Verein am 1. April 2020 gründen

Munster: Vorbereitungen für Fusion der fünf großen Sportclubs schon weit fortgeschritten

Verein am 1. April 2020 gründen

Wenn es in den vergangenen Monaten still geworden ist um die geplante Fusion der fünf großen Munsteraner Sportvereine, dann nicht deshalb, weil es auch Stillstand gegeben hätte. Im Gegenteil - die Vorstände sind eifrig dabei, den Weg für einen Zusammenschluß von SVM, ESV, VfB sowie Breloher SC (BSC) und SV Trauen-Oerrel (SVTO)zu bereiten. Über den Stand der Dinge sprachen am vergangenen Mittwoch, dem 26. Juni, Vertreterinnen und Vertreter der fünf Clubs im Vereinsheim des Breloher SC, denn, so BSC-Vorsitzender Heinz Wagner, „wir haben uns vorgenommen, regelmäßig zu informieren.“ Dabei gab es mit dem 1. April 2020 schon einen angepeilten Termin zu vermelden, an dem, wenn alles gut läuft, der neue Verein aus der Taufe gehoben werden soll.

Noch einmal zur Erinnerung: Nach vorbereitenden Überlegungen gab es am 11. Januar 2019 in der Festhalle eine öffentliche Veranstaltung, auf der die Vereinsspitzen über die Fusionsidee informierten. Grund dafür sind Probleme, wie sie derzeit zahlreiche Sportvereine betreffen: Sinkende Mitgliederzahlen, fehlende Kandidatinnen und Kandidaten für die ehrenamtliche Vorstandsarbreit, aber auch zunehmende Bürokratie und „Papierkram“ sowie der demographische Wandel machen es den Clubs schwer. Und so gilt auch hier offensichtlich die Erkenntnis: „Gemeinsam sind wir stärker.“

„Die Vorstände sind sich über die Notwendigkeit einer Fusion einig“, betont Thekla Oetjens-Breitenfeld, 2. SVM-Vorsitzende. Und auch in den Vereinen selbst herrscht offenbar Konsens: „Vor rund drei Monaten sind die jeweiligen Jahreshauptversammlungen gelaufen, auf denen dann auch die Mitglieder informiert worden sind, die am 11. Januar nicht dabeisein konnten. Die Mitglieder aller Vereine haben uns dabei grünes Licht gegeben, den Weg weiterzugehen und die Fusion vorzubereiten“, so Wagner. VfB-Vorsitzender Michael Zappe schränkt alerdings ein: „Die Mitglieder haben uns damit eine Tendenz vorgegeben, aber über die Fusion abgestimmt haben sie noch nicht.“

Damit werden sich die Vereine befassen, wenn die wesentliche Eckpunkte stehen. Dazu Zappe: „Es gibt mehrere Workshops, um die Fusion vorzubereiten. Und da sind auch noch einige Fragen zu klären, die bis hin zu Bankangelegenheiten reichen. So haben wir beispielsweise auch einen Juristen eingebunden, um rechtlich immer auf der sicheren Seite zu sein.“ So müsse zeitnah und vor der Auflösung der derzeitigen Vereine ein neuer Verein mit entsprechender Satzung gegründet werden, um einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten. Diese Gründung, so Zappe, „würden die Vorsitzenden und ihre Vertreter übernehmen.“ Auch Oetjens-Breitenfeld unterstreicht: „Es muß also alles genau vorbereitet sein und der neue Verein rechtzeitig gegründet werden.“ Das soll, wie gesagt, zum 1. April 2020 geschehen.

Danach, so Zappe zum weiteren Prozedere, „lösen sich die alten Vereine sukzessive auf“, um im neuen aufgehen zu können. Damit das reibungslos funktionieren könne, hebt Wagner hervor, müßten die Vereine erst ihre Satzungen entsprechend ändern: „Manche haben das schon getan, andere noch nicht. Das braucht etwas Zeit.“

In der Praxis, darauf weist Zappe hin, gebe es in vielen Bereichen bereits eine gute Zusammenarbeit. Im Fußballbereich laufe es ebenfalls, obwohl es hier „Herausforderungen“, also Unstimmigkeiten mit einigen jugendlichen Spieler, gebe.

„Die Sparte Turnen hat sich auch schon mehrfach zusammengesetzt. Mit mehr 1.000 Personen ist dies die größte Sparte, für die es dann nicht nur einen Leiter geben kann. Aber alles sind sich einig, und es läuft gut“, berichtet Oetjens-Breitenfeld. „Auch weitere Sparten wie etwa Leichtathletik laufen gut gemeinsam. Andere Sparten wie beispielsweise Tischtennis oder Badminton können durch die Zusammenarbeit wieder aufwachsen“, so Zappe.

Aktuell, so Kai-Uwe Hickl, ESV-Schatzmeister und Sprecher aller Munsteraner Vereine, hätten die fünf Sportvereine 3.200 Mitglieder: „Bei einer Fusion wären es dann - um Doppelmitgliedschaften bereinigt - 3.050. Nach dem TV Jahn Schneverdingen mit rund 3.500 Mitgliedern wären wir dann der zweitgrößte Verein im Heidekreis. In diesen neuen Verein wird der ESV dann auch seine Jugendstiftung mit einem Vermögensstock von 150.000 Euro einbringen.“

Was die Beiträge für den neuen Verein betreffen, so solle das bisherige Modell zunächst beibehalten werden, so Hickl weiter. „Und wir wollen erst einmal auf Zusatzbeiträge für teure Sportarten verzichten. Wir werden bei den Beiträgen aber eine moderate Anpassung vornehmen müssen, schließlich werden 21 Sportarten geboten. Wir rechnen dann mit einem Jahresumsatz von rund 500.000 Euro.“

Aber Vereinsfusionen sind nicht nur eine Frage der Einnahmen und Mitgliederzahlen, sondern auch der jeweiligen Traditionen. Dazu Torsten von Scheffer, 2. SVTO-Vorsitzender: „Wir haben einen Arbeitskreis, der sich mit diesen Vereinstraditonen befaßt. Sie sollen so lange weitergeführt werden, wie Interesse an ihnen besteht.“ Und SVTO-Vorsitzender Andreas Ebeling ergänzt: „Dazu zählen auch bestimmte Gruppen, die es schon lange gibt und die erhalten bleiben.“ Aber natürlich müsse auch ein neuer Verein Traditionen entwickeln. Dazu jedoch braucht er zunächst einen Namen, der das Wort Munster beinhaltet, und ein Logo, in dem der Drache aus dem Stadtwappen vorkommen soll. Wer hier Ideen hat, kann sich schon jetzt an die Vereinsvorsitzenden wenden. Die wollen nach der Sommerpause aber noch einmal ganz gezielt mit diesem Thema an die Öffentlichkeit treten.

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