Plansumme rund 19 Millionen

Grundstein für neues Sanitätsunterstützungszentrum gelegt und neuer Name für Liegenschaft der Bundeswehr: Aus Schulz-Lutz- wird nun Örtzetal-Kaserne

Plansumme rund 19 Millionen

Zu gleich zwei Anlässen hatte die Bundeswehr am vergangenen Mittwoch nach Munster eingeladen. Bei beiden - zum einen die Umbenennung der Schulz-Lutz-Kaserne und zum anderen die Grundsteinlegung für das neue Sanitätsunterstützungszentrum - war neben vielen anderen Gästen aus Politik, Verwaltung und Militär auch Bürgermeisterin Christina Fleckenstein vor Ort. Und sie brachte es bei den Projekten auf den Punkt: Ein neuer Name bringe natürlich auch Veränderung mit sich, „es ist aber eben nur ein neuer Name. Mit dem geplanten dreistöckigen Gebäude erhalten die Soldaten hingegen ein neues und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Zentrum.“ Rund 19 Millionen Euro soll das Leuchtturmprojekt der regionalen Sanitätseinrichtungen des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr kosten - der Preis für das neue Schild am Tor der „neuen“ Örtzetal-Kaserne wurde nicht genannt.

Neu ist die Kaserne natürlich nicht, sondern nur ihr Name - doch den gab es schon einmal: In einem „Meinungsbildungsprozess Kasernennamen“, an dem alle in der Anlage stationierten Dienststellen beteiligt gewesen seien, „hat sich als Favorit schnell ‚Örtzetal-Kaserne‘ herauskristallisiert“, erklärt Oberstleutnant Oliver Brune. „Zum einen steht er für die tiefe Verbundenheit zur Region des Örtzetals, in dem sich die Liegenschaft befindet, zum anderen greift er den Namen einer ehemaligen Kaserne der Garnison auf und unterstreicht damit zusätzlich die Verbindung der Soldaten mit Munster“, so der Kasernenkommandant weiter.

Hintergrund für die Umbenennung: „In den vergangenen Jahren ist immer wieder diskutiert worden, ob der Name Schulz-Lutz-Kaserne (nämlich nach den früheren Wehrmachtsoffizieren Adelbert Schulz und Oswald Lutz) noch zeitgemäß ist“, so die Bürgermeisterin. „Vor fast genau 55 Jahren, am 1. Oktober 1964, wurden die Schulz- und die Lutz-Kaserne nach den Vorgaben der damaligen Traditionspflege der Bundeswehr umbenannt“, erläutert Brune. „In dieser Zeit dienten meist Persönlichkeiten aus der deutschen Militärgeschichte oder die Namen früherer Waffengattungen als Namenspatron für Liegenschaften der noch jungen Bundeswehr.“ Und so fiel die Wahl damals auf die ehemaligen Panzergeneräle der Wehrmacht Adelbert Schulz und Oswald Lutz.

„Doch die Traditionspflege der Bundeswehr durchlief seit den späten 1990er Jahren eine Reihe von Anpassungen und Änderungen“, so der Kasernenkommandant, „die schließlich zu einer Neuausrichtung führten und 2018 in dem von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen forcierten, aktuellen Traditionserlass zusammengefasst wurden. Darin ist unter anderem festgelegt, dass die Traditionslinien der Bundeswehr auf den Leistungen der preußischen Heeresreform, dem ethischen Verhalten der Personen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus sowie in der eigenen Geschichte der Bundeswehr gründen.“ In darauf folgenden Prüfungen des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr habe sich gezeigt, „dass die Namensstifter der Schulz-Lutz-Kaserne, die Generale Schulz und Lutz, nicht zweifelsfrei als ‚traditionswürdig‘ einzustufen sind“, so der Oberstleutnant. Nach ihren Reden enthüllten Brune und Fleckenstein gemeinsam das neue Schild am Tor.

Das Tor werden in den kommenden Jahren noch zahlreiche Baufahrzeuge passieren, bis Ende 2022 das neue Sanitätsunterstützungszentrum eingeweiht werden kann. Zu dessen Grundsteinlegung waren auch der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Peter Tauber und Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers angereist. „Die Bundeswehr wächst wieder“, so Tauber, „und wir wollen versuchen, den Soldaten alles zu bieten, was sie zur Ausübung ihrer - oft nicht einfachen - Aufgabe benötigen.“ Zudem solle der Standort Munster so weiter gestärkt werden, betont der Staatssekretär. „Die Bundeswehr wird in den nächsten Jahren weitere rund 305 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen am Standort aufwenden, bis 2023 sind allein etwa 55 Millionen Euro vorgesehen“, fügt Hilbers hinzu. Die Investition in das neue Sanitätsunterstützungszentrum sieht Oberstarzt Dr. Annette Frohse „als Neubeginn sowie als Wertschätzung und Verbundenheit mit dem Sanitätsdienst.“ Für die jetzige Leiterin des derzeitigen Sanitätsunterstützungszentrums der Örtzestadt, dessen Platz in der Peter-Bamm-Kaserne schon lange nicht mehr ausreiche, gehe damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, meint die Medizinerin.

Das neue Zentrum stellt mit seinen Sanitätseinrichtungen die truppen- ärztliche, truppenzahnärztliche und fachärztliche Versorgung der zumeist in Ostniedersachsen beheimateten 17 Bundeswehrstandorte sicher: Sowohl die Flugunfallbereitschaften an den Standorten Wunstorf und Bückeburg, als auch die Notfallversorgung der multinationalen Übungstruppe auf dem größten zusammenhängenden militärische Übungsplatzgebiet Europas mit den Trup- penübungsplätzen Munster Nord und Süd sowie Bergen werden mit Notfallsanitätern der Sanitätsstaffel Einsatz und Rettungsmedizinern des Sanitätsversorgungszentrums Munster in Zusammenarbeit mit dem zivilen Rettungsdienst sichergestellt. Rund 130 Mitarbeiter sollen in rund drei Jahren im neuen, dreistöckigen Sanitätsunterstützungszentrum mit drei Gebäudeteilen und einer Bruttogeschossfläche von rund 7.300 Quadratmetern ihren Dienst aufnehmen.

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