„Wir sind da!“, lautet das Motto am vergangenen Samstag, 6. Juni, beim Tag der Bundeswehr in Munster. Und ich will hin. Mit dem Pkw fahre ich gegen 8.30 Uhr aus Soltau heraus, folge der Beschilderung am Designer Outlet vorbei. Es geht in die Pampa. Sogleich tauchen irgendwo im Nirgendwo die ersten Soldaten auf und geben mit ihren rot-weißen Kellen die Marschrichtung vor. Bisher ist alles reibungslos gelaufen. Ich reihe mein Auto, den Anweisungen folgend, in die für mich vorgesehene Pkw-Schlange ein. Die Wetterprognose ist mit angenehmen +21 Grad Celsius Höchsttemperatur gut, mein Stimmungsbarometer wartet ebenfalls mit hervorragenden Werten auf. Allerdings: Schon morgens ist der Andrang groß. Sehr, sehr groß. Die ausgewiesenen Parkplätze auf den Flächen rund um das Veranstaltungsgelände füllen sich im Minutentakt. Und ebenso rasant bilden die Ausgestiegenen eine lange Warteschlange.
Alle wollen schnellstmöglich in einen der Shuttle-Busse gelangen, die die Passagiere zum Ort des Geschehens bringen sollen. Diese fahren allerdings noch nicht. Im Großen und Ganzen geht es zivilisiert zu, doch die Schlange wird länger und länger und schon bald versuchen hier und da Vordrängler ihr Glück. Ein rund zwei Meter großer Hüne mit Bart und Sonnenbrille mogelt sich, seinen Sohn an der Hand, recht weit vorn in die Reihe. Unmut wird laut. Die Panzer rollten noch nicht über den Übungsplatz, da gibt es schon die ersten Gefechte, wenn auch nur mit Worten. Hier und da müssen Feldjäger beschwichtigen.
„Ich dachte immer, bei den Deutschen herrscht Zucht und Ordnung“, sagt ein Gast aus Norwegen auf Deutsch mit starkem Akzent zu seiner Begleiterin. Der junge Mann ist ob der Dickfelligkeit der „Mogler“ sichtlich verärgert. Man(n) muss sich schließlich nicht alles gefallen lassen. Die Soldaten mit dem korallenroten Barett auf dem Kopf sorgen freundlich, aber bestimmt für Frieden.
Das Gros der Wartenden allerdings verhält sich vorbildlich. Es wird gescherzt, man kommt mit den Nebenleuten ins Gespräch. Plötzlich geht es los, die Schlange setzt sich in Bewegung, die ersten Busse sind da. Um die 90 Fahrzeuge sind im Einsatz. Auf der Fahrt zum Veranstaltungsgelände gibt es Irritationen. Störer oder vielleicht auch Scherzbolde haben offenbar Schilder verschwinden lassen oder vertauscht. Der Konvoi hat den falschen Weg eingeschlagen, ein Bus nach dem anderen muss wenden. Nach einigen Kilometern Fahrt ist das Ziel erreicht. „Wir sind da!“, zitiert der freundliche Busbegleiter im Flecktarnanzug das Motto des Tages. Wer ausgestiegen ist, muss sogleich kräftig schlucken, gilt es doch, sich erneut an einer Warteschlange anzustellen, um zu den Einlasskontrollen zu gelangen. Ein Nadelöhr. Wie am Flughafen geht es durch Metalldetektoren, Hosen- und Jackentaschen sind zu leeren, es wird penibel kontrolliert. Sicherheit muss gerade in diesen Zeiten sein, das Prozedere bremst das Vorankommen jedoch aus. Die „Security“ gibt ihr Bestes, damit die Kontrolle am Eingang nicht zum Durchlauferhitzer gerät. Die Busse sind derweil im Dauereinsatz und bringen immer wieder „Nachschub“.
„Das wird voll heute. Sehr voll“, sagt ein Wartender. Hellseherische Fähigkeiten sind nicht erforderlich, um mit dieser Prognose aufzuwarten. Mit bis zu 50.000 Besuchern hatten die Veranstalter im Vorfeld gerechnet, eine Zahl, die wohl auch erreicht worden ist. Später ist von einem Besucher zu hören, dass es sogar einen Einlassstop gegeben haben soll.
Wer es auf das Areal geschafft hat, atmet tief durch und bekommt eine Menge zu sehen. Historische und aktuelle Fahrzeuge und Waffensysteme der Bundeswehr sind zu bestaunen, Soldaten zeigen das „Leben im Felde“, auf der Blaulichtmeile präsentieren sich unter anderem Polizei, Zoll, Feuerwehr, Rettungsdienste und Technisches Hilfswerk.
Nach einem Feldgottesdienst am Morgen und der Begrüßung geht es Schlag auf Schlag weiter. Fallschirmspringer landen auf dem Platz vor der großen Tribüne, eine Boeing P-8 Poseidon, ein Seefernaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug der Marine, fliegt mehrfach über das Areal. Deutlich lauter und schneller donnern Eurofighter und Tornado-Jets durch die Lüfte. Auch A400M-Transportflugzeuge und eine mittelschwere Aufklärungsdrohne des Typs Heron TP sind nach einem Blick nach oben zu sehen.
