Munsteraner SPD-Fraktion: „Im Rat sind die Karten neu gemischt“

Neuer Fraktionsvorstand der Sozialdemokraten stellt sich vor

Munsteraner SPD-Fraktion: „Im Rat sind die Karten neu gemischt“

Sie ist prächtig, die Stimmung am vergangenen Dienstagnachmittag in „Charlys Pub“ in Munster. Der Vorstand der neuen SPD-Ratsfraktion hat zum Pressegespräch eingeladen, um bei Kaffee und Kuchen die neuen Mitstreiter in der Fraktionsführung vorzustellen und die Kommunalwahl im September dieses Jahres Revue passieren zu lassen, insbesondere aber, um die Schwerpunkte der Genossinnen und Genossen in der künftigen Ratsarbeit zu nennen. Die konstituierende Ratssitzung steht am 4. November um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle in Trauen auf dem Programm. Natürlich bedauern es die SPD-Mitglieder, dass Bürgermeisterin Christina Fleckenstein den Chefsessel im Rathaus räumen muss und auf diesem künftig mit Ulf-Marcus Grube ein Christdemokrat sitzen wird. Auf der anderen Seite dürfte es die Sozialdemokraten freuen, dass die CDU im Stadtrat ihre absolute Mehrheit verloren hat.

„Es war ein interessanter Wahlkampf, der für uns ganz gut ausgegangen ist“, so Bade, die Fraktionschefin bleiben wird. Es sei bei den elf Sitzen der SPD im Gremium geblieben - immerhin. Und: „Der Rat ist deutlich bunter geworden“, spielt sie auf den Einzug der Grünen in den Stadtrat an, die auf Anhieb vier Sitze errungen haben. „Die schwarze Vorherrschaft ist ein bisschen gebrochen“, betont die 43-jährige Fraktionsvorsitzende.

Die CDU hat vier Sitze eingebüßt, nun also nur noch 13. Jeweils zwei Sitze haben die FDP und die Wählergemeinschaft Munster (WGM), die eine Gruppe bilden werden. Die Sitzverteilung lässt interessante Debatten erwarten. „Es wird spannend, gerade weil jetzt alles offener ist“, sagt Bade. „Die Karten sind neu gemischt“, pflichtet ihr Marco Tews bei. Der 47-jährige Gastronom ist neu im Rat und einer der beiden stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Tews ist, wie er sagt, „seit vielen Jahren politisch interessiert“ und seit sechs Jahren Mitglied der SPD. Der 1. Gildeherr der Bürgergilde Munster wurde am 12. September direkt in den Rat gewählt und hatte sich aufstellen lassen, „um in Munster etwas zu bewegen.“ Wie Tews ist auch der 51-jährige Fleischermeister Rainer Behrens ein neues Gesicht im Rat und im Fraktionsvorstand. Als weiterer stellvertretender Fraktionsvorsitzender freue er sich „auf die Aufgaben, die nun kommen, auf eine konstruktive Zusammenarbeit.“ Zu den „alten Hasen“ im Stadtrat, in dem er bereits seit 2006 mitarbeitet, zählt der 68-jährige frühere Soldat Michael Klingbeil, der wieder direkt in das Gremium gewählt wurde, nach wie vor berufstätig ist und sich ehrenamtlich in der Munsteraner Tafel engagiert. In der Fraktion fungiert Klingbeil als Geschäftsführer und ist, wie er betont, „immer da, wo man mich braucht.“ Das Amt des Schriftführers bekleidet Oliver Meschke. Der 49-jährige, seit 2016 mit dabei, engagiert sich als stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und im „Team Digital“. Der EDV-Bereich ist ein Steckenpferd des Hobby-Schachspielers - und daher kümmert er sich um die Homepage und den Facebook-Auftritt des Ortsvereins.

