Raubkatzen, „Dackelgaragen“, Diensthunde und Drohnen

25 junge Männer und Frauen erhalten bei den „Discovery Days“ an der Panzertruppenschule Munster tiefe Einblicke in das Soldatenleben

Raubkatzen, „Dackelgaragen“, Diensthunde und Drohnen

„Discovery Days“ an der Panzertruppenschule Munster: 25 junge Frauen und Männer aus ganz Deutschland trotzten im Rahmen dieses Angebotes der Bundeswehr vor kurzem der Hitze in der Lüneburger Heide und erlebten fünf spannende Tage an der Panzertruppenschule in der Örtzestadt. Sie hatten dieses außergewöhnliche Erlebnis bei einem Quiz der Bundeswehr gewonnen. „Ein Biwak auf dem Truppenübungsplatz und weitere spannende Erlebnisse werden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben“, berichtet Hauptmann Thomas Rotter, Presseoffizier der Panzertruppenschule.

„Tausche bunt gegen Bund“ lautete das Motto bei diesen „Entdeckungstagen“. Nach der Begrüßung in der Panzertruppenschule in Munster bezogen die Jugendlichen zunächst ihre Stuben und richteten sich dort für die nächsten Tage ein. Für einige Teilnehmer war es das erste Mal, dass diese ihr Bett selber machen und ein Zimmer teilen mussten. Mit einer kleinen Hilfestellung der Soldaten funktionierte das hervorragend und so konnten alle gemeinsam zum „Ice-Breaker“ aufbrechen. Bei lockeren Gesprächen wurden erste Berührungsängste überwunden, wichtige Einstiegsinformationen vermittelt und es entwickelte sich sehr schnell ein „Gruppen-Gefühl“ - das Eis war gebrochen.

Am nächsten Tag wurden die Besucher bei der Bw-Bekleidungsmanagement GmbH Munster eingekleidet. „Allein schon, dass wir eine Uniform und eine umfangreiche Ausrüstung erhalten haben, ist klasse. Das hätte ich nicht erwartet“, so der 18-jährige Jan Reale. Neben der Uniform wurden Schlafsack, Helm, Nässeschutz, Handschuhe, Zeltbahn und weitere nützliche Ausrüstungsgegenstände in den Rucksäcken verpackt. Beim Verpacken und dem Gebrauch der Ausrüstung standen der Besuchergruppe Soldaten als Ausbilder zur Seite.

Machen und Erleben

Den jungen Teilnehmern sollten die Besonderheiten des Soldatenberufs im praktischen Tun vermittelt werden. Daher verzichteten die Ausbilder der Schule gepanzerte Kampftruppen auf lange Theorieeinheiten. Schon zu Beginn hieß es daher für die eingeteilten Gruppen „…Ihr Auftrag ist es…“ - und so stellten die Ausbilder ihre Gruppen vor verschiedene Aufgaben. Beispielsweise musste auf der Lehr-Trainingsanlage, auch als „LeTrA-Bahn“ bekannt, ein circa drei Meter breiter Graben mit vier Holzstücken und einem Seil überwunden werden. „Ich wollte mich hier als Gruppenführer ausprobieren, weil ich für mich den Anspruch habe, Führung zu übernehmen“, sagte der 18-Jährige Tobias Maly. Für ihn bot sich hier die Möglichkeit, sich als Führungspersönlichkeit auszuprobieren. Von der Gruppe werden bei den Bundeswehr „Discovery Days“ Teamgeist und Koordination erwartet und gefordert. So müssen die Hindernisse der LeTrA-Bahn mit der gesamten Gruppe überwunden werden. Ein Feedback über die Leistungen der Gruppe gaben die Ausbilder - und zwar offen und ehrlich. Weiter konnten sich die Quizgewinner und -gewinnerinnen noch die Großfahrzeuge der Panzertruppenschule anschauen. „Ich bin erstaunt, wie viel Technik und Möglichkeiten in so einem Panzer stecken. Was die Panzerbesatzung so alles können muss“, schilderte der 16-Jährige Gabriel Samse seine Eindrücke von einem Leopard 2 A7V, dem modernsten Kampfpanzer der Bundeswehr.

Panzergrenadiere

Bei den Soldaten der IX. Inspektion konnten die jungen Besucherinnen und Besucher erleben, was es heißt, Panzergrenadier zu sein. Fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmern bezeichneten den Besuch bei den Grenadieren und ihren Raubkatzen, den Schützenpanzern Puma, als Highlight der „Entdeckungstage“. „Wahnsinn, wie die Grenadiere loslegen, wenn es darauf ankommt. Den Gefechtsdienst des Offizierlehrgangs 3 zu erleben, war sehr imposant“, unterstrich Noel Bütergerds. Der 18-Jährige hat bereits Erfahrung mit der Bundeswehr, ist sein Bruder doch Soldat. Allerdings ist der ältere Bütergerds schon Hauptmann und Hörsaalleiter an der Heeresaufklärungsschule in Munster. „Panzerfahren war ein totales Highlight für mich, genauso wie die verschiedenen Möglichkeiten der Panzergrenadiere“, berichtete Gabriel Samse. Nachdem die Panzergrenadiere ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt hatten, räumten diese ihren Platz in den Pumas, damit die 25 jungen Frauen und Männer in den Fahrzeugen auf dem Gelände des Übungsplatzes auch die „Faszination Panzerfahren“ erleben konnten.

