Keine neue Berechnung

Grundschulstandort Breloh wird trotz Kostensteigerung ausgebaut

Keine neue Berechnung

In der Sitzung des Rates der Stadt Munster im Dezember vergangenen Jahres bestätigte Bürgermeisterin Christina Fleckenstein die Informationen, die bereits „die Runde gemacht“ hatten: Eine extreme Steigerung der Kosten für den Schulerweiterungsbau in Breloh (HK berichtete). Dennoch, so steht jetzt fest, wird es dort weitergehen wie geplant.

Es ist die Fortsetzung einer langen Geschichte der Schulen in Munster. Sie nahm ihren Anfang mit der Feststellung der Sanierungsbedürftigkeit der Grundschule am Hanloh im Jahr 2016. Im Zuge dessen musste auch die Einführung der Ganztagsgrundschule in der Örtzestadt verschoben werden. Nach heftigen Debatten hatte der Rat im März 2018 dafür gestimmt, die Grundschule in Breloh zu sanieren und auszubauen, gleichzeitig den Standort am Hanloh aufzugeben. Die CDU-Fraktion hatte sich damals mit ihrer Mehrheit gegen die übrigen Ratsmitglieder durchgesetzt. Finanziell, so das Ergebnis eines Schulbauplanungsbüros, ergaben sich kaum Unterschiede zwischen einer Sanierung der Hanloh-Schule oder dem Erweiterungsbau in Breloh.

Dann, im Herbst vergangenen Jahres, die schlechten Neuigkeiten: Nach einer zwingend erforderlichen europaweiten Ausschreibung, so Fleckenstein, sei Anfang des Jahres 2019 ein Planungsbüro beauftragt worden, das einen ersten Entwurf vorgestellt und die Kosten genauer berechnet habe. Das Ergebnis: Statt, wie angenommen, sieben Millionen Euro koste die Maßnahme vermutlich zwölf Millionen Euro. Unter anderem fielen, so die Bürgermeisterin, für die Sanierung des vorhandenen Schulgebäudes höhere Kosten an als bisher gedacht.

Angesichte dieser Zahlen „mussten wir alle schlucken“, gab Fleckenstein im Dezember 2019 zu. Aber „auch die Sanierung der Hanloh-Schule würde wohl teurer werden“, vermutete sie. Dennoch: „Auch wenn wir es eilig haben, nehmen wir uns die Zeit und schauen noch mal auf die Kostenkalkulation für die Schule am Hanloh“, berichtete die Bürgermeisterin. Es sei wichtig, hier „noch einmal rechnen zu lassen um sicherzustellen, dass wir den richtigen Weg gehen.“

Jetzt aber wird auf diese Berechnung doch verzichtet, obwohl die SPD-Fraktion im Stadtrat und die Gruppe FDP/von Scheffer diese Aufstellung weiterhin für wichtig ansehen. Für die CDU allerdings ist diese verzichtbar, damit es nun zügig weitergehen kann in Sachen Baumaßnahme in Breloh.

Für Außenstehende sehe es vielleicht so aus, dass es auch zwei Jahre nach der Entscheidung des Stadtrates für den Schulstandort Breloh nicht weitergehe, meinte Bürgermeisterin Christina Fleckenstein im Gespräch mit dem Heide-Kurier. Aber: „Wir haben gearbeitet“, betonte sie. Schon die EU-weite Ausschreibung der Architekturleistung habe viel Zeit in Anspruch genommen. Vor etwa einem Jahr, im Januar 2019, hätten sich dann Architekturbüros vorgestellt, im April 2019 habe es eine Auftaktveranstaltung mit allen Planern gegeben. Anfang des vierten Quartals, so die Hoffnung, solle eine grobe Planung vorliegen - das habe auch geklappt. Allerdings habe sich zu diesem Zeitpunkt, „als erstmals richtig gerechnet wurde“, herauskristallisiert, dass die Kosten so nicht zu halten sein würden.

Das war insbesondere auch dahingehend negativ, „weil wir unsere Entscheidung für Breloh auch auf die Kosten gestützt haben“, so Fleckenstein im Rückblick. Und so habe der Verwaltungsausschuss im November 2019 beschlossen, zusätzlich die Möglichkeit einer Sanierung der Hanloh-Schule nochmals genauer durchrechnen zu lassen. Dieser Beschluss sei nun aber durch eine Mehrheitsentscheidung wieder aufgehoben worden.