Kleine Drohnen schwirren bei den dynamischen Vorführungen durch die Lüfte, eingesetzt von Aufklärern und Panzergrenadieren. Gezeigt wird ein Angriff auf ein von gegnerischen Kräften besetztes Dorf. Kampf- und Schützenpanzer rauschen heran, es knallt und raucht, Täuschkörper werden eingesetzt, Maschinen- und Sturmgewehre rattern. Ein Brückenlegepanzer ermöglicht die Überquerung eines Flusses, ein „Verletzter“ wird mithilfe eines schwer geschützten Sanitätskraftfahrzeuges Boxer geborgen. Dem Publikum wird jede Menge „Action“ geboten.
Auch die Politik ist präsent – virtuell und höchstpersönlich. Auf einer Großbildleinwand wird die Rede von Boris Pistorius übertragen. „Der Tag der Bundeswehr zeigt, was unsere Frauen und Männer leisten, was sie können, wer sie sind. Er zeigt aber auch: Die Bundeswehr gehört in die Mitte der Gesellschaft“, so der Verteidigungsminister. Andere Politiker wie zum Beispiel Lokalmatador Lars Klingbeil sind „live“ vor Ort. „Die Soldatinnen und Soldaten sind es, die Sicherheit schaffen und Teil der Friedenspolitik sind. Dafür gebührt ihnen unser Dank und all unser Respekt“, unterstreicht der Vizekanzler und Finanzminister. Andere Politiker geben vor dem VIP-Zelt Interviews und tauschen sich mit hochrangigen Militärs aus.
Auf der großen Bühne tritt die Partyband des Heeresmusikkorps Hannover auf, zwei weitere Male schweben Fallschirmspringer ein. Kinder drehen an Glücksrädern, machen bei einer Stempel-Rallye mit oder gehen auf Schatzsuche. Auf der Bühne gibt es unter anderem Interviews mit Spitzensportlerinnen und -sportlern der Bundeswehr. Gegen Mittag herrscht an den Verpflegungsbuden und -ständen Hochkonjunktur, auch hier ist zunehmend ein fester Geduldsfaden von Vorteil, da immer mehr Besucher auf das Gelände wollen. Es wird zunehmend wärmer. Gut, dass es eine kostenlose Versorgung mit Trinkwasser gibt. Nicht zu beneiden ist der Bombenentschärfer in voller Montur, der zusammen mit einem ebenfalls komplett ausgerüsteten Kommandosoldaten geduldig für Erinnerungsfotos posiert. Doch nicht nur der Schweiß strömt. Selbst am frühen Nachmittag wollen noch Tausende Menschen auf das Gelände, einige Interessierte drehen angesichts der Warteschlangen um und treten den Rückzug an. Ich hingegen bin froh, rechtzeitig losgefahren zu sein und sagen zu können: „Ich war da!“
Deutlich entspannter war es bereits am Vortrag auf dem Gelände zugegangen. Beim sogenannten Spotter Day gab es für diejenigen, die sich im Vorfeld angemeldet hatten, Gelegenheit, die dynamischen Vorführungen in aller Ruhe zu verfolgen. Rund 350 Gäste aus dem In- und Ausland ließen sich die Chance nicht entgehen, bei der Generalprobe der dynamischen Vorführungen spektakuläre Film- und Fotoaufnahmen zu machen. Weil die „Knipser“ und Filmer aus nah und fern aus Sicherheitsgründen Warnwesten tragen mussten, brachten die „Spotter“ reichlich Farbe ins Grün. Mitunter konnte man meinen, man hätte sich auf eine Großbaustelle verirrt oder sei Zeuge einer Pannenserie epischen Ausmaßes geworden.
Im Vergleich zum Trubel am folgenden Tag war der Spotter Day eine geradezu beschauliche Veranstaltung. Die Teilnehmer waren trotz eines kurzen, aber heftigen Regengusses rundum zufrieden, als sie ihre Aufnahmen „im Kasten“ hatten.
Ein Video zum Tag derBundeswehr gibt es auf unserer Facebookseite: https://www.facebook.com/reel/1800798704119393
Fundsachen
Im Rahmen der Veranstaltung Tag der Bundeswehr in Munster wurden am 6. Juni verschiedene Fundsachen bei der mobilen Polizeiwache abgegeben. Hierzu zählten unter anderem Fahrzeugschlüssel sowie ein Fingerring. Personen, die entsprechende Gegenstände vermissen, werden gebeten, sich an das Polizeikommissariat Munster, Telefon (05192) 9600, zu wenden. Darüber hinaus werden ein gelbes Samsung Galaxy S20 FE mit Glitzerhülle sowie ein gelbes Portemonnaie mitsamt Ausweisdokumenten vermisst. Sollten diese Gegenstände gefunden werden, bittet die Polizei um Abgabe beim Polizeikommissariat Munster oder beim Fundbüro der Stadt Munster.
Zwei Leichtverletzte
Im Abreiseverkehr nach dem Tag der Bundeswehr in Munster kam es am frühen Samstagabend, 6. Juni, an der Einmündung der Kreisstraße 49 zur Bundesstraße 209 zu einem Auffahrunfall zwischen zwei Fahrzeugen der Bundeswehr. „Ein 26-jähriger Fahrzeugführer bemerkte den Bremsvorgang des vorausfahrenden Militärfahrzeugs eines 24-Jährigen zu spät und fuhr auf dieses auf. Beide Fahrzeugführer erlitten leichte Verletzungen und wurden zur weiteren Behandlung in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht“, heißt es im Polizeibericht. Der entstandene Sachschaden werde auf etwa 11.000 Euro geschätzt.