In 900 Tagen um die Welt: Dienstältester Attrappenbauer geht in den Ruhestand

Harald Kaiser blickt auf eine ereignisreiches Berufsleben in der Nationalen Volksarmee und in der Bundeswehr zurück

In 900 Tagen um die Welt: Dienstältester Attrappenbauer geht in den Ruhestand

Nach mehr als 41 Jahren endet zum Jahresende die Dienstzeit für den Technischen Regierungsamtmann Harald Kaiser bei der Bundeswehr. Begonnen hat Kaisers außergewöhnlicher Werdegang am 1. Januar 1980 bei der Nationalen Volksarmee (NVA) der damals noch existierenden Deutschen Demokratischen Republik.

Der einmalige Arbeitsweg von Harald Kaiser begann in der Pionierlehr- und Auswertestelle der Nationalen Volksarmee im brandenburgischen Storkow. Dort arbeitete bereits sein Vater als Spezialist in der Konstruktion für den Attrappenbau und legte mit seiner Tätigkeit in der Nationalen Volksarmee die Grundlagen für den Attrappenbau. Zunächst als Schlosser und Bearbeiter für Spezialerprobungen von Pioniermaschinen, wurde Kaiser wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Erprobung und Konstruktion von Attrappen.

„Die Arbeitsbedingungen waren damals noch ganz andere. Mittlerweile erleichtern Computer, moderne Maschinen und Rauchabzüge die Arbeit,“ so Kaiser. Ganz ohne Internet und Videokonferenzen absolvierte Kaiser zwischen 1980 und 1991 zwei Studiengänge im Fernstudium. Seit 1991 darf er sich Diplomingenieur für Maschinenbau nennen. Nach der Wiedervereinigung wurde der Technische Regierungsamtmann Anfang der 1990er Jahre in die Bundeswehr als Wissenschaftlicher Mitarbeiter übernommen. Der Pionierstützpunkt Storkow wurde 2007 als Technologiestützpunkt Tarnen und Täuschen (TStp T/T) der Heeresaufklärungsschule im niedersächsischen Munster unterstellt und gehört damit zur Panzertruppenschule.

Der TStp T/T ist das Kompetenzzentrum der Bundeswehr für die Themenbereiche Tarnen und Täuschen. Ein wesentlicher Teilaspekt dabei ist der Attrappenbau von Fahrzeugen, Minen, Waffen sowie Turmattrappen.

Der Einzigartigkeit seines Postens und seinem Fachwissen verdankt der 65-jährige Kaiser zahlreiche weltweiten Dienstreisen. Seit 1993 bereiste er bei 225 Dienstreisen in mehr als 900 Tagen die USA, Belgien, Frankreich, die Niederlande und viele weitere Länder. Mit seinem Fachwissen über die Konstruktion von Attrappen und die Möglichkeiten von Tarn- und Täuschmitteln war er die Fachkompetenz der Bundeswehr.

„Harald Kaiser ist der geistige Vater hinter unzähligen Projekten und Aushängeschildern seines Kompetenzbereichs. Mit seinem Motto ‚Machen nicht klagen‘, seiner zurückhaltenden und unaufgeregten Art, war Herr Kaiser ein Garant für Beständigkeit im TStp T/T,“ lobte der Leiter der Heeresaufklärungsschule und General der Heeresaufklärungstruppe, Oberst Ralph Malzahn, den Ausscheidenden. Harald Kaiser verlässt als Leiter der Konstruktion und stellvertretender Dienststellenleiter ein hervorragendes Team. Dazu gehören neben vier Soldaten und einem Beamten auch acht Handwerker. Die Handwerker sind allesamt Spezialisten in ihren Gewerken und maßgeblich am guten Gelingen der Projekte beteiligt.

„Wir waren früher schon ein eingeschworenes Team und das ist nach wie vor prägend für unsere kleine Dienststelle. Hier in Storkow unterstützen wir uns alle gegenseitig,“ beschreibt Kaiser das gute Verhältnis in der kleinen „Truppe“. Seine Verabschiedung fand kürzlich coronabedingt im kleinen Kreis in Munster statt.

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