Bevölkerung „belächelt“ worden sei. Der Referent ging dabei auf die „mentale“, die „materielle“ und die „spirituelle Vorbereitung“ auf solche speziellen Lagen ein. Weiter zitierte er dazu Hermann Gröhe, aktuell der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Dieser hatte ausgeführt, dass man die Verteidigungsfähigkeit hierzulande nicht nur rein militärisch, sondern auch zivil zu denken habe. Gröhe kritisierte „riesige Lücken“ beim Bevölkerungsschutz und warnte davor, dass Deutschland auf Krisen- und Kriegslagen nicht ausreichend vorbereitet sei. Es müsse eine Stärkung des Zivilschutzes geben.
Der Gastredner in Munster verstärkte diese Aussagen und forderte unter anderem, dass die Bevölkerung speziell auch auf ihren eigenen Gesundheitszustand wie ihren Impf- und Zahnstatus achten müsste. Auch die kostenfrei angebotenen Ausbildungskurse in Erster Hilfe mit Selbstschutzinhalten (EHSH) sollten intensiver und zentraler für alle angeboten werden. Denn in Krisenlagen würden mehr Menschen für einen Einsatz verpflichtet werden. Für Notfälle nannte er auch zum Beispiel die schon aktuell aktiven WarnApps „biwapp“ (https://www.biwapp.de/) oder „NORA“ (https://www.nora-notruf.de/de-as/startseite).
Landherr führte weiterhin aus, dass die älteren Gäste den Begriff „Notkoffer“ noch kennen dürften, heutzutage sei ein „Notfallrucksack“ nicht weniger wichtig. Er listete auf, was alles in ein solches Gepäckstück gehöre. Im Zusammenhang mit der Bevorratung von Lebensmitteln erläuterte er auch die immer wieder falsch verstandenen Begriffe „Mindesthaltbarkeitsdatum“, „Verfallsdatum“ und „Verbrauchsdatum“. Das notwendige Wasser – 2 Liter pro Person pro Tag – sollte nach Möglichkeit als stilles Wasser in Flaschen gelagert werden. Dieses wäre dann praktisch ewig haltbar.
Abschließend empfahl Landherr die Anschaffung der „Munsteraner Rettungsdose“, die in den Kühlschrank und in das Notgepäck gehören sollten (die Dose gibt es für 2 Euro in beiden Apotheken in der Örtzestadt).
Im Anschluss an seine Ausführungen beantwortete der Gastredner Fragen aus dem Publikum und es gab einen Erfahrungsaustausch. Nach zwei Stunden war die interessante Veranstaltung beendet, der Referent wurde mit Applaus verabschiedet. Am 27. April bietet der Ehepaarkreis einen weiteren Vortrag an, den um 19 Uhr Rupert Steeger halten wird.