Schulleiterin verläßt ihre „zweite Familie“

Große Abschiedsfeier für Silke Meyer am Gymnasium Munster

Schulleiterin verläßt ihre „zweite Familie“

Es war wohl keine offizielle Anweisung, doch ihr Wunsch wurde einfach ignoriert: „Bloß keine große Sache daraus machen und den Termin sachlich abarbeiten“ - das sei die Vorstellung der scheidenden Schulleiterin für ihre Verabschiedung gewesen, erklärte Markus Bewernick. Damit leitete der Schulfachliche Koordinator als Moderator das genaue Gegenteil eines kurzen, knappen und sachlichen Termins ein: Denn Kollegium und Schüler sowie Vertreter der Verwaltung bereiteten für Silke Meyer eine besonders herzliche, unterhaltsame und fast zweistündige Feier mit rührenden Reden und mitreißender Musik. Ein Stück, das die Band bei der Veranstaltung am letzten Schultag vor den Ferien gleich zum Auftakt spielte, war „Gonna Fly Now“. Und die weltberühmte Titelmelodie aus „Rocky“ charakterisierte treffend die Zeit der Oberstudiendirektorin an der Spitze des Gymnasiums Munster: „Sie hat sich immer gut durchgeboxt“, so Bewernick.

Buchstäblich boxen musste Meyer natürlich nicht wie „Rocky“ im Ring, aber zahlreiche Kämpfe hat sie dennoch ausgefochten: „Sie musste vieles meistern“, erinnerte der Schulfachliche Koordinator an die vergangene Dekade. Von zahlreichen Umstellungen im Unterricht über Umbau und Erweiterung der Schule bis hin zur Pandemie und dem Umgang mit dem Krieg - „und sie hat dabei alle und alles im Blick behalten. Das ist wirklich bemerkenswert“, hob Bewernick die Leistungen der Oberstudiendirektorin hervor. Die ist nun in den Ruhestand gegangen: „Nach mehr als 35 Jahren im Schuldienst, in denen sie rund zehn Jahre lang das Gymnasium Munster erfolgreich geleitet hat, verläßt sie jetzt ihre zweite Familie“, so der Moderator. Denn Meyer habe die Schule stets wie die „Leiterin eines Familienunternehmens“ geführt.

Und auch außerhalb der Familie genoß Meyer hohes Ansehen, war beliebt und geschätzt. Für manche seiner Verwaltungsmitarbeiter sei sie sogar „Lieblingsmensch der Lieblingsschule“ gewesen, gab Landrat Jens Grote die Worte seines Teams wieder. Und er selbst sparte ebenfalls nicht mit Lob: „Sie hatte eine besondere Verbindung zu den zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landkreises.“ Dieser habe als Träger zwar alle Schulleitungen und Schulen gleichermaßen gern, aber Munster sei schon ein besonderer Standort. „Und obwohl ich in meiner Amtszeit bisher noch nicht so lang mit Frau Meyer zusammengearbeitet habe, stimmte die Chemie und die Zusammenarbeit war wirklich sehr gut“, so Grote.

Welch komplizierte Aufgabe Meyer in ihrer Amtszeit habe meistern müssen, beschrieb der stellvertretende Schulleiter Dr. Wolfgang Kruse mit einem Zitat des Autors Wolf Müller-Limmroth: „Der Schulleiter hat die Aufgabe, eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und Behinderten bei Nebel durch unwegsames Gelände in nord-südlicher Richtung zu führen, und zwar so, dass alle bei bester Laune und möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Zielen ankommen.“

Und ihre drei „Parteien“ hat die Oberstudiendirektorin zu verschiedenen Zielen geführt, schütteten Kollegen, Schüler und Eltern - alle bestens gelaunt - bei der Verabschiedung doch das Füllhorn des Lobes über die Gymnasiumsleiterin aus: „Ihr hoher Einsatz war immer auch eine Motivation für uns Eltern“, so Michael Mautz vom Schulelternrat. „Die Nerven, die Sie für die Schule gehabt haben, hätte sonst keiner gehabt“, ergänzte sie stellvertretende Schülersprecherin Jette Vogel. Das Kollegium schließlich würdigte die scheidende Chefin mit einem Lied - und abermals mit „Befehlsverweigerung“: Meyers Wunsch, „sich mit Blumen zurückzuhalten“, begegneten die Lehrerinnen und Lehrer mit einer umgedichteten Version von „Vielen Dank für die Blumen“ (in „Vielen Dank für die Schule“) - und jede Lehrkraft überreichte nach dem Ständchen noch eine Blume an die Schulleiterin.

Die nahm es mit Humor - und anschließend ihre „Papiere“ entgegen: Wolfgang Broy, Dezernent der Landesschulbehörde, überreichte Meyer zur Verabschiedung in den Ruhestand die entsprechende Urkunde und ließ sich dem Empfang zudem quittieren. Es blieb der einzige und kurze bürokratische Abschnitt der Veranstaltung. Für die bedankte sich Meyer bei allen vor und hinter der Bühne, aber auch bei ihrer „ersten Familie“: „Meine Familie hat immer Verständnis dafür gehabt, dass ich so viel Zeit für die Schule aufgebracht habe.“ Vom vielen Lob und all der Anerkennung sei sie „überwältigt und tief berührt“, verabschiedete sich die Gymnasiumsleiterin.

Meyer hat nun „ganz große Ferien“, ihre Amtszeit endet aber offiziell erst am 31. Juli. Für die Nachfolge ist bisher keine Entscheidung gefallen. Sollte die Position bis Ende des Monats noch nicht neu vergeben sein, wird Kruse als kommissarischer Leiter zusammen mit dem Schulleitungsteam die Aufgaben übernehmen.

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