„Ich hätte mich wohler gefühlt, wenn wir es nochmal durchgerechnet hätten“, betonte jetzt die Bürgermeisterin. „Ich kann aber auch sehr gut mit der Entscheidung leben.“ Auch die Stadt wolle, „dass es weitergeht“. „Der Zustand der Hanloh-Schule ist nicht der Beste, und uns fehlt der Ganztag“, gebe sie zu. Auf dem Fahrplan vorgesehen sei jetzt, dass das Architekturbüro nochmals mit der Schulleitung sprechen werde und dann in die Detailplanung gehe. Schon jetzt sei klar: „Bis zum Schuljahresbeginn 2022/2023 werden wir nicht fertig werden“, so Fleckenstein. Sie hoffe aber, dass der Umzug der Schule dann im laufenden Schuljahr erfolgen werde.

Nicht vor dem Herbst rechnet Fleckenstein damit, dass der Landkreis die Baugenehmigung erteile, mit viel Glück könne dann noch in diesem Jahr der erste Spatenstich erfolgen, „aber da will ich mich nicht festlegen.“ Einen Vergleich des Schulbaus mit der Kostensteigerung und Bauverzögerung beim Berliner Flughafen aber weise sie von sich: „Wir haben ja in der ersten Planung nur am Rande nach den Kosten gefragt.“ Und zeitlich habe es kaum schneller gehen können, aufgrund der rechtlich festgesetzten Verfahren. Jetzt aber, so die Bürgermeisterin, „haben wir alle ein gemeinsames Ziel: Möglichst bald eine tolle Schule für unsere Kinder zu haben.“

Die CDU-Fraktion im Stadtrat drückt aufs Gas. Stefan Sorge, Fraktionsvorsitzender, machte in einem Pressegespräch deutlich, dass eine Überplanung des Schulstandortes am Hanloh „nicht zielführend“ sei, wertvolle Zeit und weiteres Geld gekostet hätte: Die Baukosten stiegen weiter, und die Verzögerung durch die Überplanung „ist Zeit, die für die Ganztagsbeschulung verlorengeht“. Ohnehin befürwortet die CDU wie von Beginn der Schulstandortdiskussion an grundsätzlich den Ausbau der Schule in Breloh. So sei aus Sicht seiner Fraktion etwa „die irrige Annahme, am Hanloh könne das Stahlgerüst der Schule stehenbleiben, nach unserem Dafürhalten völliger Humbug“, betonte Sorge. Es handele sich um nasses Gelände, der Keller der Schule sei jetzt schon feucht. In Breloh dagegen seien notfalls Erweiterungmöglichkeiten vorhanden, Sportunterricht durch die Nähe der Turnhalle auch einstündig möglich. Zudem sei der Ausbau der Schule in Breloh eine Stärkung der Ortschaft.

Anstatt einer Überplanung des Standortes am Hanloh seien anhand eines Fragenkataloges mit der Verwaltung, dem Planungsbüro und dem Architekten zahlreiche Details hinterfragt worden, und: „Es wurde alles erschöpfend beantwortet“, so Sorge. Mit dem Ergebnis, dass bei der Baumaßnahme in Breloh „keine nennenswerte Einsparung möglich“ sei. Für die CDU sei es „nach wie vor richtig und wichtig“, beim Standort Breloh zu bleiben, das „können wir ruhigen Gewissens vertreten.“

Melanie Bade, Vorsitzende der SPD-Fraktion, hingegen hätte die Zeitverzögerung und die Kosten einer nochmaligen genaueren Betrachtung des Standortes am Hanloh in Kauf genommen: „Wir hätten uns das gewünscht.“ Eine sachliche Bewertung sei nur mit diesen Zahlen möglich. „Wir sind unseren Bürgern verpflichtet“, betonte Bade. Ohne die nochmalige Betrachtung des Schulstandortes am Hanloh „bleibt ein ungutes Gefühl.“ Aber: „Wir können es nicht ändern“, und der Bau in Breloh „wird sicherlich eine schöne Schule werden.“

Ähnlich sieht es auch Siegfried Irion (FDP) von der Ratsgruppe FDP/von Scheffer. Angesichts der Kostensteigerung wie zunächst vorgesehen die Schule am Hanloh noch einmal zu betrachten, sei „eine gute Idee“ gewesen. „Wir können nicht über so viel Geld verfügen“, ohne hier nachzurechnen. Die CDU hingegen habe bei all ihren gestellten Fragen nicht brücksichtigt: „Was kostet die Alternative?“ Dies bleibe ungeklärt. „Wir hätten die Zahlen gern gehabt“, so der FDP-Politiker, und dafür auch eine zeitliche Verzögerung akzeptiert. Doch auch Irion betonte: „Jetzt freuen wir uns auf Breloh.“ Das werde nun so gemacht, damit sei Ruhe und der Architekt könne „seine ganze Energie dafür aufwenden, in Breloh zu bauen.“

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