Termin auf April verschoben: Podiumsdiskussion zum Thema „Sterbehilfe - Tabubruch oder Ausweg?“

Hospizdienst „Lebensbrücke“ sagt Veranstaltung angesichts rasch steigender Inzidenzzahlen ab

Termin auf April verschoben: Podiumsdiskussion zum Thema „Sterbehilfe - Tabubruch oder Ausweg?“

„Wir haben uns angesichts der rasch steigenden Inzidenzzahlen schweren Herzens dazu entschieden, die Veranstaltung am 19. November abzusagen“, so die Mitteilung von Melanie Bade vom 16. November. Doch die Koordinatorin des Hospizdienstes „Lebensbrücke“ und ihre Kolleginnen bauen auf das kommenden Frühjahr: „Die Veranstaltung werden wir im April nachholen.“ Geplant war für den 19. November eigentlich eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Sterbehilfe - Tabubruch oder der letzte Ausweg?“ im Soldatenheim „Oase - Zum Oertzetal“ in Munster.

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Beim Thema Sterbehilfe gehen die Ansichten nicht sehr selten stark auseinander - und das ebenso bei jenen, die fast täglich mit dem Tod konfrontiert werden: So haben auch die Helferinnen und Helfer des ambulanten Hospizdienstes „Lebensbrücke“ im Kirchenkreis Soltau durchaus unterschiedliche Meinungen zum selbstbestimmten Ende des Lebens. Ein Grund für die Koordinatorinnen der Einrichtung, einmal die Frage zu stellen: „Sterbehilfe - Tabubruch oder der letzte Ausweg?“ Unter dieser Überschrift steht die Podiumsdiskussion, zu der die „Lebensbrücke“ für den 19. November um 19 Uhr nach Munster einlädt. Im Soldatenheim „Oase - Zum Oertzetal“ (nicht wie ursprünglich angekündigt in der Stadtbücherei Munster) sollen die verschiedenen Aspekte betrachtet werden. Bei der Veranstaltung gelten die 3G-Regeln.

Elke Conrad, Melanie Bade und Marianne Kraft gaben kürzlich bei einem Pressegespräch in Soltau Einblick in die aktuellen Regelungen: So hatte der Bundestag 2015 Ärzten verboten, „Suizidbeihilfe“ zu leisten, doch das Bundesverfassungsgericht hat dies mittlerweile für verfassungswidrig erklärt. „Die Regelung ist im Februar 2020 gekippt worden und seitdem ist ein sogenannter assistierter Suizid in Deutschland im Grunde erlaubt“, erläutert Bade. Sie und die beiden anderen „Lebensbrücke“-Koordinatorinnen sind allerdings der Meinung: Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine mögliche „geschäftsmäßige Suizidbeihilfe“ seien da durchaus diskussionsbedürftig.

Und genau das soll am kommenden Donnerstag passieren - dafür hat der Hospizdienst Gäste eingeladen, die aus unterschiedlichen Lagern und Bereichen kommen: „Auf dem Podium sitzen werden Dr. Claudia Hölzenbein, Allgemein- und Palliativmedizinerin mit Praxis in Soltau, Heike Bade, Krankenschwester und Mitglied im Ethikkomitee der Diakovere/Hannover, sowie Uta Petschull, Juristin aus Soltau, und Heiko Schütte, Superintendent des Kirchenkreis Soltau“, so Bade. Für sie und ihrer Kolleginnen geht es nicht allein um Befürwortung oder Ablehnung der Sterbehilfe, sondern sie stellen auch die Frage in den Raum: „Was macht das mit einer Gesellschaft, wenn die Option gegeben ist, den letzten Gang zum Arzt zu wählen, wenn man nicht mehr leben möchte?“

„Daraus ergeben sich weitere interessante Fragen - und es gibt dabei keinen wirklichen Rahmen“, meint Bade. Denn eine „Erlösung“ Sterbenskranker in einer schmerzvollen Endphase des Lebens sei das eine, ein junger Mensch, der an Depressionen leidet und keinen Ausweg sieht, das andere. Wo solle man anfangen, wo aufhören? „Es braucht einen klaren gesetzlichen Rahmen“, so Conrad. Und weiter: „Außerdem ist das Gespräch über das Thema sehr wichtig, denn allein aus der Möglichkeit zur Sterbehilfe könnte auch eine Art gesellschaftliche Druck entstehen.“

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