Volkstrauertag: Keine öffentliche Feierstunde

Statt der Haus- und Straßensammlung für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisiert die Stadt Munster eine „Online-Spendendose“

Volkstrauertag: Keine öffentliche Feierstunde

Beim Pressegespräch am vergangenen Dienstag hatte Christina Fleckenstein, Bürgermeisterin der Stadt Munster, noch von dem Willen gesprochen, trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag am 15. November im Bereich der Örtze-stadt „in welcher Form auch immer stattfinden zu lassen.“ Am Donnerstag dann kam die Mitteilung, dass es keine offiziellen Feierstunden geben wird. Auch die Straßensammlung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist in diesen Zeiten so nicht möglich; stattdessen gibt es, wie Fleckenstein und der Standortälteste Munster, Brigadegeneral Ullrich Spannuth, gemeinsam vorstellten, eine Onlinesammlung.

Der Volkstrauertag habe in Munster „einen besonderen Stellenwert“, unterstrich Spannuth im Pressegespräch und sprach von der Erinnerung daran, was passieren könne, „wenn Macht nicht durch Recht und Gerechtigkeit gebändigt wird.“ Auch in Corona-Zeiten „dürfen wir das gemeinsame Gedenken nicht in den Hintergrund geraten lassen“, mahnte Spannuth. Und so soll der Volkstrauertag am Standort dennoch begangen werden: „Wir machen das, was machbar ist, im Rahmen des Verantwortbaren!“, erklärte der Brigadegeneral. Die in anderen Jahren geplante zwei Tage umfassende Veranstaltung mit vielen Gästen werde in diesem Jahr konzentriert auf 45 Minuten.

Am 12. November, dem 65. Aufstellungstag der Bundeswehr, steht eine Kranzniederlegung an der Gedenkstätte auf dem Kasernengelände auf dem Plan, zu der die Soldaten antreten und der Inspekteur des Heeres sowie Bürgermeisterin Fleckenstein erwartet werden. Der Militärpfarrer Yves Töllner wird sprechen. Die Veranstaltung wird gefilmt und später online gestellt, „so dass alle die Möglichkeit haben, virtuell teilzuhaben. Denn für viele, die in diesem Jahr nicht teilnehmen können, ist dieser Termin normalerweise ein Herzensanliegen“, betonte der Standortälteste.

Von einem Austausch und Treffen der Generationen anlässlich der Feierstunden zum Volkstrauertag sprach Bürgermeisterin Fleckenstein. Das sei aber 2020 nicht möglich. Am Dienstag hoffte die Bürgermeisterin zwar noch auf Gedenkstunden in kleinem Rahmen. Am Donnerstag jedoch teilte die Stadt mit, sie habe sich „nach eingehender Prüfung und schweren Herzens entschieden, alle offiziellen Feierstunden mit gemeinsamer Kranzniederlegung in Munster und in den Ortschaften Breloh, Ilster, Trauen und Oerrel abzusagen.“ Zugangsbeschränkungen und Kontakterfassungen seien „bei diesen im öffentlichen Raum stattfindenden Veranstaltungen nur schwer umzusetzen.“

Auch der Landesverband des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge habe sich dafür ausgesprochen, „von Veranstaltungen und Versammlungen Abstand zu nehmen und nur in ganz kleinen Gruppen der Opfer von Gewalt und Kriegsherrschaft zu gedenken. Die Stadt Munster wird die Kränze in den Ortschaften und in Munster daher ohne Beteiligung der Öffentlichkeit niederlegen.“ Auf dem Waldfriedhof werden dies Fleckenstein, Spannuth und der örtliche Vorsitzende des Volksbundes, Oberstleutnant Christian Simmelbauer, übernehmen.

„Alle Vereine, Organisationen, Verbände und Einheiten, die trotz Absage der Feierstunden Kränze niederlegen möchten, können dies am Volkstrauertag in Eigenregie tun“, teilte die Stadtverwaltung mit. Hierbei seien die allgemeinen Corona-Bestimmungen einzuhalten.

Auswirkungen hat die Pandemie auch auf die Haus- und Straßensammlung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die normalerweise in der Woche vor dem Volkstrauertag auf dem Plan steht. „Viele Bürger sind sonst extra im Haus geblieben und haben auf die Sammler gewartet oder sind bei der Straßensammlung gezielt auf die Soldatinnen und Soldaten zugegangenen“, wusste Fleckenstein zu berichten.

Doch eine solche Haus- und Straßensammlung sei angesichts der gesamtgesellschaftlichen Anstrengungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie „kontraproduktiv“, hob Spannuth hervor. So werde die Aktion, wie vieles, ins Internet verlagert: „Die Stadt Munster richtet eine Online-Spendendose ein“, erklärte die Bürgermeisterin. Vom 9. bis zum 30. November steht ein städtisches Konto zur Verfügung, auf dem für den Volksbund gesammelt wird. Doch aufgeschoben sei nicht aufgehoben - die eigentliche Sammlung soll im gewohnten Rahmen nachgeholt werden, sobald dies die Lage zulasse, kündigten Fleckenstein und Spannuth an.

Auf der Homepage der Stadt Munster gibt es einen Hinweis mit der entsprechenden Bankverbindung, auch sind Plakate mit den Kontodaten vorbereitet. „Wir würden uns sehr freuen, wenn diese Spendenmöglichkeit genutzt werden würde. Anders ist es in diesem Jahr leider nicht möglich“, so der gemeinsame Appell von Bürgermeisterin Fleckenstein und Brigadegeneral Spannuth an die Bürgerinnen und Bürger. Wenn die Spende an den Volksbund über dieses extra eingerichtete Konto erfolge, könne dann auch - wie bei der Haus- und Straßensammlung - festgestellt und bekanntgegeben werden, welche Summe die Örtzestädter gespendet haben.

Die Stadt Munster stelle jedoch keine Spendenbescheinigung aus: „Für Spenden bis zu 200 Euro ist der Kontoauszug als Spendenbescheinigung gegenüber dem zuständigen Finanzamt ausreichend. Aus diesem Beleg müssen dafür der Vor- und Nachname des Spenders, die Kontonummer des Spenders, der Spendenempfänger wie auch der Betrag und der Buchungstag hervorgehen“, so die Bürgermeisterin.

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