Onleihe punktet unter Corona

Stadtbücherei Munster stellt ihren Jahresbericht für 2020 vor

Onleihe punktet unter Corona

Auch in der Stadtbücherei Munster war 2020 vor allem durch die Corona-Situation geprägt - so fasst es Annegret Kruse zusammen: „Lief das Jahr bis Mitte März mit vielen gut besuchten Veranstaltungen und Angeboten und steigenden Ausleihen noch sehr gut an, wirkte sich Corona danach massiv aus“, erklärt die Leiterin der Stadtbücherei Munster. Insgesamt sei die Einrichtung aufgrund der Niedersächsischen Corona-Verordnungen vier Monate geschlossen gewesen, resümiert Kruse. Sie und Munsters Bürgermeisterin Christina Fleckenstein, die jetzt gemeinsam den Jahresbericht der Stadtbücherei vorstellten, bleiben dennoch optimistisch: Viele der in der Pandemie geschaffenen Angebote - etwa der Abholservice - seien gut angenommen worden, so die Leiterin. „Die Leute waren wirklich sehr dankbar für diese Möglichkeit.“ Fleckerstein hofft, dass bald wieder mehr Leben in die Räumlichkeiten am Friedrich-Heinrich-Platz einkehren kann: „Es ist ja nicht nur eine Bücherei, sondern auch ein Kulturzentrum.“ Kruse ergänzt: „Wir hoffen, dass es bald wieder richtig losgeht.“

Im ersten Lockdown vom 16. März bis zum 10. Mai 2020 blieben die Türen der Stadtbücherei Munster geschlossen, und dann vom 1. November 2020 bis zum 11. März 2021 erneut, so die Leiterin. Dennoch sei das Team während der Schließzeiten keineswegs untätig gewesen - im Gegenteil: Kontaktloser Abholservice, telefonische Beratung und E-Mail-Kontakt, Onleihe mit E-Books und E-Magazines rund um die Uhr verfügbar, Angebot einer kostenlosen Schnupperkarte (Onleihe), Flohmarktbücher zum Mitnehmen, Bestandspflege und weitere Umarbeitung von Sachbüchern in Interessenkreis-Aufstellung sowie Einführung eines Instagram-Accounts - all das habe die Mannschaft aufrechterhalten oder neu in Angriff genommen, so Kruse. „Unter anderem sind die Sachbücher nach der Umstrukturierung und den neuen Zuordnungen nun leichter zu finden.“

„In der Zeit der Wiedereröffnung prägten dann die notwendigen Corona-Schutzauflagen den Betrieb: Hygienekonzepte und Besuchsregulierungen wurden erarbeitet und umgesetzt. Das Lesecafé musste geschlossen bleiben; Spielen in der Kinderbücherei und ein längeres Verweilen war aufgrund der Begrenzung der Aufenthaltsdauer seitdem nicht möglich. Geplante Veranstaltungsangebote mussten ausfallen. Im Sommer gab es eine vorsichtige Verlängerung der Aufenthaltsdauer mit der Möglichkeit, kurz in den aktuellen Zeitungen zu lesen und die PC-Plätze zu nutzen. Und: der Sommerleseclub fand mit sehr guter Resonanz in abgespeckter Form statt“, blickt die Leiterin auf die Ereignisse 2020 zurück.

Beim Bestand habe sich im vergangenen Jahr folgendes getan: „Aus einer Fülle von Neuerscheinungen wurden zielgruppenorientiert 3.444 Medien ausgewählt, gekauft, katalogisiert, erschlossen und technisch bearbeitet. 4.053 Medien wurden aus dem Bestand genommen, weil sie defekt, zerlesen oder veraltet waren. Das ist eine Erneuerungsquote von zehn Prozent. So steht den Bürgern ein aktueller und attraktiver Medienbestand von 33.480 Medieneinheiten zur Verfügung. Das sind wie im Vorjahr rund zwei Medien pro Einwohner“, rechnet Kruse vor. Der Anteil an Nicht-Print-Medien betrage 22 Prozent, Sachbücher machten dabei laut der Leiterin mit rund 10.000 Einheiten den größten Bestandsanteil aus, gefolgt von Kinder- und Jugendbüchern.

„Mit 93.186 Entleihungen lag die Medienausleihe aufgrund der Schließungen um 18 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Onleihe mit den E-Books, E-Magazines und E-Audios punktete in der Corona-Situation mit einer deutlichen Ausleihsteigerung von 16 Prozent. Von den vier Monaten der Schließzeit konnte elf Wochen lang ein kontaktloser Abholservice (inklusive Rückgabemöglichkeit) angeboten werden. Das wurde sehr begrüßt - auch wenn es keinen Ersatz für einen richtigen Büchereibesuch darstellen konnte.“ Liege die monatliche Ausleihe „normal“ bei um die 9.000/10.000 Entleihungen, so habe sich diese in den Schließmonaten November und Dezember dank der Abholmöglichkeit immerhin noch bei jeweils rund 1.800 Entleihungen eingependelt.

Den größten Anteil an der Gesamtausleihe hätten laut Kruse die Kinder- und Jugendbücher mit 27 Prozent, den zweitgrößten Anteil machten die Sachbücher mit 17 Prozent aus, dann folgten Romane und Hörbücher mit je rund 14 Prozent Anteil an der Ausleihe. „Bei den Kinder- und Jugendbüchern ergibt sich ein unterschiedliches Bild: Während die Sachbücher und die Erzählungen ab 13 Jahren wie erwartet ein Minus verzeichneten, sind die Bilderbücher und die Erzählungen für Grundschulkinder und für Neun- bis 13-Jährige auf oder sogar etwas über dem Vorjahresniveau - und das bei vier Monaten Schließzeit“, freut sich die Leiterin. Gerade im Abholservice seien diese Segmente gut nachgefragt gewesen. Die Bibliotheksleiterin geht auch auf das Angebot für Seniorinnen und Senioren ein: „Sie und sonstige in der Mobilität eingeschränkte Bürger können sich Medien vom Seniorenbeirat der Stadt Munster nach Hause bringen lassen.“

Einen Einbruch habe es in der Pandemie an anderer Stelle gegeben, nämlich bei Veranstaltungen, Leseförderung und Öffentlichkeitsarbeit: „Coronabedingt konnten im Vergleich zu den Vorjahren sehr viel weniger Angebote durchgeführt werden. Zur Förderung der Lese- und Medienkompetenz als einem zentralen Bestandteil der Aufgaben wurden im letzten Jahr 45 Veranstaltungsangebote beziehungsweise Einführungen für Schulklassen mit insgesamt 906 Besuchern durchgeführt“, so Kruse. „Ab Mitte März musste dann leider alles ausfallen. Nach der Wiedereröffnung konnte der Sommerleseclub glücklicherweise in abgespeckter Form angeboten werden und wurde wieder sehr gut angenommen.“

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