Verschmelzung: Munsteraner Sportvereine setzen zum Endspurt an

Mitglieder geben im Dezember in Versammlungen ihr Votum ab

Verschmelzung: Munsteraner Sportvereine setzen zum Endspurt an

Auch in Munster hat die Corona-Pandemie die Terminplanung gehörig durcheinandergewirbelt. Für die geplante Verschmelzung der fünf Sportvereine SV Munster, Breloher SC, VfB Munster, SV Trauen-Oerrel und ESV Munster waren die Startblöcke bereits installiert, im April sollte die Ziellinie überquert werden. Coronabedingt wurde das Rennen jedoch verschoben, die Initiatoren setzen erst jetzt zum Endspurt an. Im Dezember stehen die außerordentlichen Mitgliederversammlungen der fünf Vereine auf dem Programm, in denen die Mitglieder über diesen Schritt abstimmen werden. Die Verantwortlichen der Vereine sind guter Dinge, dass das gemeinsame Ziel, die „Eintracht Munster 2020 e.V.“, zum Jahreswechsel erreicht ist. Vertreter der Vereine und Erster Stadtrat Rudolf Horst informierten jetzt noch einmal über den aktuellen Stand.

Als Ort für das Pressegespräch hatten sie aus gutem Grund keines der Vereinsheime, sondern den Ollershof in der Stadtmitte gewählt, wie Alfred Mangold, Vorsitzender der SV Munster, betonte: „Wir möchten so deutlich machen, dass die Verschmelzung der Vereine auf Augenhöhe erfolgt. Jeder Verein bringt seine Tradition ein. Gemeinsam wollen wir den Sport in Munster und damit auch die Stadt voranbringen. Munster soll als Sportstadt noch sichtbarer und attraktiver werden.“

Seit rund zwei Jahren arbeiten die Vorsitzenden und Vorstände der Vereine Hand in Hand mit den Spartenleitern und Funktionsträgern an diesem Schritt. „Seitdem haben wir uns auf allen möglichen Ebenen beraten. Eine Verschmelzung kann nur gelingen, wenn die Sparten der Vereine zusammenwachsen. Und da sind wir auf einem guten Weg“, betonte Mangold. Alle Vereine seien wirtschaftlich gesund, zudem blieben die Vereinsvorsitzenden, die den neuen Vorstand bildeten, Ansprechpartner für die jeweiligen Mitglieder. Den ehrenamtlich tätigen Vorstand bilden neben Vorsitzendem Mangold (SVM) die stellvertretenden Vorsitzenden Heinz Wagner (Breloher SC), Andreas Ebeling (SV Trauen-Oerrel), Oliver Hartung (ESV) und Michael Zappe (VfB). Schatzmeister wird Kai-Uwe Hickl von der SVM-Fechtsparte, Schriftführer Reinhard Haarstick. Als Sportwartin fungiert Thekla Oetjens-Breitenfeld, als Presse- und Medienwart Harry Joneleit. Vorgesehen ist, dass das Führungsgremium in dieser Zusammensetzung für zwei Jahre die Geschicke der Eintracht leiten wird.

