Nach Zank fliegt Dreck - beim Spatenstich

Sand schaufeln bei Startschuss für Schulerweiterungsbau in Breloh

Nach Zank fliegt Dreck - beim Spatenstich

Es war ein langer und steiniger Weg von der Feststellung der Sanierungsbedürftigkeit der Grundschule am Hanloh im Jahr 2016 über die Notwendigkeit der Einführung einer Ganztagsgrundschule in der Örtzestadt bis hin zur Ratsentscheidung im März 2018 für den Ausbau des Standortes Breloh. Und der Beschluss war keineswegs der Schluss der Geschichte: Noch über die Folgejahre zog vor allem die angekündigte Steigerung der Kosten für den Schulerweiterungsbau in Breloh heftige Debatten nach sich (HK berichtete). Nach Auseinandersetzungen zwischen den Ratsfraktionen flog jetzt Dreck - nicht, weil das Thema nun zur Schlammschlacht eskaliert wäre, sondern als positives Zeichen des Aufbruchs: Verwaltungs-, Rats- und Schulvertreter nahmen am vergangenen Mittwoch gemeinsam die Schaufeln in die Hand und katapultierten fürs Pressefoto ein paar Schippen Sand in die Luft. Mit dem symbolischen Spatenstich gab die Gruppe um Bürgermeisterin Christina Fleckenstein nun den Startschuss für die Umsetzung des Bauvorhabens.

Schüler waren zwar keine vor Ort - sie sind noch in der Ferien - doch auf „ihrem“ Gelände verfolgten zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung und Schulwesen den Spatenstich. „Wir hätten uns gewünscht, wir wären schon viel weiter“, blickte die Bürgermeisterin auf die noch freie Fläche und den „einsamen“ Bagger. Doch nun gehe es endlich los, freute sich Fleckenstein. Sie ging bei ihrem Rückblick auf den holprigen Start des Projekts noch einmal auf verschiedene Punkte ein: So erinnerte die Bürgermeisterin in ihrer Rede unter anderem an den Beschluss von vor drei Jahren, der in einer Zeit gefallen sei, als die Kalkulation für das Projekt noch deutlich unter den aktuell angepeilten zwölf Millionen Euro gelegen habe. Nach der Entscheidung im Stadtrat sei im September 2018 die europaweite Ausschreibung erfolgt. „Insgesamt acht Angebote haben wir erhalten, mehrere Architekturbüros haben sich beworben, fünf von ihnen haben wir im Januar 2019 quasi zu einem Casting eingeladen“, so Fleckenstein. Den Zuschlag habe schließlich ein Büro aus Hamburg erhalten: „Wir wollten jemanden, der im Bereich Schulbau Erfahrung hat. Das Unternehmen BPV Architekten bekam Ende Februar den Auftrag.“

Es folgte ein weiteres langes Wegstück für die zahlreichen Beteiligten: „Neben den Architekten braucht es Freiraumplaner, Fachleute für Gebäudetechnik, Statiker, Gutachter für den Baugrund, Verkehrsplaner, Brandschutzexperten, Vermesser, Raumakustiker und Küchenplaner. Da kommen viele am runden Tisch zusammen - und das dauert“, so die Bürgermeisterin. Nach dem Auftakt der Fachplaner im April 2019 ging es an die Ausarbeitung: „Der Entwurf stand im November 2019, die Entscheidung dafür fiel dann im Februar 2020. Im September 2020 konnten wir den Bauantrag stellen, die Baugenehmigung haben wir im März 2011 erhalten.“

Und nun gehe es darum, die besonderen Herausforderungen, die der Plan vorsieht, fachgerecht umzusetzen: „Zum einen gilt es, eine Anbindung an den bestehenden Bau und an die besondere Lage am Ende zweier Wohnstraßen zu schaffen.“ Die Schulverwaltung, so Fleckenstein, werde mit ihren Räumlichkeiten im Obergeschoss des bestehenden Gebäudeflügels unterkommen. Um Lehrerzimmer und Funktionsräume im Altbau entsprechend zu gestalten, „muss dieser natürlich auch modernisiert und auf den neuesten Stand gebracht werden.“ Im Neubau sollen insgesamt zwölf allgemeine Unterrichtsräume und die erforderlichen Fachunterrichtsräume entstehen. Besonderer Kniff innerhalb des neuen Komplexes: „Die Mensa und der innenliegende Gymnastikraum sollen sich zu einem großen durchgängigen Bereich zusammenschließen lassen, der dann bei Bedarf multifunktional genutzt werden kann“, erläuterte die Bürgermeisterin. „Insgesamt werden 4.400 Quadratmeter Grundfläche neu- und umgebaut.“ Für das Dach sei laut Fleckenstein schon eine spätere Möglichkeit für eine Solarnutzung einkalkuliert.

Neu kalkuliert werden, das räumte die Verwaltungschefin schon beim Spatenstich ein, müssten sicher auch die veranschlagten Gesamtkosten von zwölf Millionen Euro: „Das wird nicht reichen“, meinte die Bürgermeisterin unter anderem mit Blick auf die aktuell gestiegenen Preise für Baumaterialien. Insgesamt sei sie aber froh, dass nun der Startschuss gefallen sei und das jetzt endlich etwas „Echtes“ entstehe: „Wir haben drei Jahre intensiv an diesem Projekt gearbeitet, aber eben im Verborgenen. Jetzt sehen auch die Menschen in Munster, dass hier etwas passiert.“ Fertigstellung solle nach derzeitigem Stand 2023 sein, so Fleckenstein: „Ich freue mich schon jetzt auf das Richtfest, aber noch mehr auf den Tag, an dem die Schülerinnen und Schüler einziehen und das Gebäude mit Leben füllen. Ich bin mir sicher, dass wir hier eine Schule bauen, in der sich die Kinder wohlfühlen werden.“

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