Sonnencreme im Februar

Schuler des Gymnasiums Munster bereiten Schulgarten für Aussaat vor

Sonnencreme im Februar

Bei der Vorbereitung des Schulgartens, der eine Förderung aus dem europäischen „Erasmus +“-Programm erhält (HK berichtete), „hätten wir bei Winterwetter jetzt eigentlich den theoretischen Teil im Klassenraum behandelt“, erklärt Theda Bruns. Stattdessen verteilte die Lehrerin am vergangenen Mittwoch Sonnen-creme an die Schüler, die bei blauem Himmel und knapp 20 Grad im T-Shirt die Beete jäteten - und das im Februar. Daß da etwas nicht stimmen kann, „das ist den Schülern durchaus bewußt“, weiß Dr. Wolfgang Kruse. Daher, so könne sich der stellvertretende Schulleiter des Gymnasiums Munster vorstellen, könnten am Ende des Projektes auch die Zusammenhänge mit dem der Klimawandel Thema werden. Bis dahin gibt es aber noch viele Schritte zu erledigen - aktuell die Vorbereitung der Aussaat.

Dennoch bereitete den Schülern bei ihrem Außeneinsatz das „T-Shirt-Wetter“ natürlich mehr Freude als Eis und Schnee: „Es macht wirklich Spaß“, so die Kinder unisono, „mehr als die Gartenarbeit zu Hause“, fügen einige hinzu. Die insgesamt zehn Mädchen und Jungen sind zusammen in der AG, die sich um den Schulgarten kümmert, der dank einer Kooperation mit der Grundschule im Örtzetal auf deren Gelände entsteht.

Die Siebtkläßler indes kommen vom gegenüberliegenden Gymnasium Munster, das zusammen mit der Schule Liceo Carlo Urbani der italienischen Partnerstadt Muggio an dem Projekt „School gardening - a new approach for sience in school“ teilnimmt. Beide Schulen erhalten für die Umsetzung zusammen 40.000 Euro aus dem „Erasmus +“-Fördertopf, 24.000 Euro entfallen dabei auf das Gymnasium Munster.

Dessen AG stattete den Partnern in Italien - auch dort sind zehn Kinder direkt an dem Vorhaben beteiligt - im vergangenen Jahr einen Besuch ab: „Das Ziel des Treffens war der Austausch und das Kennenlernen der Kultur, aber natürlich sollten sich die Kinder auch untereinander kennenlernen“, so Kruse. Das klappte so gut, daß es nicht beim förmlichen Austausch der Schulen blieb, „die Schüler sind auch über Plattformen wie ‚WhatsApp‘ fleißig in Kontakt“, freut sich der stellvertretende Leiter. Er lobte ebenso das Engagement der Eltern der italienischen Kinder, die sich „ein Bein ausgerissen“ hätten, um die jungen Gäste aus Munster quasi als „zusätzliches Kind“ in die Familie zu integrieren. Er freue sich nun schon auf den Gegenbesuch aus Muggio, der vom 31. März bis zum 4. April ansteht.

Bis dahin wird sich sicher auch am hiesigen Schulgarten einiges getan haben: Wir wollen den Schulgarten voll in den Unterricht integrieren“, so Kruse, „und das auf vielfältige Weise.“ Regionale Nutzpflanzen wie Buchweizen, Kartoffeln, Guter Heinrich, Schwarzwurzeln oder Pastinaken sollen dort ebenso angepflanzt werden wie sogenannte Färberpflanzen, etwa Indigo, Färberdistel oder Färberwau. „Die Kinder sollen zum einen lernen, wo manche der Pflanzen ursprünglich herkommen, deren Besonderheiten und Eigenschaften kennenlernen, zum anderen können sie die selbstgezogenen Gewächse im Unterricht untersuchen und das Gemüse natürlich auch für die Koch-AGs verwenden sowie die Färberpflanzen im Chemieunterricht unter die Lupe nehmen“, erläutert Kruse. Ferner sei ein Teil die Praxis im Garten, also beispielsweise das Gießen und mögliche Schädlingsbekämpfung, ein andere Teil die Analyse und verschiedene Berechnung, plant Kruse: „Wenn es im Unterricht etwa um die Photosynthese geht, sollen die Schüler einen direkten Einblick erhalten, wieviel CO2 etwa eine Kartoffelpflanze binden kann. Alles wird miteinander verzahnt sein und es wird sicher viele ‚Aha-Momente‘ geben.“

Auch ein Blick in die Geschichte der Landwirtschaft und alter Kulturpflanzen sowie Nutztierrassen sei bereits geplant: „Am 3. April wollen wir zusammen mit der Gruppe aus Muggio zum Freilichtmuseum am Kiekeberg nahe Hamburg fahren.“ Zurück in Munster solle es dann - ebenfalls mit der Unterstützung durch die Siebtkläßler aus Italien - an die Einsaat gehen, so der stellvertretende Leiter des Gymnasiums.

Ihm sei die Nachhaltigkeit des Projektes wichtig, „das keine ‚Eintagsfliege‘ sein soll: Die Schüler können hier in der Gesamtheit auch etwas über sich selbst erfahren“, Fragen erörtern wie „Wo komme ich her und was hat das alles mit mir zu tun?“. Und wenn am Ende der Kette die Zusammenhänge rund um den Klimawandel zur Sprache kommen, können alle an den sonnigen Februartag im Schulgarten zurückdenken - dann sicher mit freudigen Erinnerungen, denn solch schönes Wetter im Winter hebt einfach die Stimmung.

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