Nun geht es also in die letzte Runde, die Mitglieder der Vereine sind aufgefordert, ihr Votum abzugeben. Dies werden sie in außerordentlichen Mitgliederversammlungen tun. Den Auftakt macht am 2. Dezember der Breloher SC um 19 Uhr in der Schützenhalle in Breloh, gefolgt vom VfB Munster am 3. Dezember, ebenfalls um 19 Uhr, in der Festhalle der Örtzestadt. Die Versammlung des ESV Munster steht am 4. Dezember um 19 Uhr in der Stadtbücherei auf dem Plan, während die Mitglieder der SV Munster einen Tag darauf um 10 Uhr in der Festhalle zusammenkommen. Der SV Trauen-Oerrel lädt ebenfalls für den 5. Dezember, 11 Uhr, in die Mehrzweckhalle Trauen ein. Notar Christian Schulz, der die Verschmelzung begleitet, wird bei jeder Veranstaltung vor Ort sein und die Abstimmungsergebnisse jeweils notariell beglaubigen. Selbstverständlich sind bei den Treffen die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Mund-Nasen-Bedeckungen müssen mitgebracht werden. Und wie ist die allgemeine Stimmung der Mitglieder? „Überwiegend positiv“, berichtete VfB-Vorsitzender Michael Zappe. Im VfB habe es bereits eine Probeabstimmung gegeben. „Alle waren dafür“, so Zappe. Dies gelte, hob Mangold hervor, auch für die Spartenleitungen und Funktionsträger der fünf Vereine. „Sie haben sich intern geeinigt, arbeiten gut zusammen und sind absolut für die Verschmelzung.“ Die Verantwortlichen sind sich einig, auch im Sinne kommender Generationen den richtigen Weg eingeschlagen zu haben: Mit einem Gesamtverein gelinge es, erhebliche Kosten einzusparen. Außerdem werde die Attraktivität und Qualität des Sportangebotes deutlich erhöht. Weiterhin hätten es Vereine in Zeiten des demographischen Wandels zunehmend schwer, Vorstandsposten zu besetzen und Ehrenamtliche für die Arbeit im Verein zu gewinnen. Angesichts solcher Entwicklungen bestehe die Gefahr, sinkende Mitgliederzahlen verzeichnen zu müssen. „Wir wollen Qualitäten bündeln und mehr Effizienz erreichen“, unterstrich BSC-Vorsitzender Heinz Wagner. Auch die Mitglieder profitierten, da Mehrfach-Mitgliedschaften entfielen und nur noch ein Vereinsbeitrag zu zahlen sei. Zudem stünden die Angebote nun allen Mitgliedern offen, auch zum Beispiel Lach-Yoga, Gedächtnistraining, Line-Dance, Schach sowie Dartsport.

Insgesamt wird die Eintracht etwa 3.050 Mitglieder haben - und damit nach dem TV Jahn Schneverdingen mit seinen rund 3.500 Mitgliedern zweitgrößter Sportverein in der Region sein. Die bestehenden Vereinsheime sollen bestehen bleiben, Mitgliederverwaltung und -betreuung werden in einer gemeinsamen Geschäftsstelle konzentriert. So können Synergieeffekte genutzt werden. Auch in Sachen Sponsoring gibt es bessere Möglichkeiten, ferner kann ein Verein dieser Größenordnung gegenüber der Stadt und den Sportorganisationen und Fachverbänden selbstbewusst auftreten. Die Jugendstiftung der SVM wird mit in den neuen Verein eingebracht - und nicht nur diese: „Alle Vereine bringen größere Vermögenswerte mit ein, besonders in Form von Sportgeräten“, machte Wagner deutlich. „Ob Kinder, Senioren oder Leistungssportler - es ist eine Entscheidung für alle Generationen, für die Zukunft des Sports in Munster“, so der BSC-Vorsitzende. „Wir sind froh und dankbar für diese Entwicklung“, betonte Erster Stadtrat Rudolf Horst als Vertreter der Bürgermeisterin Christina Fleckenstein. Die Vereine hätten sich im Zuge des von der Stadt angeschobenen Sportentwicklungskonzeptes von Beginn an eingebracht und den Verschmelzungsprozess von sich aus stark vorangetrieben. „Wir haben diesen Prozess immer wohlwollend begleitet. Die Entwicklung läuft in die richtige Richtung“, meinte Horst.

Nun sind die Mitglieder gefragt. Bei jeder der Versammlungen reicht eine einfache Mehrheit der Abstimmenden für die Verschmelzung. Offen ist noch, wie die Ehrenvorsitzenden der SV Munster votieren, die laut Satzung ein gesondertes Vetorecht haben. Sollte es grünes Licht geben, dann gibt es in Munster ab 1. Januar 2021 einen neuen Sportverein. Die „Eintracht Munster 2020“ wird dann auch weiterhin offen für andere Vereine sein, die sich anschließen möchten. „Es gibt bereits Vereine, die Interesse angemeldet haben“, so ESV-Vorsitzender Oliver Hartung.

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