Landrat Ostermann: „Jetzt wird‘s ernst“

Erkundung des Dethlinger Teiches: Vertrag zwischen Landkreis und GEKA geschlossen

Landrat Ostermann: „Jetzt wird‘s ernst“

Fast zwei Jahre haben die Vorbereitungen gedauert - am heutigen Freitag, dem 21. Juni, war es dann soweit: Landrat Man­fred Ostermann sowie Frank Lorkowski und Dr. Andreas Krüger, beide Geschäftsführer der bundeseigenen Gesellschaft zur Entsorgung chemischer Kampfstoffe und Rüstungsaltlasten mbH (GEKA), haben einen Vertrag unterzeichnet, der die Zusammenarbeit in Sachen Dethlinger Teich regelt. Dessen schon vor vielen Monaten angekündigte Öffnung steht nämlich in wenigen Wochen bevor: „Der Terminplan sieht nach wie vor den 16. September vor“, kündigt Ostermann an.

Der Dethlinger Teich, nahe der Bundesstraße 71 zwischen Munster und Oerrel gelegen, steht schon lange im Mittelpunkt besorgten Interesses: Eigentlich hätte er bereits Anfang 2019 geöffnet werden sollen, um den Inhalt der „Kieselgur­kuhle“ zu erkunden. Denn was die enthält, ist eine tickende Zeitbombe: Bis 1952 waren dort verschiendenste hochgefährliche Stoffe von Zündladungen über Kampfstoffgranaten bis hin zu Phosgen und Lost versenkt und am Ende mit einer dicken Bauschuttschicht abgedeckt worden.

Aus verschiedenen Gründen konnte der erste Termin nicht gehalten werden, jetzt ist, wie gesagt, der 16. September der Stichtag. Bis Weihnachten 2019 sollen die Arbeiten dauern. Bis dahin bleibt dann auch die B 71 gesperrt. Aus Sicherheitsgründen, denn „bei allem, was wir tun, geht Sicherheit vor Schnelligkeit“, betont der Landrat noch einmal. Und weiter: „Ganz in diesem Sinne haben wir alles durchstrukturiert, geplant und geübt. Und wir hoffen, daß sich dabei durch unsere Informationen und Veranstaltungen auch die Bevölkerung gut mitgenommen fühlt.“ Um hier den Kontakt zu halten, werde im Forstamt Oerrel noch ein Bürgerbüro eingerichtet. Außerdem könnten Bürgerinnen und Bürger ihre Fragen jederzeit beim Landkreis loswerden, „schließlich sind die Menschen im Munsteraner Bereich stark interessiert und auch besorgt“, betont Ostermann.

Veränderungen gibt es allerdings nicht nur im Zeit-, sondern auch im Kostenplan: Waren zunächst 2,8 Millionen für die Teichöffnung vorgesehen, „wird es nun doch teurer. Die Summe liegt jetzt bei 3,6 Millionen Euro. 70 Prozent dieser 800.000 Euro Mehrkosten übernimmt das Land, 30 Prozent der Landkreis Heidekreis. Ich habe hier bereits mit dem zuständigen Staatsekretär gesprochen“, berichtet der Landrat.

Wenn der Startschuß für das Projekt fällt, so Ostermann, „dann übernehmen wir als Landkreis ‚nur‘ die Infrastruktur. Wir sorgen beispielsweise für Strom, haben den Feuerwehreinsatzplan ausgearbeitet und kümmern uns in Zusammenarbeit mit dem Heidekreis-Klinikum um die notärztliche Versorgung. Was uns zu gefährlich ist, das macht dann die GEKA.“

Und was dazu gehört, ist im frischunterzeichneten Vertrag geregelt: „Wir freuen uns über diese Aufgabe, die uns die Möglichkeit gibt, uns hier in vollem Umfang einzubringen“, betont Lorkowski. Und Krüger erläutert noch einmal, worum es geht: „Durch die Öffnung eines ausgewählten Bereichs wollen wir Erkenntnisse darüber erlangen, wie es im Dethlinger Teich insgesamt aussieht. Dies soll zu einer Entscheidungsgrundlage darüber führen, wie wir mit dieser Altlast umgehen, und helfen, ein Konzept zu entwickeln, den Teich erfolgreich zu räumen.“ Rund 50 Millionen Euro, so die derzeitige Einschätzung, könnte diese spätere Räumung dann kosten.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Zunächst einmal muß der Teich mit seiner gefährlichen Füllung geöffnet werden. „Wir werden dabei für die größtmögliche Sicherheit sorgen“, unterstreicht Krüger. So werde die gesamte Räumstelle durch ein sehr belastbares Zelt eingehaust. Nicht nur das Zelt, sondern auch die Bohrstelle selbst verfüge über eine Abluftanlage, über die bei einer möglichen Reaktion etwaige Gase sofort abgesaugt und in eine Filteranlage geleitet würden. Die Luft im Bereich des Dethlinger Teiches werde übrigens permanent von zwei verschiedenen Meßorganisationen überwacht.

Beim Bohrvorgang selbst soll das Personal so wenig wie möglich einbezogen werden. Diese Aufgabe sollen Maschinen oder gepanzerte Baufahrzeuge übernehmen. „Und wenn Mitarbeiter tätig werden müssen, etwa, um etwas nachzusehen, dann wird nicht gegraben“, erläutert Krüger. Darüber hinaus sei das Personal mit Schutzanzügen und Atemschutz ausgestattet: „Es gilt der höchste Arbeitsschutz.“

Da Mitarbeiter unter diesen Bedingungen immer nur 30 Minuten am Stück tätig sein können, gibt es einen hohen Bedarf an qualifiziertem Personal. Bis zu fünf Teams sind nötig, um die Tagesschichten von morgens bis 16.30 Uhr zu bewältigen. Hier, so der GEKA-Geschäftsführer weiter, „werden wir mit einer Fachfirma zusammenarbeiten.“ Was die Grabungen bei der Öffnung des Dethlinger Teiches ans Licht bringen, wird zunächst in einer speziellen Schleuse untersucht, um dann zum GEKA-Standort bei Munster gebracht zu werden. „Dies geschieht täglich, wobei der Kampfmittelräumdienst den Transport übernimmt und sichert.“

Alles ist inzwischen also durchgeplant - von Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung bis hin zum Schü­lertransport aus den anliegenden Ortschaften. Wie die Öffnung des Dethlinger Teiches aber am Ende verlaufen wird, läßt sich nicht voraussagen. Insofern liegt der Landrat mit Blick auf den 16. September ganz richtig: „Jetzt wird’s ernst.“

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