Sanitäter

„Die Sanitätsausbildung war sehr anschaulich. Wir konnten uns in Erster Hilfe ausprobieren. Die Soldaten, die die Verletzten darstellten, agierten sehr realistisch - die waren als Verletzte sehr professionell“, schmunzelte Weronika Glazik. Die 18-Jährige schildert so ihre Erlebnisse bei den Sanitätern. Diese informierten über die Möglichkeiten und die Abläufe in der Rettungskette. Nach einer kurzen Einweisung wurden einige Grundlagen der Erste-Hilfe-Maßnahmen vermittelt, die dann an Übungsverletzten praktisch angewandt werden konnten. Spätestens hier wurde das Thema Tod und Verwundung und die Ernsthaftigkeit des Soldatenberufs jedem der jungen Besucher bewusst.

Leben im Felde

Mit den Ausbildern der Heeresaufklärungsschule ging es am bis dato wärmsten Tag des Jahres raus ins Gelände. „Die Ausbilder sind sehr gut, auf das ausreichende Trinken von Wasser und Pausen im Schatten wurde sehr viel Wert gelegt. Ich trinke hier viel mehr Wasser als Zuhause“, lobte die 17-Jährige Lorinda Reichert die Soldaten. Im nördlichen Teil des Truppenübungsplatzes Munster galt es für die jungen Besucher, sich für die Nacht einzurichten. Die Ausbilder erklärten ihren Gruppen, wie der Soldat aus seiner Ausrüstung das Optimale rausholt. Es käme darauf an, mit dem was verfügbar ist, optimal zurecht zu kommen. So wurden die sogenannten „Dackelgaragen“ aufgestellt - ein Zelt für zwei Personen, bestehend aus zwei Zeltbahnen. Gegessen wurde das sogenannte „EPa“, wie die Einpersonenpackung genannt wird. Auch die Zubereitung dieser Einsatzverpflegung lernten die jungen Leute von ihren erfahrenen Ausbildern. „Die Ausbilder erklären Alles und machen Vieles vor. Fehler und Fragen wurden sehr gut erläutert“, meinte Lorinda Reichert. Bei Einbruch der Dunkelheit demonstrierten die Heeresaufklärer eindrucksvoll den Einsatz bei Nacht. In verschiedenen Szenarien zeigten sie bestimmte Handlungen im Gelände. Hier kam es auf ein gutes Gehör und eine gute Vorstellungskraft an. Dabei wurden auch unterschiedliche Nachtsichtgeräte vorgestellt. Nach der Nacht im Biwak nutzten die Teilnehmer die Möglichkeiten, die Ausbilder alles zu fragen, was sie zum Thema Bundeswehr noch wissen wollten. Die Soldaten gaben Hinweise auf Laufbahnen, Verwendungen und persönliche Erlebnisse. Sie berichteten aber auch offen über die Herausforderungen und Gefahren des Berufes.

Diensthunde und Drohnen

Den Abschluss des Besuchsprogramms bildeten die Feldjäger der Bundeswehr und die Drohnenspezialisten der Heeresaufklärer. Die Soldaten der 2. Kompanie des Feldjägerregiments 2 aus Munster informierten die jungen Besucher über die Aufgaben der Feldjäger - die Polizei der Bundeswehr. Ein Feldjägertrupp mit seinen Diensthunden präsentierte eindrucksvoll den Einsatz der Diensthunde. Die Fellnasen können als Spezialisten Sprengstoffe oder Betäubungsmittel aufspüren. Die Heeresaufklärer informierten an der abschließenden Station über den Einsatz von Drohnen in der militärischen Aufklärung. Dabei stellten sie die Unterschiede der Reichweiten und die damit verbundenen Einsatzmöglichkeiten heraus. „Mir war nicht klar, dass alle Einheiten der Bundeswehr so zusammenarbeiten und nur dadurch Erfolg haben“, merkte Paul Müller an.

Abschließend fasste der Personalstabsoffizier der Panzertruppenschule, Oberstleutnant Mike Jablinski, die Woche zusammen: „Ein beachtlich hoher Teil dieser hoch motivierten Jugendlichen hat bereits sehr klare Vorstellungen über eine mögliche Karriere bei der Bundeswehr, zumeist als Offizier. Deutlich wurde für mich jedoch noch mal, dass die jungen Leute von heute mehrgleisig fahren und dass die Bundeswehr gut beraten ist, die nun bestehende Bindung zu den jungen Leuten weiter zu festigen und auszubauen, um am Ende vor zivilen Mitbewerbern die Nase vorn zu haben.“

Damit endete eine spannende Woche beim Heer und vielleicht beginnt nun für einige Teilnehmer eine längere Dienstzeit bei der Bundeswehr. Die Munsteraner Ausbilder haben ihnen jedenfalls gute Einblicke in das Soldatenleben gegeben.

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