Ortsschild geht mit auf die Reise nach Litauen

Verabschiedungsappell beim Panzerlehrbataillon 93 in Munster

Ortsschild geht mit auf die Reise nach Litauen

„Die Kisten sind gepackt, die Eisenbahnwaggons sind bestellt - und schon bald nach den Weihnachtsferien beginnt die Verlegung. Und damit der Einsatzauftrag.“ Das erklärte Brigadegeneral Dr. Christian Freuding, Kommandeur der Panzerlehrbrigade 9, am vergangenen Mittwochnachmittag beim feierlichen Verabschiedungsappell in der Freiherr-von-Boeselager-Kaserne in Munster. Für rund sechs Monate werden auch Soldatinnen und Soldaten des Panzerlehrbataillons 93 aus der Örtze-stadt als Teil eines multinationalen Gefechtsverbandes im litauischen Rukla ihren Dienst verrichten. Diese galt es, im Rahmen des traditionellen Jahresabschlussappells des Bataillons feierlich zu verabschieden. Rund 300 Soldatinnen und Soldaten, darunter auch Abordnungen anderer beteiligter Bataillone, waren dazu angetreten.

Knisternde Holzscheite in Feuerkörben sowie mit Licht in Szene gesetzte Wappen sorgten bei Einbruch der Dunkelheit für eine stimmungsvolle Atmosphäre, auch schweres Gerät und die obligatorischen Gewehrpyramiden durften bei diesem Zeremoniell nicht fehlen. Für den militärisch-musikalischen Rahmen sorgte eine Abordnung des Heeresmusikkorps Hannover. Auch Generalmajor Jürgen-Joachim von Sandrart, Divisionskommandeur der 1. Panzerdivision in Oldenburg, hatte sich aufgrund des Anlasses auf den Weg nach Munster gemacht, um den Soldatinnen und Soldaten persönlich seine besten Wünsche mit auf den Weg zu geben. Unter den Gästen war neben Bürgermeisterin Christina Fleckenstein auch Brigadegeneral Ullrich Spannuth, Standortältester und Kommandeur des Ausbildungszentrums Munster, sowie CDU-Bundestagskandidat Carsten Büttinghaus.

Der Jahresabschlussappell ist bewährter Brauch des Panzerbataillons 93, „um“, wie dessen Kommandeur Oberstleutnant Sebastian Hebisch erläuterte, „zum Ende eines jeden Jahres einen Ordnungshalt zur Standortbestimmung durchzuführen, immer mit dem Ziel, mit Stolz auf das Erreichte zurückzuschauen, aber auch den Blick vorwärtsgerichtet schweifen zu lassen.“ Hebisch ging dabei auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie ein, die auch das Panzerlehrbataillon 93 und dessen Soldatinnen und Soldaten vor erhebliche Herausforderungen und Prüfungen gestellt habe und auch weiterhin stellen werde. „Wir haben schnell durch geeignete und zielgerichtete Maßnahmen die Einsatzbereitschaft für unseren Kernauftrag und die Führungsfähigkeit - auch für jedwede geforderte Unterstützungsleistung im Rahmen der Amtshilfe - aufrechtgehalten und, wo es für die Einsatzbereitschaft mit Blick auf die laufende Auftragserfüllung nicht zwingend notwendig war, Vorhaben jeglicher Art der Lage angepasst“, so Hebisch. Bei all dem stehe für ihn, betonte der Kommandeur an die Soldaten gerichtet, „die Gesundheit jedes Einzelnen im Vordergrund.“ Sein Appell an die Truppe: „Passen Sie auf sich auf! Tragen Sie durch ihre umsichtige Umsetzung der Hygienemaßnahmen dazu bei, das Virus im privaten und dienstlichen Bereich einzudämmen! Tragen Sie durch Ihr Vorbild dazu bei, dass normales Leben in Deutschland wieder möglich wird!“

Nach einem Rückblick auf die in diesem Jahr gemeisterten Herausforderungen ging Hebisch insbesondere auf die Beteiligung seines Bataillons an der multinationalen NATO-Truppe ein. Von Februar bis August 2021 kommen die Soldaten aus Munster in der Mission „Enhanced Forward Presence“ (EFP) zum Einsatz, die der Sicherung der osteuropäischen Staaten und der Abschreckung von Bedrohungen des Bündnisgebiets dient. Zusammen mit Soldaten aus anderen Bataillonen der Bundeswehr sowie aus Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Norwegen und Tschechien werden die Kräfte aus Munster unter Führung ihres Kommandeurs in Litauen einen bis zu 1.400 Soldaten zählenden Verband bilden.

Vorübergehend standen insbesondere die Auslandseinsätze der Bundeswehr im Fokus, doch seit der Annexion der Krim durch Russland und der Destabilisierung der Ukraine wird der Blick wieder verstärkt auf die Landes- und Bündnisverteidigung gerichtet. Anfang 2017 begann die NATO mit der Verlegung von Soldaten nach Polen und in die baltischen Staaten. Seitdem zeigen vier multinationale Gefechtsverbände, sogenannte „Battlegroups“, Präsenz, wobei gemeinsame Ausbildung, intensives Training und somit natürlich auch Abschreckung den Kernauftrag bilden. Das Personal rotiert regelmäßig, weil die NATO-Russland-Grundakte, eine 1997 unterzeichnete völkerrechtliche Absichtserklärung zwischen der NATO und Russland, keine dauerhafte Stationierung alliierter Truppen in Osteuropa zulässt. Die Zusammensetzung der Gefechtsverbände variiert und erfolgt stets in Abstimmung mit der jeweiligen Gastgebernation. Großbritannien, Kanada, die USA und Deutschland haben jeweils die Führung eines Verbandes übernommen. Die Bundeswehr ist in Litauen in Rukla stationiert, rund 100 Kilometer nordwestlich von der litauischen Hauptstadt Vilnius. Auch die Soldaten des Panzerlehrbataillons 93, die Anfang Februar kommenden Jahres mit einem verstärkten Panzerzug die Reise antreten werden, bereiten sich seit Monaten intensiv auf ihre Aufgaben vor, zu denen auch gemeinsame Manöver wie die NATO-Übung „Iron Wolf“ gehören. „Ob Deutschland als starker und einsatzbereiter Bündnispartner wahrgenommen wird, hängt ganz wesentlich vom Auftreten jedes einzelnen Soldaten ab“, gab Hebisch seiner Truppe mit auf den Weg und unterstrich: „Wir können das und sind dafür gut ausgerüstet und ausgebildet.“ Brigadegeneral Freuding hob hervor, dass dieser Einsatzauftrag „wie kein zweiter für die Verlässlichkeit Deutschlands als Bündnispartner steht.“ Aus dem „Hochhalten der deutschen Fahne in Litauen“ erwachse „ein besonderer Anspruch an professionelles Können, an Haltung und Auftreten.“

Bürgermeisterin Fleckenstein bedauerte, dass der Verabschiedungsappell coronabedingt nicht - wie geplant - öffentlich vor dem Rathaus habe stattfinden können. Sie überreichte ein Ortsschild an Oberstleutnant Hebisch, das mit auf die Reise ins 1.300 Kilometer entfernte Rukla gehen wird. Es solle, so die Bürgermeisterin, „ein wenig Heimat symbolisieren“ und die Soldatinnen und Soldaten aus Munster daran erinnern, „dass wir an sie denken.“

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