Pastor und Militärkirchengemeinde entsetzt: Unbekannte beschmieren in Munster Gedenkstätte und Kranz

Pastor Dr. Jobst Reller ist fassungslos und nimmt Stellung

Pastor und Militärkirchengemeinde entsetzt: Unbekannte beschmieren in Munster Gedenkstätte und Kranz

Entsetzt sind die Mitglieder der Munsteraner Militärkirchengemeinde St. Stephanus: Unbekannte Täter hatten am Vortag den aus Anlass eines ökumenischen Standortgottesdienstes zum Volkstrauertag an der Gedenkstätte im Turm aufgehängten Kranz mit Rasierschaum besprüht und rote Farbe auf das Grabmal für unbekannte und vermisste Soldaten geschmiert. Als die Gemeinde am Volkstrauertag morgens zum Gottesdienst kam, traute sie ihren Augen nicht.

Pastor Dr. Jobst Reller ist fassungslos und nimmt Stellung zu diesem Vorfall: „Die Handschrift erinnert an die Schmierereien auf Ausstellungsgegenständen am Panzermuseum in jüngster Zeit. Hier richten sie sich gegen religiöse und menschliche Gefühle. Nicht nur gegen die Gefühle derer, die sich noch an Soldaten aus Familien- und Freundeskreis erinnern, die in den Urkatastrophen von erstem und zweitem Weltkrieg im vergangenen Jahrhundert ihr Leben verloren.“

Ein Gottesdienstteilnehmer habe davon berichtet, so der Pastor, „wie ihm jedes Jahr am Volkstrauertag nicht nur die Erinnerung an den gefallenen Vater, sondern an die halbe durch Krieg und Vertreibung ausgelöschte Verwandtschaft zu Bewusstsein kommt. Im Gottesdienst und beim Niederlegen des Kranzes wurde bewusst dieser und aller anderen Opfer von Krieg, Terror und Gewalt in der Stille und fürbittend gedacht. Das umfasst die Verfolgten, Geschundenen und Getöteten in der unseligen Zeit des Nationalsozialismus, aber auch die durch Vertreibung und Flucht zu Tode gekommenen in der Vergangenheit wie in der Gegenwart.“ Reller weiter: „Wie viele Menschen haben auf der Flucht durch die Wüste in Libyen Gräber gefunden, von denen keiner weiß, wie von denen unbekannter Soldaten? Wie viele Menschen haben im humanitären Einsatz in Katastrophen- oder Entwicklungshilfe ihr Leben eingebüßt? Völkermorde sind leider auch mit denen an den Armeniern im ersten Weltkrieg oder den durch die Nationalsozialisten in deutschem Namen verübten nicht beendet worden - weder in Srebrennica auf dem Balkan noch in Ruanda.“

Kirchenvorstand und Pfarramt der evangelisch-lutherischen Militärseelsorge an St. Stephanus sehen sich in der Pflicht, „aller Opfer von Krieg, Terror und Gewalt zu gedenken am Volkstrauertag unabhängig von Volkszugehörigkeit, Religion oder Herkunft.“ Wenn jemand mit den Schmierereien in der Gedenkstätte ein Zeichen gegen vermeintlichen Militarismus habe setzten wollen, unterstreicht Reller, „hätte er nichts Unsinnigeres als dies tun können.“

„Die Erbauer der Stephanuskirche 1961 errichteten den massiven, spitzen Turm und darin die Gedenkstätte bewusst in dieser für alle Opfer offenen Weise. Der Kirchenvorstand hatte sich in vielen Diskussionen dazu durchgerungen, Stephanus, den ersten Märtyrer der christlichen Kirche, als Opfer von Terror und religiös motivierter Gewalt zum Patron der Kirche zu machen. Das verpflichtet auch in Zukunft“, so der Pastor.

Logo