Soldaten aus der Slowakei lernen in Munster „Leo-Fahren“

Panzer-Ringtausch: 16 Fahrer werden derzeit in der Örtzestadt ausgebildet

Soldaten aus der Slowakei lernen in Munster „Leo-Fahren“

„Ringtausch“ - das haben die meisten bis zum russischen Angriff auf die Ukraine wohl zu allererst mit der Zeremonie beim Eintritt in heiligen Bund der Ehe in Verbindung gebracht. Doch seit Ausbruch des schrecklichen Krieges taucht der Begriff auf ganz anderer Ebene immer wieder in den Medien auf, geht es doch - gänzlich unromantisch - um modernes Kriegsgerät, das zwecks Unterstützung der Ukraine zwischen verschiedenen Nationen getauscht wird. Und wegen eines sogenannten Panzer-Ringtausches mit der Slowakei war am heutigen Donnerstag auch der Heeresstandort Munster im Blickpunkt überregionaler Medien. Die slowakischen Streitkräfte erhalten nämlich deutsche Kampfpanzer aus Beständen der Rüstungsindustrie. Dafür wird die Slowakei Schützenpanzer sowjetischer Bauart an die Ukraine abgeben, die aufgrund der Erfahrung der dortigen Soldatinnen und Soldaten mit dem Gerät unverzüglich zur Landesverteidigung eingesetzt werden können. Das Fahren der Leopard-Kampfpanzer erlernen slowakische Soldaten derzeit am Kraftfahrausbildungszentrum der Streitkräftebasis in Munster.

Den Ringtausch mit der Slowakei hatte das deutsche Verteidigungsministerium schon vor einigen Monaten vereinbart. Demnach liefert die Slowakei 30 Schützenpanzer sowjetischer Bauart an die Ukraine und erhält dafür 15 Kampfpanzer des Typs Leopard 2 A4. Beide Seiten hatten seinerzeit in Bratislava die entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet, die auch die militärische Zusammenarbeit zwischen den NATO-Partnern stärken solle. Damit stehe Deutschland zu seinem Wort, betonte damals die deutsche Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD). In der Lieferung enthalten sei neben den Kampfpanzern auch ein Munitions-, Ausbildungs- und Logistikpaket. „Noch in diesem Jahr soll der erste Kampfpanzer das slowakische Heer erreichen. Der Ringtausch bewährt sich neben unseren direkten Waffenlieferungen also als sinnvoller Weg, um den Überlebenskampf der Ukraine schnell und effektiv zu unterstützen“, so Lambrecht.

Einblicke in die Ausbildung der Soldaten aus der Slowakei erhielten Medienvertreter am heutigen Donnerstag auf Einladung des Presse- und Informationszentrums der Streitkräftebasis mit Sitz in Bonn in der Örtzetal-Kaserne und auf dem Truppenübungsplatz in Munster. Auf letzterem wurde den Journalisten die reguläre Ausbildung präsentiert. Zu sehen war, wie die Slowaken lernen, den Leoparden im Gelände zu bändigen. Weil die tonnenschweren Raubkatzen von 1.500 Pferdestärken auf Touren gebracht werden, war die Präsentation der Ausbildungsinhalte in der Praxis alles andere als eine Vorführung der leisen Töne. Gut, dass die Verantwortlichen alle „Beobachter“ mit Gehörschutz ausstatteten.

Die „Fahrschüler“ aus der Slowakei mussten mit den speziellen Fahrschul-Leoparden, die über eine Kabine für den Ausbilder verfügen, eine 60 Prozent hohe Steigung meistern, einen zwei Meter breiten Graben überqueren und eine knapp 1,20 hohe „Kletterkante“ überwinden. Schnelles Rückwärtsfahren steht ebenso auf dem Ausbildungsprogramm wie eine umfangreiche Technikschulung. Schließlich ist jeder Kraftfahrer für sein „Auto“, wie Bundeswehrsoldaten ihre Kampfpanzer augenzwinkernd nennen, verantwortlich.

Derzeit werden in zwei Durchgängen jeweils acht Soldaten trainiert. Die 16 Panzerfahrer aus der Slowakei sind gemeinsam mit einem Bus angereist und werden insgesamt 19 Tage in der Örtzestadt bleiben. 140 Ausbildungsstunden stehen auf dem Plan, von denen 83 dem Technikbereich gewidmet werden. Unter anderem wird auch der Kettentausch und das Auswechseln der Kettenpolster geübt. Geschult wird in englischer Sprache, bei Bedarf helfen Dolmetscher. Natürlich sind die Gäste aus der Slowakei in Sachen Kampfpanzer keine Fahranfänger, sondern haben teils jahrelange Erfahrung in diesem Metier. Allerdings sind sie bislang mit T-72-Kampfpanzern sowjetischer Bauart vertraut. Das Fahren des „Leos“ sei schon anders, berichtete ein Soldat des slowakischen Heeres. Der T-72 werde mit Hebeln gesteuert, während der deutsche Kampfpanzer mit einem Lenkrad in der Spur gehalten werde. Das sei schon ein anderes Fahrgefühl. Beeindruckend sei die Leistung des Leopard 2A4, zudem sei er mit seinem hydromechanischen Schalt-, Wende- und Lenkgetriebe komfortabel zu fahren. „Alle Unterschiede aufzuzählen, das würde viel zu lange dauern“, sagte der Soldat in englischer Sprache in die Kameras und Mikrofone der Reporter. Die Ausbildung in Munster sei „great“, also großartig, wobei ganz besonders der praktische Teil Spaß mache.

Die Ausbildung an der Waffenanlage des Panzers wird voraussichtlich die Panzerlehrbrigade 93 übernehmen, eventuell werden die slowakischen Soldaten auch in Österreich das Schießen mit scharfer Munition trainieren. Erst einmal sind jedoch die Fahrer gefordert, die in der Örtzestadt noch ein wenig „büffeln“ müssen.

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