Richtfest früher als gedacht

Neubau von vier Unterkunftsgebäuden am Ausbildungszentrum in der Panzertruppenschule Munster - Fertigstellung für April 2022 geplant

Richtfest früher als gedacht

Entschuldigungen sind sicher angebracht, wenn bei einem Bauprojekt Verzögerungen auftreten. Michael Brassel hingegen bat am vergangenen Dienstag um Entschuldigung, daß die ursprünglich erst für Juli angesetzten Richtfestfeierlichkeiten vorgezogen werden und die Gäste nun bei Gluthitze schwitzen mußten: „Am 18. Januar haben wir hier mit dem niedersächsischen Finanzminister die Grundsteinlegung vollzogen - damals noch bei deutlich kühleren Temperaturen“, so der Bauamtsleiter des Staatlichen Baumanagements Lüneburger Heide. Zu verdanken sei der enorm zügige Baufortschritt den Handwerkern, die in den vergangenen fünf Monaten ebenfalls reichlich ins Schwitzen geraten seien „und bisher sehr gut gearbeitet haben“, lobte der Bauamtsleiter. Wenn die Teams weiterhin so schnell vorankommen, könnten die vier Unterkunftsgebäude am Ausbildungszentrum der Panzertruppenschule sogar noch vor dem angepeilten Termin - Frühjahr 2022 - fertig werden. „Ich hätte kein Problem, mich ein zweites Mal zu entschuldigen“, witzelte Brassel.

Mit den kargen, nur mit Stockbetten und Spinden möblierten Stuben früherer Zeiten haben die neuen Zimmer kaum noch etwas gemein: Die Soldaten werden in den vier Neubauten nach dem „aktuellen Unterkunftsstandard der Bundeswehr“ wohnen, und das heißt: „Einzelunterbringung mit Naßzelle“, so die Beschreibung der Bundeswehr, dazu WLAN, TV, Kühlschrank und andere Annehmlichkeiten. Bauherr des Projekts mit rund 20 Millionen Euro Investitionsvolumen ist das Verteidigungsministerium, vertreten durch das Staatliche Baumanagement Lüneburger Heide. Die Räume der dreigeschossigen Unterkunftsgebäude - alle in Massivbauweise errichtet, mit flach geneigten Walmdächern und Klinkerfassade - verfügen über eine Gesamtfläche von etwa 10.600 Quadratmetern einschließlich Technik- und Verkehrsflächen.

Insgesamt 316 Soldaten werden hier später wohnen - nur etwas weniger als Munster zur kaiserlicher Zeit vor knapp 130 Jahren Einwohner hatte: „Als der hiesige Truppenübungsplatz 1893 eröffnete wurde, lebten im Ort nicht einmal 500 Menschen“, so Christina Fleckenstein. Munsters Bürgermeisterin erinnerte in dem Zusammenhang ebenfalls an die Entwicklung der Örtzestadt, die sie auch dank des Militärs seit damals erlebt hat. „Munster hat schon immer ein besonderes Verhältnis zur Bundeswehr. Wir freuen uns sehr, daß diese vier Neubauten nun an den Standort kommen, denn gute Unterkünfte sind wichtig. Viele Soldaten und Lehrgangsteilnehmer leben zwar in Munster, können aber nach Dienstschluß nicht in eine eigene Wohnung gehen.“ Die neuen Zimmer böten jedoch weitaus mehr Komfort als die bisherigen Stuben, seien im Grunde schon fast wie kleine Apartments.

„Attraktive Rahmenbedingungen während der Ausbildung sind ein Mosaikstein bei der langfristigen Nachwuchsbindung“, erläuterte Peter Hauck vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistung der Bundeswehr. „Die neuen Gebäude bilden den Anfang zahlreicher Bauvorhaben für Unterkünfte am Standort Munster: Allein in der Panzertruppenschule sind weitere sechs Neubauten vorgesehen, in den Kasernen Schulz-Lutz werden zudem fünf, in der Hindenburg drei und in der Freiherr-von-Boeselager zwei Neubauten realisiert.“ Somit erhielten 1.570 Soldaten demnächst neue Stuben, rechnete Hauck vor: „Insgesamt werden 20 neue Unterkunftsgebäude für jeweils 78 Soldaten mit einem Gesamtbauvolumen von zirka 102 Millionen Euro in Munster errichtet.“

Die Grundsteinlegung vor nur fünf Monaten sei ein „guter Tag“ für das Ausbildungszentrum Munster, aber auch für den Standort insgesamt gewesen, hob Brigadegeneral Olaf Rohde hervor: „Ich habe damals betont, daß das Ausbildungszentrum Munster wirklich einen sehr großen Bedarf an diesen Unterkünften hat. Zum einen, weil hier in dieser Kaserne und auf den umliegenden Übungsplätzen Führerausbildung stattfindet - und diese benötigt beste Rahmenbedingungen -, aber zum anderen auch wegen des noch weiter steigenden Ausbildungsbedarfs aufgrund der laufenden ‚Trendwende Personal‘. Und auch wegen der Umstellung der Offiziersausbildung im Heer, die sich ab Anfang 2021 mit erhöhten Zahlen hier am Standort in der Kaserne Panzertruppenschule deutlich auswirken wird“, so der Kommandeur des Ausbildungszentrums weiter. Und die für 2021 gefaßten Planungen ließen vermuten, daß der Platz dann bereits knapp werden könne: „Wir sind schon heute sicher, daß wir dann weit mehr als diese neuen Unterkünfte benötigen“, betonte Rohde.

Er freue sich als Standortältester daher sehr auf die Fertigstellung der vier Objekte und lobte ebenfalls die Leistungen der Handwerker: „Was Sie in nur kurzer Zeit geschaffen haben, ist wirklich klasse.“ Der Brigadegeneral wünschte den Teams auch weiterhin ein zügiges und unfallfreies Gelingen, „und wenn ich den Baufortschritt sehe, ist es nach ‚soldatischer Raum-Zeit-Rechnung‘ schwer zu verstehen, daß es bis zur Fertigstellung nun immer noch drei Jahre dauern soll. Daher interpretiere ich als Soldat das für April 2022 avisierte Bauende sehr deutlich als ‚spätestens‘.“

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