Verkehrssicherheit: „Löwen“ spenden 6.300 Euro für zwei Projekte

Neues Geschwindigkeitsdisplay für Munster und Bispingen und ein geplanter Verkehrsübungsplatz mit Jugendverkehrsschule in der Örtzestadt

Verkehrssicherheit: „Löwen“ spenden 6.300 Euro für zwei Projekte

Munsters Bürgermeisterin Christina Fleckenstein und Bispingens Bürgermeister Dr. Jens Bülthuis können sich jeweils noch gut an die Zeiten erinnern, in denen sie in jungen Jahren in den „Familienkutschen“ von den Eltern chauffiert worden sind. „Als ich Kind war, gab es keine Kindersitze und keine Gurte hinten. Und wir saßen zu viert auf der Rückbank“, so Fleckenstein. „Hinten zu viert - das war doch Luxus. Ich bin quasi im Auto meines Vaters groß geworden und war vorn im Wagen in ein Stofftuch eingehängt“, entgegnete Bispingens Gemeindeoberhaupt. Auch sein Vater war Tierarzt und hatte seinen Sohn damals bei unzähligen Fahrten von Hof zu Hof mit „an Bord“. Es hatte einen guten Grund, dass Bülthuis und Fleckenstein am heutigen Donnerstagvormittag in Sachen „Kinder-Transport“ in Erinnerungen schwelgten, hatte doch die Verkehrswacht Munster-Bispingen in ihr Vereinsheim in der Rosenstraße in Munster eingeladen. Geschäftsführer Martin Rettmer und Ehrenvorsitzender Bodo Rockmann überreichten der Bürgermeisterin und dem Bürgermeister ein sogenanntes Geschwindigkeitsdisplay, das dank des Engagements des Lions-Clubs Munster-Bispingen beschafft werden konnte. Doch das war nicht alles: Insgesamt überreichten die „Löwen“ der Verkehrswacht einen Spendenscheck in Höhe von 6.300 Euro.

Rund 2.200 Euro davon wurden in das Gerät investiert, das künftig mit seinen inneren und äußeren Werten für mehr Verkehrssicherheit sorgen soll. Insbesondere im Umfeld von Schulen und Kitas soll die Geschwindigkeitsanzeigetafel eingesetzt werden. Das Aufstellen solcher mobilen oder stationären Geräte zur Sensibilisierung des rollenden Verkehrs ist eine Präventivmaßnahme, die als erster Schritt zur Steigerung der Verkehrssicherheit gilt. Fährt ein Autofahrer zu schnell, zeigt ihm das Gerät dies über einen weinenden Smiley an. Ist das Tempo korrekt, dann gibt es zur Belohnung ein freundliches Lächeln. Diese „zwei Gesichter“ gehören längst in vielen Kommunen zum Stadtbild und leisten einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit. Zudem können Daten wie die Anzahl der gemessenen Fahrzeuge und die jeweiligen Geschwindigkeiten datenschutzkonform gespeichert werden, was wiederum dazu beitragen kann, sich einen Überblick über das Verkehrsaufkommen der inner- sowie außerörtlichen Straßen zu verschaffen, um etwa auf Bürger-anfragen reagieren oder aussagekräftige Verkehrsanalysen erstellen zu können. Sowohl Bispingen als auch Munster verfügen bereits jeweils über ein solches Geschwindigkeitsdisplay. Das zusätzliche Gerät werden sie sich künftig teilen, wobei die Verkehrswacht Munster-Bispingen angeboten hat, sich um den Hin- und Hertransport zu kümmern.

„Wir wissen alle, dass es mit Tempo 30 nicht immer so einfach ist“, betonte Rettmer - und Fleckenstein pflichtete ihm bei: „Wir erleben oft, dass Fahrerinnen und Fahrer, die für die Strasse, in der sie wohnen, Tempo 30 fordern, sich woanders aber selbst nicht daran halten. Wir könnten fünf von diesen Geräten gebrauchen. Ich freue mich, dass wir dieses jetzt gezielt an Schulen und Kitas einsetzen können, wo das besonders wichtig ist. Auch durch Elterntaxis gibt es dort viel Verkehr - und ein lachendes beziehungsweise weinendes Gesicht ist da ein tolles Mittel.“

Von großer Nachfrage wußte auch Bülthuis zu berichten. „In Bispingen wurde so eine Tafel bereits vor einigen Jahren angeschafft. Bürgerinnen und Bürger fragen intensiv danach, wenn bei ihnen zu schnell gefahren wird“, so der Bürgermeister. Und weiter: „Ich bin mir sicher, dass wir auch dieses Gerät gut einsetzen können und es in der Bevölkerung hohe Wertschätzung findet.“ Apropos: Wertgeschätzt wird auch das Engagement des Lions-Clubs, dessen Mitglieder die 6.300 Euro im vergangenen Jahr beim Nikolausmarkt gesammelt hatten. Laut Lions-Präsident Rolf Plaschka habe Rettmer den Lions-Mitgliedern die geplanten Projekte der Verkehrswacht Munster-Bispingen im Zuge einer gelungenen Präsentation vorgestellt und schlüssig dargelegt, wozu der Verein das Geld benötige. Somit hätten sich die „Löwen“ dann beim Nikolausmarkt auch mächtig ins Zeug gelegt, um die stolze Summe zusammenzubekommen. „Es war allen eine große Freude, Munsteraner und Bispinger Projekte unterstützen zu können, vor allem, weil vor Ort etwas für die Verkehrssicherheit getan wird“, unterstrich Plaschka. Natürlich unterstützten die Lions-Clubs satzungsgemäß auch internationale Hilfsprojekte, so der Präsident, „aber höchste Priorität hat für uns Unterstützung vor Ort.“ Und Schatzmeister Dr. Alexander Zörner: „In Zeiten, in denen es schwierig ist, Vereinstrukturen zu erhalten, braucht es Leute, die das Ehrenamt am Leben halten.“ Und dies sei bei der Verkehrswacht Munster-Bispingen zweifelsfrei der Fall.

„6.300 Euro - das ist ein Riesenzuschuss für uns, mit dem wir etwas bewegen können“, freute sich Rettmer. Der Verein mit seinen um die 190 Mitgliedern werde den restlichen Teil der Spende in seinen geplanten Verkehrsübungsplatz mit Jugendverkehrsschule investieren. Dieser solle auf der Parkfläche der Discothek „K2“ an der Soltauer Straße entstehen und möglichst schon im Frühjahr 2021 fertig sein. „Wir haben bereits mit dem Besitzer und den zuständigen Behörden gesprochen - und es gab viel positive Resonanz“, berichtete der Geschäftsführer und stellvertretende Vorsitzende.

Neben der Verkehrswacht sollen diesen Platz unter anderem auch die Heide-Werkstätten, die Schulen und der Seniorenbeirat der Stadt Munster nutzen können. Für die Jugendverkehrsschule soll ein Anhänger samt benötigtem Schulungsmaterial beschafft werden, der laut Bodo Rockmann dann auch von Schulen und Kitas geordert werden könne. „Man kann sie stationär und auch in anderen Ortschaften nutzen. Damit wird die Verkehrserziehung mobil“, erklärte der Ehrenvorsitzende.

Bürgermeisterin Fleckenstein, selbst langjähriges Mitglied der Verkehrswacht, ist froh darüber, dass die Zeiten ohne Kindersitze und ohne Gurte im Fond der Autos vorbei sind und sich eine ganze Menge zur Verbesserung der Sicherheit der Insassen getan hat: „Ich würde mir aber wünschen, dass die Verkehrsteilnehmer noch verantwortungsvoller werden.“

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