Fraktionsvorsitzende Bade freut sich, dass die Sozialdemokraten im Rat „mit einer guten Mischung aus Jung und Alt, aus neuen und erfahrenen Mitgliedern“ vertreten sind: „Unser jüngstes Fraktionsmitglied ist 25 Jahre alt.“ Apropos jung: „Ein großes Thema in Munster sind Kinder und Jugendliche. Es gibt hier bereits tolle Angebote, aber wir haben das Gefühl, da geht noch etwas mehr“, unterstreicht die Sozialdemokratin. Immer wieder fragten Jugendliche nach, warum es in der Örtzestadt keine Skaterbahn gebe. Zudem sei der Basketballplatz sanierungsbedürftig. „Vielleicht gibt es die Möglichkeit, hier mit Hilfe von Fördermitteln etwas zu machen“, sagt die Fraktionsvorsitzende. Auch Kita-Plätze seien ein Thema. „Es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir eine neue Kindertagesstätte brauchen werden. Es läuft ja bereits ein Interessenbekundungsverfahren“, so Bade. Und weiter: „Mit dem Feuerwehrgerätehaus und dem Schulerweiterungsbau in Breloh mit steigenden Baukosten haben wir zwei große Batzen vor uns. Aber das sind Projekte, die wir umsetzen müssen, da kommen wir nicht drum herum.“

Weiterhin müsse es darum gehen, wichtige und wertvolle Einrichtungen wie die Stadtbücherei, die Munster-Touristik und das Bürgerhaus zu erhalten und zu unterstützen. Munster sei eine finanzschwache Kommune, Kürzungen bei den freiwilligen Leistungen, der Zuschüsse für Vereine, jedoch wären „fatal“. Neben der Jugend müsse auch den „jungen Älteren bis 75“ etwas geboten werden, denn: „Auch die wollen Angebote haben und nicht vergessen werden.“ Ob Soziales, Inklusion, Digitalisierung, Stadtentwicklung oder Klimawandel - es seien große Herausforderungen zu meistern. Gerade die Innenstadtsanierung sei ein Thema, das auf den Nägeln brenne. Wie solle mit dem Leerstand umgegangen werden? Gebe es die Möglichkeit, ungenutzte Geschäftsräume in attraktiven Wohnraum umzuwandeln? Wichtig sei es, Stichwort Bürgerbeteiligung, die Munsteraner hier mit einzubeziehen. Was die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen und der Gruppe im Stadtrat angeht, so freut sich die SPD-Fraktion über „ganz andere Möglichkeiten.“ Mit den Grünen gebe es thematisch viele Überschneidungen, eine Gruppenbildung sei zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht vorgesehen. Mit der bisherigen Gruppe FDP/von Scheffer, jetzt FDP/Wählergemeinschaft Munster (WGM), habe es in der vergangenen Ratsperiode eine gute Zusammenarbeit gegeben. „Das heißt aber nicht ‚Alle gegen die CDU‘. Wichtig ist uns eine konstruktive Zusammenarbeit, denn auch bislang ist im Rat vieles einstimmig gelaufen“, hebt Bade hervor. Auf eine gute Zusammenarbeit hofft die SPD-Fraktion auch mit dem neuen Bürgermeister. „Wir wollten Christina Fleckenstein als Bürgermeisterin, aber es ist eine demokratische Entscheidung. Wir werden nicht per se dagegen sein, nur weil Herr Grube CDU-Bürgermeister ist.“ Die SPD-Fraktion hat den künftigen Verwaltungschef zu einem Gespräch eingeladen, in dem er sich den Sozialdemokratinnen und -demokraten vorstellen wird. Dazu Bade: „Wir sind offen und schauen mal, was er macht.“

Geklärt haben die Sozialdemokraten bereits, welche Ratsmitglieder Ämter und Ausschussvorsitze übernehmen sollen. Als stellvertretenden Bürgermeister werden sie Marco Tews vorschlagen, als stellvertretenden Ratsvorsitzenden Dr. Detlef Rogosch.

Logo