Munsteraner Tafel feiert „20jähriges“

Mit einem großen Fest feiert die Munsteraner Tafel am 14. September von 11 bis 16 Uhr auf dem Gelände der St.-Stephanus-Gemeinde ihren runden Geburtstag

Munsteraner Tafel feiert „20jähriges“

Vergangener Freitag, gegen 10.30 Uhr. Wer den fleißigen Helferinnen der Munsteraner Tafel in den Räumen der St.-Martin-Kirchengemeinde über die Schulter sieht, dem wird schnell klar, dass ihnen körperlich einiges abverlangt wird. Die Frauen packen Kisten aus, räumen Wurstpackungen, Margarine und Joghurts in die Kühlschränke, füllen die Regale mit Backwaren und legen fein säuberlich Obst und Gemüse in die Auslagen. Und da kommt auch schon die nächste Lieferung. Diesmal sind auch Kartoffeln an Bord des Tafel-Transporters. Hier sind die starken Arme der Männer des Tafel-Teams gefragt. Mit vereinten Kräften wuchten sie die Transportboxen in den Ausgaberaum - und es dauert nicht lange, bis die ersten Schweißperlen auf der Stirn zeigen, dass dies durchaus anstrengend ist. Gelacht und gescherzt wird trotzdem - und dem stillen Beobachter wird klar, was die Ehrenamtlichen hier leisten. Das ist umso bemerkenswerter, als der Altersdurchschnitt der Frauen und Männer, die hier tätkräftig mit anpacken, bei um die 72 Jahre liegt. Die Munsteraner Tafel gibt es seit nunmehr zwei Jahrzehnten. Und diesen runden „Geburtstag“ wollen die Ehrenamtlichen gemeinsam mit Unterstützern und der Bevölkerung ausgiebig feiern. Daher steht am 14. September von 11 bis 16 Uhr ein großes öffentliches Fest auf dem Gelände der St.-Stephanus-Gemeinde auf dem Plan. Geboten wird ein buntes Programm mit Musik und Aktionen für Jung und Alt.

Zur Eröffnung des Festes spielen die Jagdhornbläser. Die Marchingband „Blue Dragons“ präsentiert ebenso Kostproben ihres Könnens, und auch die Feuerwehr Munster ist „im Einsatz“. Die Brandbekämpfer bieten einen Wasserflipper für Kinder an, für die außerdem eine Hüpfburg zum Toben bereitstehen wird. Wer möchte, kann auf einer „XXL-Dartscheibe“ seine Treffsicherheit unter Beweis stellen. Damit alle Besucher die Feier gut gestärkt genießen können, backen die Frauen des Tafel-Teams Kuchen. Neben Kaffee werden auch Kaltgetränke offeriert, zudem wird es Deftiges vom Grill geben. Auch Jutta Sell wird vor Ort sein und ihre Fahrrad-Rikscha präsentieren, mit der sie in der Örtzestadt Seniorinnen und Senioren durch die Gegend fährt.

20 Jahre Munsteraner Tafel, das soll nicht nur fröhlich gefeiert werden, sondern ist auch ein guter Anlass, die Geschichte der Einrichtung Revue passieren zu lassen. Deren Leiter Klaus-Dieter Meier, der seit 2015 die Zügel in der Hand hält, hat im Zuge seiner ehrenamtlichen Tätigkeit nicht nur mit vielen Menschen zu tun, sondern auch mit reichlich „Papierkram“ und vielen Zahlen. „Uns gibt es seit 20 Jahren, also machen wir das seit 1.040 Wochen beziehungsweise 7.300 Tagen - jede Woche von montags bis freitags. Ranfahren, Sortieren, Fertigstellen, Ausgeben - das ist schon immens“, lobt der „Regisseur“ seine Mannschaft. Viele der Helferinnen und Helfer sind schon lange dabei, ohne für ihr Engagement auch nur einen Cent zu erhalten. Zum Team gehören derzeit fünf Fahrer, die die Ware ranholen, 24 Helferinnen und Helfer, die diese an die Bedürftigen ausgeben, sowie fünf Männer, die die Lebensmittel freitags vom Lager zur Ausgabestelle befördern. „Es sind aber natürlich nicht immer alle verfügbar - und deshalb brauchen wir möglichst viele Leute“, so Meier. „So könnten wir zum Beispiel Helfer für freitags nachmittags gebrauchen, die die Eingangskontrolle machen und die leeren Kisten wieder zurück in den Lagerraum bringen. Da wären zwei bis drei Leute gut, die sich damit abwechseln können.“

Freiwillige Helfer werden also nach wie vor gesucht. Was das Angebot an Lebensmitteln angeht, so ist derzeit hingegen alles im „grünen Bereich“. „Im Moment sieht es gut aus, nur mit Fleisch und Geflügel haben wir Probleme, denn da ist nicht so gut ranzukommen“, berichtet der Tafelleiter. Im Vergleich zu früher sei das Angebot inzwischen äußerst vielfältig. „Bei uns gibt es Brot, Brötchen, Kuchen, Wurst, Fleisch, Käse, Salate, Fisch, Milch, Zucker, Mehl, Nudeln sowie Obst und Gemüse, also alles, was man zum Leben braucht“, betont Meier. Die „Kundschaft“ sei dabei bunt gemischt: „Zu uns kommen Alleinerziehende, Alleinstehende und Rentner sowie Flüchtlinge.“ Die Zahl letzterer habe sich inzwischen relativiert, so der Munsteraner: „Alle sind freundlich, da kann man nichts anderes sagen“, betont Meier. Stress wie in Tafeln in den Metropolen gebe es nicht. „Es gibt keinen Streit darum, wer in der Warteschlange die Nummer eins oder die Nummer zehn ist. Das liegt sicherlich auch daran, dass wir sehr konsequent sind“, unterstreicht der Tafelchef. Doch wie hat das Ganze vor 20 Jahren angefangen?

