Weitere Million für die „Oase“

Baumaßnahmen im Munsteraner Soldatenheim / Neuer Pächter gesucht

Weitere Million für die „Oase“

Auf der Sommerterrasse des Munsteraner Soldatenheims „Oase zum Oertzetal“ holt sich die Natur derzeit ihren Lebensraum zurück: Durch die Fugen der Bodenplatten kämpft sich an unzähligen Stellen das Grün hindurch, wobei einige der Emporkömmlinge bereits stattliche Ausmaße erreicht haben. Die Folgen des Stillstandes nach dem Corona-Lockdown sind auf dieser Fläche nicht zu übersehen, der Wildwuchs macht dem Namen „Oase“ so langsam, aber sicher alle Ehre. Und während im Innern derzeit fleißig gebohrt, gehämmert und geschraubt wird, sind in Munster auch noch Gerüchte ins Kraut geschossen, dass das Pächterehepaar Eric dort nicht weitermachen werde. Was also ist da los im Soldatenheim? Am vergangenen Dienstag brachten die Verantwortlichen der Betreibergesellschaft, der Evengelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (EAS), des Staatlichen Baumanagements Lüneburger Heide und des Kuratoriums Soldatenheim in einem Pressegespräch Licht ins Dunkel.

Um es gleich vorwegzunehmen: Pächterfamilie Eric hört tatsächlich auf. Sie ist bislang zweigleisig gefahren und hat parallel auch das Soldatenheim der Marineschule in Flensburg unter ihren Fittichen. Nach sieben Jahren in Munster will sie sich nun ausschließlich auf dieses Haus konzentrieren. Wie es jetzt weitergeht und was für Baumaßnahmen derzeit im Hause ausgeführt werden, darüber informierten als Vertreter der EAS Hauptgeschäftsführer Rolf Hartmann, Betriebsberater Inland Andreas Böttner und der für Betreuung und Kommunikation zuständige Abteilungsleiter Dr. Marlon Berkigt sowie als Vertreter des Kuratoriums Soldatenheim Munster Hauptmann Michael Zappe. Details der Baumaßnahme erläuterten Projektleiter Markus Remmert und Fachbereichsleiter Betriebstechnik Heiko Ziegenbein vom Staatlichen Baumanagement Lüneburger Heide.

Das Soldatenheim ist in den vergangenen Jahren nahezu komplett saniert worden. Unter anderem gab es umfangreiche Umgestaltungs- und Modernisierungsarbeiten im Saal - inklusive Erneuerung der Bühnentechnik. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Umgestaltung der in die Jahre gekommenen Kegelbahn zu einer Bowlingbahn. Doch einige weitere Maßnahmen sind noch erforderlich. So wird nun das Dach saniert, wobei die Entwässerung von innen nach außen verlegt wird. Auch Wärmedämmung und Blitzschutz werden erneuert. Hinzu kommen, wie Ziegenbein erläuterte, unter anderem Verbesserungen im Brandschutz, die Sanierung der Lüftungsanlage im Restaurantbereich, der Einbau einer Satelliten-TV-Anlage sowie die Erneuerung der Beleuchtung im Restaurant. Auch kleinere Maßnahmen wie die Erneuerung des Lastenaufzuges finden sich auf der Liste. Damit wird noch einmal mehr als eine Million Euro in die „Oase“ investiert. Die Bauarbeiten haben am 13. Juli mit dem „Freiziehen“ der Räumlichkeiten begonnen und sollen laut Ziegenbein am 31. Dezember dieses Jahres abgeschlossen sein. Die Aufträge gingen an elf Firmen, die überwiegend aus der Region stammen.

Das Soldatenheim war seit Beginn des Corona-Lockdowns im März geschlossen. Zwar hätte es auch die Möglichkeit gegeben, die Arbeiten bei laufendem Betrieb in Angriff zu nehmen, so Hartmann. „Wir haben uns aber dafür entschieden, komplett zu schließen, um Druck aus den Baumaßnahmen zu nehmen, damit die Arbeiten nicht betriebsbegleitend ausgeführt werden müssen. Wir wollen nun einen geordneten Neustart mit neuen Betreibern Anfang des nächsten Jahres“, so der EAS-Hauptgeschäftführer. Er würdigte in diesem Zusammenhang das Engagement der bisherigen Betreiberfamilie Eric, die auch dazu beigetragen habe, dass sich das äußere Erscheinungsbild des Soldatenheims „immens gewandelt und deutlich verbessert hat.“ Der Oberstleutnant der Reserve ist zuversichtlich, dass zeitnah ein neuer Pächter ins Boot geholt werden kann. „Wir haben ungefähre Vorstellungen und sind offen für Interessenten“, konstatierte Hartmann. Nähere Infos dazu gibt es im Internet unter www.eas-berlin.de sowie per E-Mail an a.boettner@eas-berlin.de.

Die Gastronomie sei, so der Hauptgeschäftsführer, vor der Coronakrise „ein festes Gefüge“ gewesen, „jetzt sondiert sie sich gerade. Es ist wieder gutes Personal auf dem Markt. Viele Gastronomen sind gezwungen, sich neu zu orientieren. Und wir haben hier ein wunderschönes Objekt mit Potential anzubieten“, betonte Hartmann. „Das Haus wurde in den vergangenen sieben Jahren fast einmal komplett durchsaniert. Es gibt keinen Investitionsstau, und das Soldatenheim ist komplett inventarisiert und ausgestattet“, ergänzte Böttner: „Außerdem sorgen wir für eine gute Starthilfe. Wir geben jedem Pächter die Luft zum Atmen.“ Und Berkigt: „Das Haus hat in Munster eine besondere Bedeutung und Funktion, ist es doch eng mit der Bundeswehr verbunden. Diese enge Bindung zur Truppe ist sehr wichtig. Und deshalb gibt es das Kuratorium Soldatenheim.“

„Für Munster als größten Heeresstandort Deutschlands ist die ‚Oase‘ Gold wert. Sie ist ein Treffpunkt für Soldaten und die Zivilbevölkerung“, unterstrich Zappe. Ein Highlight sei die Bowlingbahn, die bis zur Schließung rege genutzt worden sei, nicht zuletzt wegen „unschlagbarer Preise.“ Apropos Schließung: „Viele Munsteraner waren traurig, manche auch sauer. Vielen fehlt die Currywurst nach Dienstschluss“, meinte Zappe. In der Coronakrise hätten jedoch viele Soldaten und Bürger aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln sowie Maskenpflicht keine Lust verspürt, zum Essen auszugehen - auch nicht nach den ersten Lockerungen. Und ein Außer-Haus-Verkauf hätte angesichts der anderen Anbieter in der Umgebung „keinen Sinn gemacht.“

Auch Zappe bedauert, dass in diesem Jahr die Theateraufführungen des „Wundertüte“-Ensembles, Konzertveranstaltungen, Weihnachtsfeiern, Familienfeiern und auch der Silvesterball nicht im Soldatenheim über die Bühne gehen werden. „Wir werden oft gefragt, was mit Gutscheinen und Konzertkarten ist. Es sind noch einige Fragen offen, die aber jetzt geklärt werden“, erläuterte er. Und weiter: „Es ist gut, dass die Zeit jetzt, wo geschlossen ist, für die Baumaßnahmen genutzt wird. Wir hoffen nun auf einen Pächter, der flexibel ist und mit dem man gut arbeiten und das Haus wieder hochfahren kann.“

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