„Im Jahr 1998 gab es eine öffentliche Veranstaltung des CDU-Stadtverbandes zum Thema ‚Munster - eine seniorenfreundliche Stadt‘. Damals wurde die Idee geboren, einen Einkaufs- und Fahrdienst ins Leben zu rufen für die Menschen, die gern einkaufen gehen würden, dies aber nicht können, weil sie nicht mehr mobil sind. Das war der erste Impuls“, berichtet Meier.

Auf Anregung von Pastor Dr. Johannes Schoon-Janßen und Dr. Albrecht Dieckvoß ergriffen damals Friedrich Balbach und Jörg Weydling die Initiative, um eine Art „Seniorenhilfsdienst“ zu gründen. Dieser nahm schließlich im September 1999 als „Ökumenischer Hilfsdienst“ seine Arbeit auf. Er bestand bis Ende 2013 aus dem „Einkaufs- und Fahrdienst“ und der „Munsteraner Tafel“. Seit Jahresbeginn 2014 ist die Tafel die ökumenische Hilfseinrichtung. Sie ist ein Dienst aller damaligen fünf Munsteraner Kirchengemeinden und wirkt unter dem Dach der Kirchen. Das sind die drei evangelischen Kirchen St. Urbani, St. Martin und Friedenskirche Breloh, die am 1. Januar 2012 zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Munster fusionierten. Ebenfalls dabei sind die evangelische Militärkirchengemeinde St. Stephanus und die römisch-katholische Kirchengemeinde St. Michael. In den Räumen letzterer hatte die Tafel am 17. September 1999 erstmals ihre Türen geöffnet. „So hat alles angefangen. Damals wurden sämtliche Fahrten noch mit dem eigenen Pkw gemacht, die Lebensmittel in mit Kühlakkus versehenen Boxen transportiert“, berichtet Meier: „Anfangs kamen um die 65 Bedürftige. Heute sind es zwischen 350 und 400 Leute, die zwar nicht jedesmal zur Ausgabe kommen, aber bei uns registriert sind. Im Verlauf der Flüchtlingswelle zählten wir in der Spitze bis zu zu 470 Menschen aus 15 Nationen, zum Beispiel aus Äthiopien, Nepal, Eritrea, Montenegro, Syrien, Serbien und dem Libanon.“

Einen wichtigen Schritt hatte die Tafel bereits vor der Flüchtlingswelle unternommen, nämlich im Jahr 2008, als der Umzug in die Räume der Kirchengemeinde St. Martin anstand. Dort waren damals umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich, um die Räume für die Ausgabe der Lebensmittel herzurichten. So wurde seinerzeit unter anderem ein Aufzug für die schweren Lebensmittelkisten gebaut, eine begehbare Kühlkammer geschaffen, Kühltruhen- und Schränke wurden aufgestellt.

„All dies war nur möglich, weil die Tafel entsprechende Spenden erhalten hat“, so Meier. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir in Munster einen guten Ruf genießen und angesehen sind. Wir legen Wert auf Transparenz. Bei Interesse zeigen wir gern, was wir hier tun. Auch deshalb ist das Spendenaufkommen auf stabilem Niveau geblieben.“

Natürlich legen auch die Förderer Wert darauf, dass die Tafel ausschließlich tatsächlich Bedürftigen hilft. „Wir haben ein System eingeführt, über das wir die Bedürftigkeit ganz genau kontrollieren. Nur wenn die entsprechenden Nachweise vorliegen, geben wir einen Tafelausweis heraus. Das wird sehr gewissenhaft geprüft. Wir passen ganz, ganz genau auf - da sind wir rigoros. Es werden auch keine Ausnahmen gemacht, denn so etwas würde sich schnell herumsprechen. Da gibt es keine Diskussionen“, berichtet Meier.

In diesem Monat waren 357 Menschen bei der Lebensmittelausgabe, davon 146 Kinder. Erwachsene zahlen einen symbolischen Euro, Kinder nichts. „Maximal nehmen wir drei Euro von einer Bedarfsgemeinschaft“, erläutert der Tafelleiter. Und weiter: „Unsere Arbeit basiert auf drei Säulen: Geld, Lebensmittel und Ehrenamtliche. Wenn eine dieser Säulen wegbricht, kann das nicht funktionieren.“ Daher sei das Tafel-Team froh, dass es rund 100 Unterstützer habe - und es auch viele private Spender gebe.

Meier: „Eigentlich ist es traurig, dass es uns in einem so wohlhabenden Staat geben muss. Auf der anderen Seite sorgen wird dafür, dass weniger Lebensmittel weggeschmissen werden und wir sie denjenigen zukommen lassen, die sie brauchen.“

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